"Vater Staat": Ein Gott, der eigentlich keiner ist?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 19. Mai 2010, 16:00 Uhr
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aus aktuellem Anlass verschiebe ich den Artikel zur Brokerwahl ausnahmsweise auf morgen (als Zusatzartikel, der Artikel zum langfristigen Investieren fällt dafür natürlich nicht flach). Viel mehr möchte ich heute ein paar Überlegungen mit Ihnen teilen, die mir von einer gewissen Wichtigkeit scheinen.
In der Vergangenheit wurde mir immer mal wieder vorgehalten, es sei einfach, auf etwas verbal "draufzuschlagen", aber deutlich schwieriger, tatsächlich Lösungen zu präsentieren. Das ist natürlich richtig.
Auch maße ich mir ganz sicher nicht an zu behaupten, die Lösung für die Probleme der Welt gefunden zu haben, aber ich möchte heute dennoch ein paar Überlegungen mit Ihnen teilen, die ich den ganzen Diskussionen zur aktuellen Lage in der BRD irgendwo vermisse. Mir ist bewusst, dass diese Überlegungen der Veranschaulichung halber etwas vereinfacht gehalten sind, aber mir geht es hier nicht um eine vollständige Abhandlung, sondern viel mehr um die Darstellung einiger Schlüsselmechanismen und -fragen. Auch möchte ich meinen Text nicht so verstanden wissen, als ob ich hier irgendjemandem Schuld zuweisen oder jemanden von seiner Verantwortung freisprechen würde. Nun aber zum eigentlichen Thema...
Wohin wollen wir eigentlich in der BRD?
Es gibt ein Zitat des römischen Philosophen Senecas:
Wer das Ziel nicht kennt, für den ist kein Weg der richtige.
Ich halte diesen Ausspruch für sehr treffend, nicht nur im persönlichen Alltag, sondern auch was die aktuelle Situation in Bundesrepublik angeht. Ich wage eine kurze Bestandsaufnahme:
Die meisten Leute sind verunsichert und verängstigt, wie es weiter geht. Die Worte "Inflation, Crashrisiko, Massenpleiten, Wirtschaftskrise" und viele mehr machen die Runde. Aus dieser Angst heraus wird natürlich der Ruf nach Schutz und Sicherheit sehr laut und was könnte da näher liegen als der Staat? Mehr Regeln, mehr Gesetze zur Sicherheit, die Wirtschaft und die "bösen Spekulanten" an die Leine nehmen. Die Liste der entsprechenden Ideen ist sehr lang.
Nun ist es jedoch so, dass Angst dem Menschen nicht nur das Blickfeld verengt und die Fähigkeit, breit und logisch zu denken oftmals zugunsten von Instinkt- und Impulsreaktionen ausschaltet, sondern diesen dadurch auch manipulierbar macht.
Lassen wir daher einmal alle Verunsicherung und Krisensorgen für einen Moment beiseite und stellen ein paar ganz grundsätzliche Überlegungen an.
Die Kehrseite der staatlichen Leistungen
Wir alle kennen dies. Gibt es ein Problem, wird gerade in Deutschland sehr oft nach dem Staat gerufen. "Es muss doch ein Recht hierauf geben!" oder "Da muss sich doch der Staat drum kümmern!" sind Aussprüche, die man in so ziemlicher jeder Debatte irgendwann hört. Es ist hierbei egal, ob es um Kindertagesplätze geht, bestimmte Versicherungen, oder was auch immer. Wenn es um das Einfordern von staatlichen Mitteln geht, gibt es in Deutschland seltenst Zurückhaltung. Dies ist natürlich einerseits verständlich, da ja die Abgabenlast jedes einzelnen Bürgers sehr hoch ist, aber es alleine hierbei zu belassen wird dem Problem nicht gerecht.
Fragen wir uns doch daher einmal, was wirtschaftlich gesehen passiert, wenn wir eine Leistung vom Staat fordern.
Wie wir alle wissen, hat der Staat nichts. Er kann keinen Wohlstand schaffen, sondern ist ein Umverteilungsappart. Der Staat kann also nur von einem nehmen, um dann anderswo mit Verlust, (da ja die Staatsdiener, die Verwaltung und die Bürokratie ihren Tribut fordern) zu geben. Das mag auf den ersten Blick eher noch trivial klingen, doch sollten wir uns genau bewusst machen, was das bedeutet. Nehme ich jemandem als Staat Geld weg, hat dieser damit nicht mehr die Möglichkeit zu arbeiten oder zu sparen. Vielleicht fällt etwas Konsum (und damit in dem Bereich wirtschaftliche Tätigkeit) weg; vielleicht hatte die Person auch vor, das Geld zu investieren, was anderswo wieder zu einer neuen Firma geführt und neue Arbeitsplätze geschaffen hätte, die durch die staatliche Umverteilung gerade vernichtet wurden, bevor es überhaupt so weit kam. Durch die Umverteilung störe bzw. unterdrücke ich als Staat also das marktwirtschaftliche Geschehen und verhindere bzw. reduziere Investmenttätigkeiten und damit wirtschaftliche Entwicklung und letztlich neue Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum.
Doch damit nicht genug: Jeder von Ihnen weiß, dass man mit Geld, was einem selbst nicht gehört, bei weitem nicht so effektiv umgeht, wie mit dem eigenen Geld. Als Staat verwalte ich Fremdmittel und werde diese daher sicher niemals mit der gleichen Effektivität und an der richtigen Stelle einsetzen, wie der freie Markt.
Doch zurück zur Ausgangssituation: Ab dem Moment, wo ich also eine Forderung an den Staat stelle, er solle dies und jenes an Leistungen zur Verfügung stellen, sorge ich als Bürger dafür, dass der Staat in den Markt eingreift und wirtschaftliches Wachstum und Wohlstandsbildung durch die Umverteilung stört, wenn der Staat beschließt, meine Forderung umzusetzen.
Bedeutet das, es darf ab jetzt keine staatlichen Leistungen mehr geben? Sicher nicht. Aber es sollte klar sein, dass eine staatliche Leistung durchaus einen Schaden im Bereich des Marktes und der Wirtschaft hervorruft und zu viel Umverteilung dazu führt, dass eine Wirtschaft nicht mehr prosperieren kann (da die Abgabenlasten zu hoch sind). Und genau diese Situation haben wir natürlich zunehmend in Deutschland. Es sollte daher sehr genau überlegt werden, was der Staat wirklich tun muss (etwa Verteidigungs-, Polizei- und Justizaufgaben, um nur ein paar Punkte zu nennen) und was man den effizienten und bewährten Kräften des freien Markts überlassen sollte, zum Wohl der eigenen Wirtschaft wegen (und damit letztlich zum Wohl aller Bürger).
Die gefährliche Staatsspirale
Gehen wir doch nochmals von der obigen Situation aus. Es sei nun also immer mehr an staatlichen Leistungen und an Umverteilung gefordert. Was passiert in diesem Fall? Der freie Markt und damit die effektive Entwicklung von Wohlstand und Arbeitsplätzen wird immer weiter verhindert und gebremst, da der Staat immer mehr Mittel abgreifen muss. Gleichzeitig wächst in solch einem Szenario der Staat natürlich immer weiter mit all seinen bürokratischen (und leider nicht selten auch korrupten) Tentakeln, denn es liegt natürlich in der Natur so gut wie jeden Politikers, seinen Einflussbereich immer weiter auszudehnen. Hierbei entsteht natürlich ein immer größer werdendes, ineffizientes und Geld verschlingendes Bürokratiegeschwür, was keinen wirtschaftlichen Nutzen hat, und der Wirtschaft eines Landes das Blut aus den Adern saugt. Und da klarerweise auch kein Politiker seinen Job verlieren möchte, wird er bei Wahlen alles tun, um wieder gewählt zu werden.
(Fortsetzung im nächsten Artikel unten)
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rey S (19.05. 2010 23:11 Uhr):
Zunächst zur Leserkritik, es sei sehr einfach, auf etwas verbal "draufzuschlagen". Das ist es nur, wenn man seine Kritik nicht fundiert begründet, wie Herr Hahn es tut. DAS ist dann nämlich ungleich schwerer, als positiv nachzubeten, was die Politik oder Presse vorbetet. Vorausgeschickt, dass der Staat auf jeden Fall helfen muss, wenn jemand sich aus eigener Kraft helfen kann, ist das staatliche Umverteilungssystem zur Geldvernichtungsmaschinerie geworden. Genau wie die Schuldenpolitik. Würde man schuldenfrei sein, so stünden jedes Jahr 25% mehr zum Zunächst zur Leserkritik, es sei sehr einfach, auf etwas verbal "draufzuschlagen". Das ist es nur, wenn man seine Kritik nicht fundiert begründet, wie Herr Hahn es tut. DAS ist dann nämlich ungleich schwerer, als positiv nachzubeten, was die Politik oder Presse vorbetet. Vorausgeschickt, dass der Staat auf jeden Fall helfen muss, wenn jemand sich aus eigener Kraft helfen kann, ist das staatliche Umverteilungssystem zur Geldvernichtungsmaschinerie geworden. Wäre der Staat schuldenfrei, so hätte er jedes Jahr 25% mehr zu verteilen! Und was heisst eigentlich Umverteilen? Es bedeutet, von einem (Personenkreis) z.B. 100 € (i.d.R. ohne Zustimmung) wegnehmen, die Kosten für den eigenen (Beamten)Apparat in Höhe von z.B. 30 € einbehalten und dann 70 € and eine andere Personengruppe geben. (Natürlich wird auch diese Personengruppe wieder "abgeschöpft" über Verbrauchssteuern etc., so daß letztlich noch weniger beim Büger wieder ankommt) Jeder "gesund denkende" Mensch schränkt seine Ausgaben ein, wenn sein Einkommen sinkt. (Muss er ja, denn ER bekommt keinen Kredit mehr). Der Staat (wer ist eigentlich der"Staat", WIR bestimmt nicht) holt sich einfach frisches Geld. Von Anlegern, denen er ein Stück Papier mit Schuldversprechen verkauft. Und natürlich von uns allen, denen einfach höhere Ausgaben abverlangt werden. Und da das sooo einfach ist, muss man sich (bisher) ja auch keine Gedanken über Einsparungen machen. Wird es diesmal anders? NEIN, ich glaube nicht. Und die Trabsaktionssteuer und z.T. auch eine Börsen(umsatz)steuer trifft natürlic ohnehin nur "uns Bürger". Die Kosten werden einfach an uns weiter gereicht. Wäre ja auch noch schöner, wenn die Banken das zahlen müssen, wegen der Banken werden ja gerade die Banken "rausgehauen", die sich mit Griechenlands Anleihen vollgesogen haben (weil es ja so schön hohe Zinsen gab). Sie wollen noch mehr lesen? OK, lassen Sie das Alexander Hahn machen, der wird (hoffentlich) dafür bezahlt und kennt die Fakten auch viel besser. Kurzum, es ist überhaupt nicht einfach zu kritisieren, wenn man es so fundiert macht, wie Herr Hahn.
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