Verbesserung im Russell 2000-Index
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 6. November 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
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Nebenwerte arbeiten an Bodenbildung
Aus aktuellem Anlaß zeige ich Ihnen heute die jüngste Entwicklung im wichtigsten Nebenwerte-Index der Welt, dem Russell 2000! Mal abgesehen vom Obama-Effekt" macht es immer wieder mal Sinn, den Blick über den Tellerrand des SDAX oder TECDAX zu werfen. Denn schließlich werden die internationalen Trends an den Börsen nicht gerade in Deutschland geboren! Außerdem liebe ich diesen Index auf Grund seiner Marktbreite.
Um Sie nicht mehr als nötig zu quälen, erspare ich Ihnen heute ausnahmsweise die lange und furchteinflößende Perspektive des Russell und beschränke mich auf die letzten Monate. Bitte behalten Sie aber im Hinterkopf, dass der langfristige und übergeordnete Trend ganz eindeutig nach unten gerichtet ist. Schon der schnelle Blick auf die fallende 200-Tage-Linie zeigt uns das eingetrübte Bild. Auch die dynamisch nach unten gerichtete gleitende 50-Linie signalisiert, dass noch etwas Geduld nötig ist, bevor sich die Chancen auf der Kauf-Seite stark verbessern. Obwohl man sich gerade bei Nebenwerten vor allem auf die Risiken und nicht auf die Chancen konzentrieren sollte, will ich Sie auf einige Verbesserungen im kurzfristigen Bereich aufmerksam machen.
Fortschritte im Russell-Index
Der sehr kurzfristige, seit Ende September gültige Abwärtstrend, wurde kürzlich bei etwa 500 Indexpunkten überwunden. Dies ist noch längst kein Einstiegssignal für mich, da ein derartig steiler Trend schon alleine über die Zeitachse irgendwann gecknackt wird. Viel interessanter sind da schon die Kerzenformationen im Chartbild der vergangenen Wochen, die eine gute Chance für eine Bodenbildung andeuten. Dies beginnt mit der extrem langen weißen Kerze mit unterer Lunte" von Mitte Oktober bei 500 Punkten. Deutlich erkennt man den hier vorherrschenden Nachfrageüberschuß. Im Anschluß versuchte der Index sofort den Ausbruch über den kurzen Abwärtstrend, was aber typischerweise misslang. Denn fast nie gelingen in den Indizes die V-förmigen Erholungen". In 90 % der Fälle machen die Anleger den Fehler, das erste zyklische Tief zu kaufen und rennen den Markt hinterher um nichts zu verpassen. Dann aber kommen die zermürbenden Rücksetzer auf das Niveau des ersten Ausbruchs, denn schließlich kaufen die smarten Investoren erst wenn sie wissen", dass der Markt wirklich unten war. Ende Oktober kam es sogar zu einem gefürchteten falschen Ausbruch nach unten. Dieses neue Tief wurde aber vom Markt abgelehnt und sogar mit hohem Volumen gekauft. Ein Fehlsignal ist eines der besten Anzeichen dafür, dass ein Trend ermüdet und vor dem Ende steht. Prompt überwand der Index diesmal den Abwärtstrend und schaffte es bis an den neuen Widerstand bei 550, wo sich gestern ein neues Verkaufssignal bildete. Natürlich macht der letzte Rücksetzer viele Anleger nervös. Das ist aber normal und muss auch so sein. Denn schließlich wird die Bodenbildung umso stabiler, je häufiger sie getestet wird- am besten über Monate. Erst dann nämlich halten die schlauen Investoren, die im Abwärtstrend ihr Pulver trocken gehalten haben, ganz langsam ihr Kapital ins Feuer und kehren in den Markt zurück. Schlaue Trader kaufen niemals auf den Verdacht hin, der Markt könnte ja unten gewesen sein.
Divergente Markttechnik spricht für Nebenwerte
Sehr gut gefällt mir aber auch die Markttechnik. Betrachten sie einmal den MACD-Indikator und speziell seinen abnehmenden Verkaufsdruck zwischen den letzten beiden Tiefs. (Fläche unter dem Histogramm). Dies ist für mich viel wichtiger als das eigentliche klassische Kaufsignal im überverkauften Bereich des MACD, welches viele Fehlsignale produziert. Gerade der abnehmende Verkaufsdruck deutet darauf hin, dass die meisten der Anleger die verkaufen mussten oder wollten, nun raus aus dem Markt sind. Speziell auf diese Anomalien sollte man als Anleger achten. Denn auch in Zeichen der Finanzkrise gilt, dass das Geld an der Börse mit den grauen Zellen verdient wird und nicht mit irgendwelchen charttechnischen Linien, die mal funktionieren und mal nicht!
Wie könnte es nun weitergehen im Russell-Index?
Ich erwarte in der näheren Zukunft eine Bodenbildung in Form eines W", ähnlich einer inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Diese wäre oberhalb eines Niveaus von 550 bis 575 abgeschlossen. Dann würden sich die Chancen auf der Long-Seite deutlich erhöhen. Deshalb empfehle ich, größere Investitionen auch bis dahin aufzuschieben. Denn wer weiß welche Gewinn-Revisionen bei den kleinen Werten noch auf uns warten, da ja hier die Folgen der Kreditklemme am größten sind.
Ich bleibe aber abwartend optimistisch und hoffe, dass uns der morgige US-Arbeitsmarktbericht nicht noch vor dem Wochenende in die Suppe spuckt.
Ich wünsche schon heute ein schönes Wochenende!
Herzliche Grüße aus dem Rheinland und bis Montag,
Ihr Klaus Buhl
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