Value Analyse

Der "falsche" Aktien-Bullenmarkt

Alexander Hahn in Value Daily zum Thema Value Analyse
vom


 

Wenden wir dies allerdings einmal auf die Aktienmärkte an. Ich nehme hierzu als Beispiel den weltweit wichtigsten Leitindex als Marktvertreter, den S&P 500. Die Währung ist hier zwar US-Dollar, aber vom Prinzip lässt sich dies mit ähnlichem Resultat auch auf den DAX und den Euro anwenden.


Betrachten Sie einmal den folgenden, recht langfristigen Chart:

Quelle: Stockcharts

Im obigen Chart habe ich Ihnen die letzten Jahre des Bullenmarkts aus den 1980ern und 1990ern markiert.

Es waren schöne Zeiten für die Bullen und es ging beeindruckend nach oben. Dann kam bekanntlich aber die Dot-Com-Blase und es ging massiv abwärts. Über 50% verlor der S&P 500 (der DAX damals sogar noch mehr).

Die Zentralbanken (allen voran die amerikanische FED) reagierten auf den Börsencrash mit massenweise billigem Geld und fluteten die Märkte mit Liquidität.

Für die Aktienkurse war das natürlich rein in Zahlen gerechnet eine schöne Sache, denn es ging wieder aufwärts. Zwar bewegt sich (gemessen am 2001er-Spitzenniveau) der Markt immer noch seitwärts, jedoch sind die Kursstürze erst einmal wieder aufgeholt. Die Anleger stehen also wieder ganz gut da, wenn sie langfristig agierten. Die Verluste sind einigermaßen aufgeholt, wenn es auch dauerte.

Oder vielleicht doch nicht?

 

Die Lüge vom Aktien-Bullenmarkt

Weiter oben schrieb ich, dass es wichtig ist, im Kopf zu behalten, dass unser Geld beliebig vermehrt werden kann, da es keinen direkten in seiner Verfügbarkeit eingeschränkten, materiellen Gegenwert (Fiat-Money) besitzt. Dies betrifft erstmals in der Geschichte alle weltweiten Währungen.

Was würde aber nun passieren, wenn wir uns einmal fragen, was ein fiktiver Anteil des S&P 500 in Goldunzen kosten würde?

Kaum ein Rohstoff hat eine Geschichte von derartige Kaufkraftkonstanz über die Jahrtausende wie Gold.

Plötzlich sieht das Bild anders aus:

Quelle: Stockcharts

Auch hier habe ich wieder ein Rechteck für Sie eingezeichnet.

Sie können im obigen Chart sehr schön sehen, wie die Märkte auch hier bis 2001 anstiegen (d.h. hier erfolgte tatsächlich ein Kaufkraftzugewinn).

Dann aber wurden die Notenbanken tätig und "erzwangen" einen "Bullenmarkt" durch das Öffnen der Geldschleusen. Damit gingen zwar nominell die Kurse nach oben, aber wirkliche Wertvermehrung fand in den wenigsten Fällen statt. Mit anderen Worten, hier erfolgte ab 2001 kein echter Kaufkraftzugewinn. Dieser Zustand läuft weiterhin.

Dies bedeutet, dass Sie mit Aktien zur Zeit in Wirklichkeit ein sehr schweres Spiel haben und die Asset-Klasse als solche eher problematisch ist (was nicht heißt, dass Sie hier gar nicht tätig werden sollten; es geht vorerst nur um das Herausarbeiten des Gesamtumfelds für Aktien. Hierzu schreibe ich in Zukunft noch mehr).

Selbst wenn Sie mit Aktien also Kursgewinne machen, verlieren Sie durch die bewusst von den Notenbanken durchgeführte Inflationierung als auch durch die Steuern, die Sie auf Ihre inflationierten "Gewinne" zahlen müssen. Damit verschiebt sich das Gefüge aus Chance und Risiko bei Aktien sehr auf Seite des Risikos und eine Anlage in Aktien wird oftmals deutlich zu riskant im Verhältnis zum möglichen Gewinn.

Natürlich gibt es aber auch Faktoren, die für Aktien sprechen. Dies werde ich am Mittwoch fortsetzen.

Bis dahin wünsche ich Ihnen einen schönen Abend.

Beste Grüße

 

P.S.:

Ich freue mich stets über Kommentare und Fragen von Ihnen. Dies kann Feedback zum Newsletter sein oder aber beispielsweise auch inhaltliche Fragen. Generell möchte ich mich bemühen, auch den Value Daily als einen eher interaktiveren Newsletter zu gestalten, so wie damals Investoren Wissen auch.

 

 

 

 



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Kommentar von Folker W

Hallo Hr. Hahn, spitze! super! Mit den Asset Allocation Überlegungen (the big picture) anzufangen. Das dürfte man für einen Value-Börseninformationsdienst nicht unbedingt erwarten. Im direkten Vergleich zu anderen Autoren sind die bisherhigen Charts leider sehr undeutlich abgebildet. Einfach mal probieren, was passiert, wenn Sie einen Chart von einem Ihrer Beiträge und einen anderen Chart von einem Beitrag eines anderen Kollegen hier beim Investor-Verlag aufmachen... Freundliche Grüße, Folker W.

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Antwort von Alexander Hahn:

Danke für den Tipp! Sehe ich mir für die nächste Ausgabe auf jeden Fall mal genauer an! Beste Grüße AH