Value Analyse

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Unternehmensanalyse ist essentiell

Value-Investing braucht die Unternehmensanalyse - dabei muss der Value-Investor neben den "hard facts" auch gleichermassen die "soft facts" betrachten.


Value-Investoren prüfen, ob sie das operative Umfeld des Unternehmens, in das sie investieren wollen, verstehen. Dabei kommt es natürlich auf die persönlichen Interessen und den individuellen Geschmack des einzelnen Anlegers an.

Gute Karten hat, wer sich in der betreffenden Branche gut auskennt, weil er beispielsweise selbst dort arbeitet. Ein Value-Investor schaut sich zusätzlich auch die örtlichen oder regionalen Unternehmen an.

 

Unternehmensanalyse für Value-Investoren: Produkte, Kunden, operatives Klima

Value-Investoren entscheiden, ob sie ein Unternehmen verstehen, indem sie beurteilen, ob sie mit seinen Produkten vertraut sind, die Kunden kennen und auch das operative Klima. Die Kompetenz wird durch die Interessen und den Geschmack des Investors beeinflusst, und die Branche, in der man selbst tätig ist, stellt einen guten Ausgangspunkt dar. Die Konsumgewohnheiten der Menschen sind ein weiterer Ausgangspunkt. Ein dritter Ausgangspunkt sind die örtlichen oder regionalen Unternehmen.

 

Stellen Sie sich als Value-Investor folgende Fragen!

Value-Investoren stellen sich selbst die folgenden Fragen: Welche Produkte verkauft ein Unternehmen, welche Dienstleistungen bietet es an? Wie werden diese genutzt? Brauchen die Kunden diese Güter oder Dienstleistungen? Wie stabil ist die Nachfrage, und wie gut ist das Unternehmen aufgestellt, damit es sich weiterentwickeln kann? Sind die Produkte eines Unternehmens im Vergleich zu möglichen Ersatzprodukten unverwechselbar? Wie wahrscheinlich ist es, dass dieses Unternehmen die Preise anheben kann, ohne Umsatz einzubüßen? Wer ist die Zielgruppe des Unternehmens? Ist das Unternehmen von einem oder von wenigen Kunden abhängig oder hat es Millionen von Kunden? Welche Bedeutung hat eine solche Abhängigkeit? Wie solide ist ein wichtiger Kunde in finanzieller Hinsicht? Wie verkauft das Unternehmen seine Produkte? Wie groß ist der geographische Einzugsbereich des Unternehmens? Wie empfindlich ist es für Wirtschaftsflauten in diesem Markt? Kann sich das Unternehmen schnell an veränderte wirtschaftliche und unternehmerische Bedingungen anpassen? Wie stark ist die Lieferantenkette des Unternehmens? Wie gut sind die Beziehungen zur Belegschaft? Operiert das Unternehmen in Regionen, die normalen oder außergewöhnlichen politischen oder ökonomischen Risiken ausgesetzt sind? Ist das Unternehmen ein Klassiker, ist es ein altes Unternehmen, oder ist es ein Neuling?

Des Weiteren beachten Value-Investoren relevante Unternehmensmuster: Produkte und ihre Markenstärke, Produktionsprozesse, die Herkunft und die Quellen der Zulieferungen, die Vertriebskette; Kundengewohnheiten, Kundengeschmack, Unternehmensorganisation und Unternehmenskonzeption.

Sie fragen, wie ein Unternehmen mit den jüngsten Trends zurechtgekommen ist, etwa mit der Globalisierung, dem Aufkommen des Internets und dem Handel über das Internet oder der Entwicklung hin zu dienstleistungsorientierten Profitcentern mit geringem Anlagevermögen.

 

Der Value-Investor erstellt Unternehmensprofile

Die Bestimmung dieser Grundlagen löst zwei Probleme: Sie entscheidet, ob ein Unternehmen sich im Kompetenzbereich eines Investors befindet, und sie steht am Anfang der Entscheidung, ob es ein geeigneter Kandidat für eine Kapitalanlage ist.

Für Anleger, die diese Informationen nicht auf die beschriebene Weise erlangen können, liegt das Unternehmen außerhalb des eigenen Kompetenzbereichs. Kommen sie an die Informationen heran, dann prüfen sie, welchen Einfluss diese Faktoren auf die Fähigkeit des Unternehmens haben, in Zukunft Gewinne zu erzielen. Um diese Fragen zu beantworten, benötigen die Anleger Informationen, beispielsweise aus öffentlichen Bekanntmachungen und Nachrichten. Mithilfe dieser Informationen werden nun Unternehmensprofile erstellt.

Fisher wandte beim Sammeln dieser Informationen die so genannte Gerüchte-Methode an: Er sprach mit jedem, der etwas über das Unternehmen wusste, angefangen bei den Lieferanten über die Mitarbeiter bis hin zu Kunden, anderen Branchenvertretern und Fachleuten.

 

Professionelle Value-Investoren sind klar im Vorteil

Während professionelle Anleger die Zeit und auch den Einfluss haben, dies zu schaffen, sind die meisten Amateure unter den Investoren auf öffentliche Informationen angewiesen, deren Umfang sich alljährlich zu vervielfachen scheint. Während die Anhänger der Theorie des effizienten Marktes die Meinung vertreten, dass diese Informationen für die Anlageentscheidung nicht von Nutzen seien, ist es für Value-Investoren wesentlich, eine Unternehmensanalyse durchzuführen.

Überragende Ergebnisse fahren nur solche Unternehmen ein, die sich von ihren Wettbewerbern abheben. Nur sie schaffen es, eine überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalrendite zu erzielen – die Gewinne, die auf die Aktionäre entfallen, sind höher als die Kosten, die entstünden, wenn zusätzliches Kapital aufgenommen würde. Auf diese Weise gelingt es ihnen, möglichen Konkurrenten den Markteintritt zu verwehren und die Gewinne, die es zu verdienen gibt, nicht mit anderen teilen zu müssen.

Beispiele sind gesetzliche Barrieren wie etwa Patente oder von Behörden zu vergebende Lizenzen. Auch Unternehmen mit starken Marken wie Coca-Cola oder Harley Davidson gehören dazu. Einige Value-Investoren halten diese Eigenschaften für die wichtigste Voraussetzung, nachhaltig eine hohe Eigenkapitalrendite und ein positives Gewinnwachstum zu erzielen.

 

Betrachten Sie als Value-Investor die Wettbewerbssituation eines Unternehmens

Entscheidend für jede Bewertung eines Unternehmens ist seine Wettbewerbssituation. Zu den wichtigsten Bewertungsfaktoren zählen Kennzahlen wie Gewinnspanne und Kapitalkosten, ferner die Branchensituation, die Stärken und Schwächen sowie die Zukunftsaussichten des Unternehmens.

Die meisten dieser Faktoren sind in den offiziellen Jahresabschlüssen ersichtlich, die, wie an späterer Stelle gezeigt wird, den Rahmen für die Bewertung darstellen. Bevor dieses Instrumentarium zur Anwendung gelangt, muss sich der Value-Investor allerdings sicher sein, dass das ins Auge gefasste Investment innerhalb seines Kompetenzbereichs liegt.

Zur Frage des Kompetenzbereichs gehört auch jene nach der Qualität des Managements. Im Blickpunkt eines Value-Investors muss die Unternehmensführung stehen: Sie ist es, die die Mittel bereitstellt, mit denen die Ergebnisse des Unternehmens an die Aktionäre oder andere Interessengruppen weitergeleitet werden. Maßstäbe für die Messung der Managementqualität sind Best Practices, die Größe des Unternehmensvorstands und die Zusammensetzung des Beirats.

 

Erfolgreiches Value-Investment braucht die richtigen Manager

Doch so wichtig diese Maßstäbe auch sind, so sind doch die Manager das wichtigste Element in der Unternehmensführung. Value-Investoren suchen Unternehmen, die von fähigen und ehrlichen Managern geleitet werden. Selbst Aktionäre der wunderbarsten Unternehmen können von schlechten Managern in den Ruin geführt werden. Ein erfolgreiches Value-Investment braucht Manager, die sozusagen im gleichen Takt marschieren wie die Aktionäre.

Das bedeutet: Neben den Hard Facts, also den unternehmerischen Kennzahlen, kommt es bei der Bestimmung des Unternehmenswerts auch auf die Soft Facts an, also darauf, wer das Unternehmen leitet, ob diese Personen dazu in der Lage sind und ob sie vertrauenswürdig sind. Lassen sich diese Faktoren nicht bestimmen, so liegt das betreffende Unternehmen außerhalb des rationalen Handlungsraums des Value-Investors.

 

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Benjamin Graham


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