Verkaufen Sie New York – Kaufen Sie Tokio
C. Alexander Green in Investors Daily
vom 15. August 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Japan befindet sich seit 14 Jahren in einer wirtschaftlichen Krise. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt stagniert jetzt schon so lange, dass sie die einst führende Rolle in Asien und in der Weltwirtschaft insgesamt effektiv abgegeben hat.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Land hatte in den späten 1980ern eine große Spekulationsblase am Aktienmarkt (diese Blase erinnert sehr an die Spekulationsblase bei den Hightech-Aktien in den späten 1990ern). 1989 stand der Nikkei 225 – der führende japanische Index – bei 39.000 Punkten, und einem durchschnittlichen KGV von über 100. Gleichzeitig gab es eine große Spekulationsblase am japanischen Immobilienmarkt.
Leider waren die japanischen Banken sehr fleißig, wenn es darum ging, Hypotheken auf diese hoch bewerteten Immobilien zu vergeben. Mehr als eine Dekade später sind die Immobilienpreise in Japan um über 80 % gefallen – was das japanische Bankensystem sehr schwer getroffen hat.
Diese haben jede Menge fauler Kredite in den Bilanzen. Aber bis jetzt haben sich die japanischen Politiker geweigert, dieses Problem anzugehen. Als Ergebnis davon stolpert die japanische Wirtschaft so vor sich hin, wie ein Zombie, während die eigentlich bankrotten Banken weiterhin Geld an technisch insolvente Unternehmen verleihen.
Die japanischen Politiker haben die Situation noch schlimmer gemacht. Anstatt die Steuern direkt zu Beginn der Krise stark zu senken, um die Wirtschaft zu stimulieren, hat die Regierung große Ausgabenprogramme gestartet. Darunter waren massive öffentliche Projekte, es wurden Autobahnen gebaut, die keiner brauchte, und Brücken ins Nichts.
Ich brauche wohl kaum zu sagen, dass das nicht funktionierte. Das nicht funktionierende Bankensystem und die hohen Haushaltsdefizite führten zu einer Deflation, die seit einem Jahrzehnt in Japan die Preise fallen lässt. Aus diesem Grund weigern sich die Konsumenten, Geld auszugeben – weil sie immer fürchten, dass die Dinge noch billiger werden. Und das hat zu dem Teufelskreis Deflation geführt.
Also, Japan hat das Platzen einer Spekulationsblase gesehen ... eine kranke deflationäre Krise ... einen Aktienmarkt, der 82 % eingebrochen ist ... und das Aufkommen einer sehr schwarzen Stimmung unter Konsumenten und Investoren. Dennoch könnte jetzt für antizyklische Investoren eine einzigartige, historische Kaufgelegenheit sein. Gerade jetzt, wo der Pessimismus seinen Zenit erreicht hat.
Es gibt starke Argumente, die dafür sprechen, dass die japanischen Aktien deutlich unterbewertet sind. Die japanische Regierung macht jetzt wirklich ernsthafte Schritte in Richtung Bankenreform. Der Druck, Änderungen durchzuführen, wächst.
Zweitens: Die Immobilienpreise sind jetzt viel tiefer gefallen als die Mieten. Viele japanische Immobilien erzielen jetzt Mietrenditen von 10 % jährlich. Das könnte dafür sprechen, dass wir bei den Immobilienpreisen in Japan jetzt den Boden erreicht haben. Da die Renditen in diesem Bereich so hoch sind, ist es unwahrscheinlich, dass die Immobilienpreise vom aktuellen Niveau aus noch einmal dramatisch fallen werden. Ein weiteres positives Signal ist die Tatsache, dass die Gewinne der japanischen Unternehmen wieder steigen. Laut Morgan Stanley sind die Gewinne der in Tokio börsennotierten Gesellschaften (ohne Banken) in den 12 Monaten bis Ende März 2003 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 80 % gestiegen.
Nach vielen Maßstäben befinden sich die japanischen Aktien unter den billigsten Aktien der Welt. Erstaunliche 60 % der japanischen Unternehmen haben einen Börsenwert, der unter ihrem Buchwert liegt (zum Vergleich: bei den Unternehmen des S&P 500 liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei durchschnittlich 5). Und noch wichtiger: Die schlechten News sind in den japanischen Aktienkursen bereits eingepriced. Keiner verkauft heute noch japanische Aktien wegen der schlechten News der letzten Dekade. Aber ein paar positive News – wie eine echte Bankenreform – würden die japanischen Aktienkurse substanziell steigen lassen.
Und das könnte bald passieren. Die Japaner haben mehr als 250 Mrd. Dollar Cash an Ersparnissen – davon könnte ein großer Teil an den Aktienmarkt fließen.
Und es ist wichtig zu bedenken, dass die weltweiten Fondsmanager Japan derzeit untergewichten. Wenn der japanische Markt beginnen sollte, durchzustarten, dann werden sie gezwungen sein, Milliarden dort zu investieren, um gegenüber ihrer Benchmark keine Underperformance zu erzielen.
Es gibt natürlich Risiken. Aus diesem Grund empfehle ich einen konservativen Weg, um von einem Rebound in Tokio zu profitieren: Kaufen Sie den gesamten Markt. Am besten mit einem entsprechenden Zertifikat.
Den japanischen Markt heute zu kaufen, ist ein antizyklisches Investment in Reinkultur. Aber wie Investmentlegende John Templeton oft gesagt hat: "Die größten Schnäppchen findet man nur dann, wenn der Pessimismus am größten ist."
Verkaufen Sie New York. Kaufen Sie Tokio.