Verbale Dollarunterstützung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 3. März 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
nachdem sich am Montag ein Mitglied der US-Notenbank für eine Beibehaltung der Niedrigzinspolitik ausgesprochen hatte, gab es gestern gleich zwei gewichtige Stimmen, die sich dagegen aussprachen. Das Tauziehen über die künftige Strategie der US-Notenbank geht also weiter. Wenn der Dollar eine Überlebenschance haben soll, dann muss es einen allmählichen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik geben. Die Devisenmärkte haben bereits vor drei Monaten begonnen, dies einzupreisen.
Der Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, Thomas Hoenig, sagte in einem CNBC-Interview, dass die US-Notenbank den US-Leitzins "eher früher als später" erhöhen sollte. Der US-Leitzins könne höher sein und die Auswirkungen auf das Wachstum wären geringfügig, so Hoenig. Weiter erklärte er, dass er nicht viel von dem Versprechen der Fed halte, die Niedrigzinspolitik für einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, das seit Ende Dezember 2008 regelmäßig bekräftigt wurde.
Ähnlich äußerte sich auch der Ex-Notenbankchef und jetzige US-Regierungsberater Paul Volcker. Er geht davon aus, dass die Rolle des US-Dollar als Weltwährungsreserve voraussichtlich nicht in Gefahr sei, da es keine Alternative zu ihm gäbe. Er warnt aber die Notenbanker, auf mögliche Inflation ein strenges Auge zu werfen und das Haushaltsdefizit nicht ausufern zu lassen. Die Inflation erscheine zwar gegenwärtig nicht als Problem, doch sollte die Fed nach Volcker‘s Worten auf der Hut sein und nicht zu langsam handeln, wenn die Preise wieder zu steigen beginnen.
Wie Sie sehen, ist die Notenbankpolitik in den USA noch längst nicht ausgemachte Sache. Welches Lager sich schließlich durchsetzen wird, ist noch offen. Wenn die Devisenmärkte Recht haben sollten - der Dollar steigt seit drei Monaten kräftig an - dann wird es bald steigende Zinsen in der nach wie vor wichtigsten Ökonomie der Welt geben. Wie sich das dann auf den Aktienmarkt auswirkt, hängt sicher auch davon ab, wie gut die Wirtschaft die Zinsanhebungen verdauen wird. Rein liquiditätsgetriebene Kursanstiege werden dann aber sicher schwierig werden.
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