Verhaltene Börsen erwartet
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 27. August 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Viel los heute. Bush räumt ein, dass es in seiner Irak Politik zu Fehleinschätzungen gekommen sei. Mit anderen Worten, die USA haben nicht damit gerechnet, dass der Irak nach dem Krieg noch so lange derart instabil bleiben würde. Das ist doch nett formuliert, vertuscht aber, dass der Irak-Krieg an sich dem Image der USA, der Sicherheit in dieser Welt und dem Miteinander der Völker sehr großen Schaden zugefügt hat und man sich fragen darf, ob nicht der gesamte Irak-Krieg ein riesiger Fehler gewesen ist.
Vertuscht wird viel, offenbar auch in Russland. Mittlerweile ist klar, dass es sich bei dem Absturz zweier russischer Flugzeuge um einen Anschlag gehandelt hat. Bei einer genaueren Untersuchung einzelner Wrackteile sind Sprengstoffreste gefunden worden. Zudem konnten Personen an Bord der Maschinen identifiziert werden, die diesen Anschlag ausgeführt haben könnten.
Heute morgen tauchte dann noch auf einer islamitischen Internetseite ein Bekennerschreiben auf. Eine islamistische Gruppierung bekannte sich zu dem Anschlag: Es sei eine Vergeltung für in Tschetschenien umgekommene Moslems. Ob hier nicht wieder nur eine Gruppe aufgesprungen ist, diese Erklärung also echt ist, sei dahin gestellt.
Erfreuliches aus dem Irak: Aus Nadschaf kommt nun endlich Entwarnung. Dem Schiitenführer Ali al Sistani ist es gelungen, Moktada al Sadr zum Einstellen der Kämpfe zu bewegen. Ich bin gespannt, ob sich nun die gesamte Situation im Irak beruhigt oder weiter mit einer Vielzahl von Anschlägen zu rechnen ist. Zunächst kamen jedoch wieder neue Nachrichten über Anschläge auf die irakische Ölinfrastruktur, die den Ölpreis kurzfristig nach oben schnellen ließen und die Märkte nach unten drückten.
Aus den USA kommen Nachrichten, die weniger schön sind und so gar nicht zu dem Bild des umgebremsten Wirtschaftswachstum passen. Vielleicht haben Sie gestern den Bericht von Martin Weiss zu der schwierigen Situation der USA gelesen. Dazu passt diese Meldung: Nach neuen offiziellen Angaben soll in den USA die Armut immer weiter ansteigen. Mittlerweile leben in den USA 35,9 Mio. Menschen in Armut. Das sind 12,5 % der Bevölkerung!
Für die Börse interessant wird der Wahlparteitag der Republikaner, der am Montag in den USA beginnt. Hier könnte sich eine erste Richtung für die US-Wahl im November abzeichnen. Die Börse will eine zweite Amtszeit für Bush. Eine Vielzahl von Amerikaner und der überwiegende Teil der Europäer wollen das jedoch genau nicht. In den USA ist mit großen Protesten im Zuge des Parteitages zu rechnen. Dabei streiten die Experten, ob ausufernde Proteste, die bis hin zu Krawallen gehen könnten, besser für Bush oder besser für Kerry wären.
Auch die Anschlagsgefahr dürfte damit wieder vermehrt in den Fokus der Anleger rücken, gerade nach den Anschlägen in Russland. Eventuell wird sich die Börse deswegen vor diesem Parteitag zurückhaltend zeigen.
Und zum Schluss: Kurz geisterte noch ein Gerücht übers Parkett: Sony wolle eine Gewinnwarnung herausgeben. Dieses Gerücht wurde jedoch von Sony direkt wieder dementiert.