Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.
Bill Bonner in Investors Daily
vom
Auf der Südhalbkugel beginnt der Frühling. Eine warme Brise kommt über den Rio Plata. Die Bäume an den breiten Boulevards in Buenos Aires sprießen. Die Kirschbäume blühen. Hier und da gibt es Gruppen amerikanischer Touristen, die in die Schaufensterscheiben gucken. Die Vögel singen. Die Verliebten spazieren Arm in Arm. Es sieht so aus, als sei es der Anfang von etwas.
Die Amerikaner haben im Ausland einen sehr gemischten Ruf. Sie sind laut. Sie kleiden sich schlecht. Und sie haben eine überhebliche Haltung, die die Ausländer für Arroganz halten. Aber sie geben besseres Trinkgeld als die Europäer.
Bei meiner Reise durch Argentinien war ich keinen Deut anders, nicht besser. Niemand von uns hatte sich die Mühe gemacht, ordentliches Spanisch zu lernen. Wir sprachen schlecht, wenn überhaupt. Wir erwarteten von den Leuten vor Ort, dass sie Englisch sprechen ... und unterhielten uns oft darüber, wie schlecht das Personal im Hotel unsere Muttersprache beherrschte, und uns fiel dabei kaum auf, dass es deutlich besser war, als unser Spanisch.
Wir Amerikaner sind deswegen aber nicht gemein oder aufgeblasen. Dennoch erwarten wir ganz unbewusst ein bisschen Ehrerbietung ... etwas Unterwürfigkeit ... leichte Verbeugungen und dergleichen in unsere Richtung. Schließlich sind wir immer noch die imperiale Macht. Wir sind die aktuelle Alpha-Nation. Wir haben die am weitesten verbreitete Kultur. Wir haben das mächtigste Militär. Wir haben das Geld.
"Warum hassen die Amerikaner die Franzosen so sehr?", fragte mich ein Mitglied der Gruppe. Die Antwort liegt auf der Hand: die Franzosen beugen sich einfach nicht. Die unbezwingbaren Gallier rümpfen ihre Nasen über die amerikanischen Touristen und geben ihnen das Gefühl, sie seien Tölpel. Die Franzosen leugnen ja gar nicht, dass unsere Armee, wenn es dazu käme, ihnen tüchtig deren 'Derrieres' versohlen könnte. Sie geben auch zu, dass der durchschnittliche weiße Amerikaner mehr Geld in den Taschen hat, als der durchschnittliche Franzose. Aber um diese beiden Dinge geht es schließlich gar nicht. Es geht um Kultur, und die französische Kultur ist überlegen.
"Verdammt, ich bin aber Amerikaner" sagt der schreckliche Tourist. Er ist überzeugt, dass die Frösche, die Hunnen und die Araber sämtlich inkompetent und unzivilisiert sind. Er ist der Erbe seiner englischen Cousins, die sagte: "Die Barbaren fangen in Calais an." Er verlangt besseren Service, als man sich dort untereinander gibt. Er kann einfach nicht begreifen, warum die Dinge hier anders sind, als daheim in den Staaten. Können die ihren Müll nicht aufheben? Und warum kann man ihnen nicht trauen? Warum fahren sie in diesen alten Autos durch die Gegend? Warum gibt es hier nicht mehr Geldautomaten? Warum verlangen sie immer die Ausweisnummern und andere Papiere, wissen sie denn nicht, dass Freiheit der richtige Weg ist? Fortsetzung siehe unten!
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