Verbrauchervertrauen schockt die Märkte
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 29. Oktober 2002 18:00 Uhr
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Der Dax pendelt nun seit 10 Tagen in einer Range zwischen 3000 und 3200 hin und her. Eine große Range, aus der bisher kein Ausbruch gelingen will. Die Richtung, in die ein nachhaltiger Ausbruch gelingen wird, wird wahrscheinlich die Richtung der Indizes bis zum Jahresende vorgeben. Dabei fällt mir auf, dass der Dax in den letzten Tagen bei weitem nicht mehr so übertrieben auf Vorgaben aus den USA reagierte, wie noch vor 2 Wochen. Es scheint als stabilisiere sich die Stimmung. Die Zittrigen und Ängstlichen sind aus dem Markt, die Shortpositionen der Zittrigen und Ängstlichen sind zurückgekauft. Nun kommt es darauf an, wie die starken Hände des Marktes sich entscheiden. Diese warten natürlich auf die Zahlen dieser Woche.
Die Banken sind heute wieder die Verlierer im Dax, der ganzen Sektor bleibt im Minus, sicherlich sind die vielen Herabstufungen der Hypovereinsbank, wie aber auch die Angst vor den Zahlen der Deutschen Bank (WKN 514000), die am Donnerstag erwartet werden, dafür verantwortlich. Einige Analysten gehen davon aus, dass die Deutsche Bank enttäuschen könnte. Die Bankenkrise geht weiter.
Der Dax in Wartestellung. Vor der Veröffentlichung des Verbrauchervertrauens in Amerika um 16 Uhr hielt sich der Dax in einer kleinen Range zwischen 3135 und 3160 Pkt auf. Die Umsätze dünnten aus. Dann kamen die Zahlen. Die Märkte reagierten geschockt.
Der Index des Verbrauchervertrauens ist auf 79,4 zurückgegangen. Erwartet wurde er bei 89,5 bis 90,3 nach zuvor 93,7 (revidiert von 93,3). Soweit ich das verfolgen kann, ist das der tiefste Stand seit 1993. Die bereits niedrigen Erwartungen wurden damit extrem verfehlt.
Für das so schlecht ausgefallene Verbrauchervertrauen macht das Conference Board den schwachen Arbeitsmarkt, die Sorge vor einem Militärschlag im Irak und den anhaltenden Rückgang an den Finanzmärkten verantwortlich. Dies habe sowohl die gegenwärtige Einschätzung der Verbraucher wie auch die Erwartungen gedämpft. Das Verbrauchervertrauen ist ein wichtiger Frühindikator für das Konsumverhalten der Amerikaner. Ohne eine Belebung der Konsumausgaben könnte sich die bereits schwache konjunkturelle Erholung weiter abschwächen.
Natürlich müssen Sie bedenken, dass diese Zahlen nur Zahlen sind, die im Prinzip das Bild vor der Erholung an den Märkten seit Mitte Oktober, wiederspiegeln. Es gibt das Bild "September" wieder, der schlechteste Monat an den Börsen seit langer Zeit. Dieses pessimistische Bild dürfte sich nun, aufgrund der Erholung der Finanzmärkte, wieder erheblich relativiert haben.
Doch es ist schon ein krasser Absturz. Der Schock lies den Dax innerhalb weniger Minuten um 60 Punkte einbrechen, um dann schnell weiter 80 Pkt wegzubrechen. Insgesamt verlor der Dax in Folge der Zahlen erst einmal 140 Pkt.
Nun kommt es darauf an: Wie reagieren die Märkte nachdem der erste Schock vorbei ist? Wird die Vernunft gewinnen, oder die Panik. Können sich die Märkte nach dieser Zahl stabilisieren und weiter Stärke zeigen, werden viele dies als ein Zeichen für weitere Kursteigerungen sehen. Sollten die Märkte nun sogar ins Plus laufen, dann gilt, dass schlechte Nachrichten ignoriert werden.
Wenn die Märkte diesen Schock nicht verdauen können und weiter absacken, könnten die restlichen Zahlen dieser Woche den Indizes den "Todesstoß" versetzen. Eine spannende Woche ... wie gesagt.
Dabei ist natürlich nun auch wieder Zinssenkungsphantasie im Markt. Die Verbraucherausgaben tragen zu zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung bei. So vermuten einige Händler, dass die amerikanische Zentralbank (Fed) am kommenden Dienstag die Leitzinsen erneut senken könnte.
Und eins will ich auch noch anmerken, vielleicht etwas früh, aber die nächsten Zahlen des Verbrauchervertrauens werden sicherlich deutlich besser ausfallen.