Verkaufen die starken Hände aus Angst vor der Vogelgrippe?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 06. Oktober 2005 18:00 Uhr
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Es ist ein wenig schwierig, gegen den Mainstream anzureden. Kaum fällt der Dax nach einem neuen Jahreshoch, schon geistern wieder Weltuntergangszenarien durch die Köpfe der Anleger. Ich habe heute vier Mails erhalten, in deren Überschrift das Wort Crash auftauchte. Zudem noch einige Diskussionen geführt. Thema: Crash. Kaum geht es runter, schon geht das wieder los. Wir sind immer noch alle traumatisiert ...
Gut, dieses Mal gibt es tatsächlich Grund genug, das ist nicht zu leugnen: Die Amis sind sehr schwach, zu schwach, den gestrigen Tag kann man getrost als blutrot bezeichnen.
Grund zur Panik?
Charttechnisch: Nein! Am Dienstag hatte ich geschrieben, dass es eine Widerstandsmarke im Dax gibt, die den Dax auch deutlich unter 5000 Punkte drücken kann. Gestern hatte ich gesagt, die 5000 Punkte sind sicher. Die 5000 Punkte haben wir nun gesehen. Aber es kann auch noch etwas weiter runter gehen. Soweit ist noch alles in Ordnung, das typische Spiel im Dax, neues Jahreshoch, starker Abverkauf. Anders ist es in den USA:
Was könnte der Grund für diese massiven Verkäufe in den USA sein?
In den USA häufen sich die "Horrormeldungen": New Orleans pleite, in Florida gilt wieder Wildwestmentalität, frei nach dem Motto: erst schießen, dann fragen, Defizite, Kosten des Hurrikans und vor allem: Die Inflationsgefahren.
Und genau das scheint der "offizielle " Grund zu sein, warum die Börsen gestern derart ins Straucheln gekommen sind. Gleich mehrere Fedmitglieder äußerten sich besorgt über die Inflationsgefahren.
Aber unbemerkt
Und was passiert im Hintergrund? Der Ölpreis fällt den fünften Tag in Folge. Nun kommen wieder die Analysten, die behaupten, der Ölpreis würde fallen, weil das Wirtschaftswachstum in den USA zu sinken droht. Das mag stimmen, mir ist egal, warum der Ölpreis fällt. Wichtig ist nur, dass ein fallender Ölpreis die Inflationsgefahren in den USA dramatisch sinken lässt und das ist etwas, das lesen Sie seltsamerweise nirgendwo. Ich verstehe nur nicht, warum.
Gut, wir müssen noch abwarten, wie weit der Ölpreis fallen wird – der Markt ist so an einen steigenden Ölpreis gewöhnt, dass er sich einen fallenden Ölpreis kaum noch vorstellen kann. Ich hatte Sie darauf hingewiesen, dass die US-Regierung und die Fed nun sicherlich ein großes Interesse an fallenden Energiepreisen haben werden. Es wird also spannend, wie sich der Ölpreis weiter entwickelt, ob ich mit dieser Einschätzung auch weiterhin Recht behalte.
Wenn der Ölpreis bei steigenden Zinsen fällt, sollte das Thema Inflation bald gegessen sein.
Nun bin ich natürlich sicher nicht der einzige, der solche Zusammenhänge sieht. Also müssten eigentlich die starken Hände kaufen. Das tun sie aber anscheinend nicht. Und aus diesem Grund bin ich beunruhigt. Irgend etwas hängt in der Luft, nur was?
Vogelgrippe ein Grund?
Gestern kam die Meldung, dass die USA zum Schutz gegen eine mögliche Vogelgrippe-Seuche den Prototyp eines Vogelgrippe-Impfstoffs für Menschen bestellt hat. So soll eine schnelle Impfstoffentwicklung ermöglicht werden, natürlich nur, wenn der Vogelgrippe-Virus mutiert. Wenn Sie sich mit dem Thema Vogelgrippe beschäftigen, dann wissen Sie, dass die Gefahr einer Mutation aktuell so hoch wie lange nicht mehr ist.
Offenbar kommt nun langsam auch weltweit in den entsprechenden Koordinationszentralen Sorge auf (von der Ernennung eines Koordinators hatte ich berichtet). Bevor die USA zu solchen Vorsichtmaßnahmen greifen, werden sicherlich viele Fakten bewertet worden sein. Dass die USA zu solchen Mitteln greifen, zeigt, dass die Gefahr zumindest potentiell vorhanden ist. In letzter Zeit häufen sich also die bedenklichen Nachrichten zu diesem Thema.
Ich weiß leider nicht, was für Informationen im Hintergrund laufen, aber sollten hier Information vorliegen, die die Masse noch nicht kennt, dann könnte das diese Verkäufe erklären. Auf der anderen Seite kann dies aber auch völlig aus der Luft gegriffen sein – vielleicht ist es auch etwas ganz anderes, etwas, dass keiner sieht.
Fakt ist, dass sich in den USA erste zarte Anzeichen eines Abwärtstrends herausbilden. Noch ist das kein Grund zur Panik, gerade im Dax ist noch nichts Bedenkliches passiert, aber das will trotzdem sorgsam beobachtet werden.