Verbraucherwirtschaft
Bill Bonner in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 11. August 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
Die "Verbraucherwirtschaft" war schon immer ein Hohn. Kein ernsthafter Ökonom hat je nahe gelegt, dass man reicher werden könnte, indem man sein Vermögen verbraucht. Aber das hat den Konsumerismus nicht unbeliebt werden lassen. Je mehr Leute konsumieren desto stärker steigt das Bruttoinlandsprodukt. Das Bruttoinlandsprodukt misst den Output, nicht den Vermögensaufbau; aber wer könnte den Unterschied schon erkennen? In einer Cartoonwirtschaft - niemand. Abgesehen davon gaben die Ausgaben den Leuten das Gefühl, reicher zu werden.
Doch immer dann, wenn die Verbraucher drohen zur Vernunft zu kommen, kommen die Regierungsvertreter und versuchen ihn zu stimulieren" - indem sie ihm noch mehr von dem geben, was er am wenigsten brauchen kann - noch mehr Kredit. Mehr Ausgaben haben die Verbraucherwirtschaft in Gang gehalten - und sie erlaubten des dem Verbraucher, dem Geschäftsmann und dem Spekulanten noch mehr zur Schuldenlast hinzuzufügen.
1971, als die Vereinigten Staaten vom Goldzug abgesprungen sind, lag die Verschuldung der Haushalte bei weniger als 50% des Bruttoinlandsprodukts. Heute sind es mehr als 100%. Und jetzt bekommen die armen Verbraucher wackelige Beine, sie sind gezwungen, den Rest ihres Lebens zu arbeiten, nur um den Schulden hinterher zu kommen, vom Abzahlen ganz zu schweigen.
Selbst die Rentiers wurden von ihrem eigenen Gewäsch in die Irre geführt. Die Aktien sind zwischen 1982 und 2000 gestiegen... und bis 2002 gründlich eingebrochen und dann wieder zurückgekommen. In den vergangenen 10 Jahren haben die Aktionäre wenig für ihre Mühen bekommen. Im Juli 1998 hat der Börsenindex der Financial Times (FTSE) mit 5,458 einen Höchstwert verbucht. In diesem Monat hat er 5,625 verzeichnet. Und wenn der Aktienpreis in Amerika in Benzingallonen angegeben würde, dann würde er die Autofahrer 2008 nicht weiter bringen als vor 40 Jahren.
Die Cartoonkapitalisten haben alles umgekehrt gemacht. Sie sollen eigentlich die Arbeiter ausbeuten und sich nicht von ihnen ausbeuten lassen. Aber auch wenn Konsumenten und Investoren keinen Schritt weiter gekommen sind, sind die Unternehmensmanager und die Leute von der Wall Street reich geworden. Die beiden Deppen, die Fannie und Freddie leiten, haben zusammen im vergangenen Jahr 32 Millionen Dollar in ihre Taschen stecken können - in einer Phase, in der das Unternehmen fast 5,2 Milliarden Dollar verloren hat - ganz zu schweigen von den Verlusten der Aktionäre.
Und an der Wall Street haben die Manager in den vier Jahren, die zur Kreditkrise führten 250 Milliarden Dollar Prämien ausgezahlt. Die Unternehmen gaben Profite bekannt und zahlten die Prämien aus, als die Wetten abgeschlossen wurden, sie haben nicht erst abgewartet, wie sie ausgehen. Und so wurden die großen Banken und die großen Broker zu Kapitalisten ohne Kapital, abhängig von der Leichtgläubigkeit der Investoren, sie im Geschäft zu lassen. Und als die Investoren dann anfingen, schlauer zu werden, wandten sie sich auf der Suche nach Kapital an die Öffentlichkeit.
Was ist denn das für ein Betrug? Aus der Ferne mag es wie Kapitalismus aussehen. Aber das ist nicht der wahre Kapitalismus, es ist ein Cartoonkapitalismus - der von Clowns geführt wird, die seltsame Investitionen an dumme Investoren verkaufen und die breite Masse der Hausbesitzer dazu bringen, sich selbst zu ruinieren.