Varianten Für oder Gegen die Eurozone
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 14. September 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
manchmal wünsche ich mir, ich könnte mit den Häuptlingen "Wahrheit oder Pflicht" spielen. Wahlweise müssten sie dann entweder wahrheitsgemäß erklären, dass sie eigentlich keine Ahnung haben, wohin der Weg noch führen soll oder (was mir lieber wäre) sie wären gezwungen Entscheidungen zu treffen. Denn so wie jetzt, kann es nicht ewig weitergehen.
Die eigentliche Entscheidung hat dabei nur am Rande mit Griechenland zu tun, denn die eigentliche Entscheidung fällt zwischen dem unbedingten Für oder Gegen die Eurozone. Hierbei bestehen mehrere Varianten:
Varianten Für die Zone
-
Einer für alle....
In dieser Variante bleiben alle Zonengebiete zusammen - koste es was es wolle. Die Griechen werden entweder weiter am Tropf gehalten, was aber langfristig nichts bringt, oder schlussendlich vernünftig umgeschuldet und (falls man wirklich vorhaben sollte aus den Griechen noch was zu machen) mit einem Konjunkturprogramm versehen.
Lesen Sie bitte hier weiter: Eurozone
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (14.09. 2011 19:53 Uhr):
Sehr geehrte Frau Kraus, vielen Dank für Ihre Gedanken. Meine Meinung ist: In Europa-Fragen kann im Augenblick mit dem Krisenmanagement der Regierungen niemand zufrieden sein, weil die Krise nicht gelöst ist. Aber man merkt Merkel & Co ja an, in welch extremen Spannungsfeld sie sich derzeit befinden. Und zwar zwischen der Erkenntnis, was sie tun müssen (dies hätte natürlich viel früher schon richtungsweisender realisiert werden können) und dem Versuch, die demokratische Basis dafür zu erhalten. Damit können Märkte aber eben ganz schwer umgehen. Deswegen besteht die Gefahr, dass jede politische Entscheidung die Krise eher noch verstärkt, als sie verkürzt. Ich hab`s schon mal gesagt: die verschiedenen europäischen Völker und ihre Souveräne müssen unter allen Umständen zu einem gemeinsamen Ganzen gebracht werden. Nochmals: Wer anfängt, Europa zerfallen zu lassen, wird eine sehr lange Zeit der Zerstörung sehen. Die Amerikaner haben ja keine Ahnung, welch schwieriger Spagat hier zu meistern ist. Wir wissen alle, dass ein Riss durch die Eurozone geht. Und jetzt prophezeit Josef Ackermann, der Währungsunion drohe die Kernschmelze. Damit sagt er, wir brauchen noch mehr Steuergelder, um die gefährdeten Banken zu retten. Und so wirft man das gute Geld (oder unsere Garantie, denn ausgegeben ist es ja noch nicht) der Steuerzahler schlechtem hinterher. [...] Frau Merkel nennt ihre Politik alternativlos, weil bei einem auseinanderbrechen der Eurozone die bisherigen Integrationserfolge aufs Spiel gesetzt würden. Dies ist falsch, laut Professor Starbatty "haben innerhalb der EU einige Mitgliedsstaaten, wie GB, Dänemark und Schweden, den Euro nicht eingeführt. Dennoch sind es vollwertige Mitglieder der EU." Ich war Industriekaufmann (heute Rentner) und als solcher ist meine Philosophie, dass eine Papierwährung der Realwirtschaft zu dienen hat. Die Euro-Philosophie läuft umgekehrt: Die Realwirtschaften haben sich dem Papiergeld Euro anzupassen. [...] Die abgeschöpften Mittel durch den Dauer-Fonds zur Euro-Rettung sind nicht nur nutzlos zur Förderung der Volkswirtschaften in den Nehmerländern, sondern sie fehlen, wenn sie so wollen, Deutschland bei der Finanzierung von Investitionen und bei der Nachfrage an den Gütermärkten. Mit anderen Worten: Deutschland verliert Kapital für die Weiterentwicklung der Realwirtschaft! Gleichzeitig müssen wir aber bedenken: Auch gehört natürlich die politische und mediale Klasse nicht zu den Opfern. Sie herrscht und weiß sich ihren Wohlstand zu sichern. Die Opfer sind die Arbeitnehmer und Verbraucher. Deren Lasten werden erhöht und deren Einkommen werden geschmälert. Ohne diese ebenso elitäre wie egalitäre Gleicheitsideologie ist die Euro-Rettung eigentlich nicht zu begreifen. Ohne Abwertungsmöglichkeit sind nicht hinreichend wettbewerbsfähige Volkswirtschaften nicht in der Lage, eine Währung mit überlegenen Volkswirtschaften auszuhalten. Mein Fazit: Mit vereinten Kräften kann es gelingen, die gegenwärtige Angstspirale zu stoppen. Will heissen: a) Washington müsste weitere finanzpolitische Stützungsmaßnahmen für die Konjunktur mit einem glaubwürdigen und abgesicherten Plan verbinden, wie es langfristig seine astronomischen Schulden in den Griff bekommen will. Und in Europa müsste Deutschland sich eingestehen, dass die Währungsunion ohne die Bereitschaft zu Transferleistungen höchst wahrscheinlich nicht zu retten ist. Und bis die Politiker den "gordischen Knoten" durchschlagen hätten, wären die Notenbanken gezwungen, die Konjunktur, die Banken und die öffentlichen Haushalte zu unterstützen. Und schließlich müsste die EZB weiter Staatsanleihen im großen Stil kaufen und bald auch die Zinsen senken. Meine Gedanken bei diesem wichtigen Thema sind mir wieder einmal durchgegangen, ich entschuldige mich, bei Ihnen Frau Kraus, gerne dafür. Schönen Abend noch. Ihr A.K.
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