Vergessen Sie die Angst...
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 28. April 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Cafayate, Argentinien. Letzte Woche ging ich zu einem Schumacher in Salta. Der alte Mann zeigte mir ein Paar rote Schuhe.
Hier, versuchen Sie die mal. Die habe ich für einen großen Nordamerikaner wie Sie gemacht."
Ich zog diese Schuhe an. Aber sie waren etwas zu groß. Dann sah ich die Initialen im zugehörigen Auftragszettel.
Für wen machen Sie die?"
Einen Mann namens Casey. Douglas Casey."
Ah, ich wusste es. Ich würde nie in die Schuhe von Doug Casey passen.
Mit diesem alten Freund von mir hatte ich kurz zuvor noch zu Abend gegessen, bevor ich mich auf den Weg zu meiner Ranch machte.
Die Situation ist schlimmer als sogar ich dachte", sagte Doug.
Aber Doug schien sich deswegen nicht mehr Sorgen zu machen als ich.
Das ist die merkwürdige Gabelung in der heutigen Finanzwelt. Diejenigen von uns, die sich über die Finanzwelt Gedanken machen (wir beide), glauben dass uns Probleme bevorstehen. Man kann eine seit 60 Jahren bestehende Schuldenexplosion nicht in ein paar Monaten lösen. Man kann ein Schuldenproblem nicht lösen, indem man weitere Schulden anhäuft. Und man kann eine freie Marktwirtschaft nicht dadurch stärken, dass man den staatlichen Sektor stärkt.
Dennoch geht die Erholung" schon so lange weiter, dass wir vergessen haben, wie sich die Krise anfühlt. Erinnern Sie sich noch an den Herbst 2008...als die Aktienkurse einbrachen, als Lehman Pleite ging? Fear...and loathing. Ganz nach unten. Fürcherlich. Angst erregend. Das ist, was die Leute damals dachten. Es war das "Ende der Welt". Der Tag der Abrechnung war gekommen...
Angst lässt einen Dinge tun, die man nicht tun möchte. Es lässt einen seine Ausgaben kürzen...es lässt einen Projekte beenden...Urlaube streichen...streichen...kürzen. All diese Dinge, von denen man denkt, man sollte sie tun, auch wenn man sie wirklich nicht tun möchte.
Aber sobald die Furcht geht, kehrt man zu dem zurück, was man vorher getan hatte. Selbst wenn die Gründe für die Furcht immer noch da sind...selbst wenn man dies versteht und klar sieht.
Als ich meine eigenen Gefühle begutachtete, da realisierte ich, dass ich keine Angst mehr habe. Soweit ich es sagen kann, entwickelt sich die große Korrektur" genauso, wie sie es sollte. Aber der Rebound" hat länger gedauert und er ist weiter gegangen, als ich dachte. Er hat die Furcht genommen. Der Dow Jones steht über 11.100 Punkten...die Anleihenrenditen stehen in der Nähe von Rekordtiefs....und es gibt mehr Leute, die daran glauben, dass die Politik die Sache unter Kontrolle hat, als Leute, die an die jungfräuliche Geburt glauben.
Aber die Risiken sind immer noch da. Früher oder später werden sie wieder in den Vordergrund treten. Bleiben Sie dran.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Rüesch Guatemala City (28.04. 2010 19:35 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, heute haben Sie wie aus meiner Seele geschrieben. Es ist so, wir sind schon langsam verblendet. Wir glauben, es geht wieder bergauf. Wir sind dumm. Aber seit gestern trennten sich endlich die Wege der Aktien und des Goldpreises. Endlich. Aktien runter, Gold rauf, das würde doch Sinn machen, hat es aber bis jetzt nicht getan. Is this a new beginning? Ich geniesse Ihre Berichte. Herzlichst, Werner Rüesch, Guatemala City
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