Verfallstag
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 17. Juni 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
morgen ist wieder großer Verfallstag an der Terminbörse Eurex. An diesem Tag laufen Optionen auf Aktien, Aktienindizes sowie der DAX-Future mit Juni-Fälligkeit aus. Oft kommt es im Vorfeld eines solchen Verfallstages zu volatilen und manchmal etwas merkwürdigen Kursbewegungen, weil kapitalkräftige Marktteilenehmer versuchen, die Kurse zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Je nachdem, bei welchem Basiskurs sich diese Großanleger mit Hilfe von Optionen abgesichert haben, gibt es ein DAX-Niveau, das für die überwiegende Anzahl von Marktteilnehmern entsprechend günstig ist. Oft bildet sich erst nach dem Verfall wieder eine klare Tendenz am Aktienmarkt heraus. Haben die Großanleger mehrheitlich auf fallende Kurse gesetzt, versuchen Sie den Markt im Vorfeld nicht weiter steigen zu lassen. Sind sie hingegen auf steigende Kurse positioniert, kann der DAX nach dem Verfall auch schnell absacken. Die wilden Kurssprünge beim DAX in den letzten Wochen waren möglicherweise bereits Ausdruck dieser Aktivitäten.
Die große Preisfrage ist nun, wie die Großanleger diesmal positioniert sind, um die DAX-Entwicklung in und nach dieser Woche abschätzen zu können. Da das Put-Call-Verhältnis in den letzten Wochen deutlich angestiegen ist, könnte man davon ausgehen, dass die Großanleger überwiegend auf fallende Kurse spekulieren und den Markt in dieser Woche nicht weiter steigen lassen wollten. Dieses Vorhaben wäre jedenfalls misslungen.
Darüber hinaus zeigt der DAX erstaunliche Stärke gegenüber dem US-Markt. Das könnte wiederum ein Hinweis darauf sein, dass eher auf steigende Kurse gesetzt wurde, was weitere Anstiegsbemühungen ab der nächsten Woche erschweren könnte. Historisch betrachtet neigt der DAX insbesondere an markanten Topps wie in den Jahren 2000 und 2007 zu einer solchen Outperformance, die ihn im Nachhinein auf lange Sicht meist den Kopf gekostet hat. Endgültige Klarheit werden wir möglicherweise erst zu Beginn der nächsten Woche erhalten, wenn die Kurse wieder dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage überlassen werden. Schlimm genug, dass Großanleger da ungestraft hineinpfuschen können, nur weil sich die „Kurspflege“ nicht nachweisen lässt. Solche kurzfristigen Beeinflussungen sollten Sie aber nicht davon abhalten, Ihre gewohnten Investmententscheidungen zu treffen, denn über diese Woche hinaus wird der Markt ohnehin seine angedachte Bewegung ausführen.