USD/YEN: Japanische Wirtschaft leidet weiter
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 1. Juli 2009, 10:36 Uhr
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Japan bleibt weiter das Sorgenkind unter den entwickelten Industrieländern in Asien. Die starke Abhängigkeit vom Export und die intensive Verzahnung mit der US-Wirtschaft haben dem Land in den letzten zwölf Monaten ökonomisch stark zugesetzt. Die Erfahrungen, die Japan mit dem Platzen einer Immobilienkrise in denn neunziger Jahren gemacht hat, kehren nun im Angesicht einer identischen Krise in den USA in das Bewusstsein der Bevölkerung zurück. Umso hat die Regierung ihre Anstrengungen verstärkt, die eigene Wirtschaft wieder rasch vom Kopf auf die Beine zu stellen. Ein Konjunkturpaket nach dem anderen soll die Japaner dazu bewegen, ihren Konsum auszuweiten und die Sparquoten zu verringern. Die Asiaten gehören zu den Industrieländern mit der weltweit höchsten Sparquote. Doch in der Politik der Regierung lauern auch Gefahren für die Stabilität des Landes. Während in der EU laut des Maastricht-Vertrages die Verschuldungsquote nicht mehr als 60 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen darf, haben die Japaner schon längst diese Grenze hinter sich gelassen. Mit etwas mehr als 100 Prozent des BIP gehört das Land zu den am höchsten Verschuldeten der Welt. Wären die Japaner nicht zugleich auch unter den größten Auslandsgläubigern, hätte die Regierung schon längst Insolvenz anmelden müssen. Trotz einer hohen Innovationskraft bleibt für die Zukunft bei einer stark alternden Bevölkerung die Frage, wie der hohe Schuldenstand abgebaut und Geld für Investitionen beschafft werden soll. Dieses Problem stellt sich weniger für die USA, Deutschland sieht sich mit dieser Frage aber bald auch immer mehr konfrontiert.
Tankan-Bericht verbreitet leichten Optimismus
Was für die USA das Beige Book der Federal Reserve darstellt, ist der Tankan-Bericht der japanischen Notenbank für Japan: ein regelmäßiger Konjunkturbericht mit Prognosecharakter. Heute Morgen wurde das neuste, vierteljährlich erscheinende Exemplar vorgestellt und seine Aussagen verbreiteten bei den Marktteilnehmern wieder etwas mehr Optimismus. So hat sich die Stimmung der Großindustrie im zweiten Quartal 2009 etwas aufgehellt, der entsprechende Indikator stieg von -58 auf -48 Punkte. Zudem verbesserte sich auch die Stimmung bei den Geschäftsaussichten, der entsprechende Indikator signalisiert für September einen Wert von -30 Punkten. Die Schwierigkeiten der japanischen Wirtschaft sind damit zwar nicht aus der Welt, doch scheinen die Konjunkturpakete der Regierung nun endlich ihre erste Wirkung zu zeigen. Größtes Problem bleibt aber wie in anderen Industrieländern auch die stark steigende Arbeitslosigkeit. Zwar muss die Regierung aus kulturellen Gründen kaum soziale Unruhen fürchten, aber alle vertrauensbildenden Maßnahmen werden von den Bürgern an der Schaffung neuer Arbeitsplätze gemessen. Stellen sich hier keine raschen erfolge ein, drohen die Konjunkturpakete wirkungslos zu verpuffen.
Wirtschaftserholung in den USA sollte helfen
Das A und O für die japanische Exportindustrie bleibt die erwartete Erholung der US-Wirtschaft. Nehmen die Belebungssignale in den kommenden Wochen deutlich zu, würde das auch auf die heimische Industrie einen deutlich positiven Impuls ausstrahlen. Vor allem die Stärkung des US-Dollars im Verhältnis zum Yen würde der Wirtschaft erhebliche Luft verschaffe. Das japanische Wirtschaftsministerium MITI ist bekannt dafür, dass es verdeckte Interventionen am Devisenmarkt vornimmt, sofern sich günstige Gelegenheiten dafür ergeben. Die Japaner nutzen dieses Instrument zwar nicht mehr so ausgiebig wie in den achtziger und neunziger Jahren, aber ist davon auszugehen, dass die Regierung in der derzeitigen Lage, jede sich bietende Gelegenheit nutzt, um der heimischen Exportindustrie Erleichterung zu verschaffen. Das Wechselkursverhältnis USD/YEN sollte vor diesem Hintergrund genau beobachtet werden.
Vom Unterstützungsbereich wieder gen Norden
Der Yen ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise wieder eine gefragte Währung. Seit seinem zyklischen Hoch am 25. Juni 2007 bei 123,92 Yen korrigiert die japanische Währung in geordneten Schüben gegenüber der US-Valuta. Von dem Tiefpunkt seiner letzten Abwärtswelle im Dezember 2008 bei 89,59 Yen startete das Währungspaar eine Erholungsrally, die es bis in den Widerstandsbereich um 101,50 Yen führte. Seit April bewegt sich das Währungspaar im Wesentlichen in einer breiten Seitwärtshandelsspanne zwischen 95 und 100 Yen. Ein weiterer Stabilisierungsansatz könnte erfolgen, wenn der Yen wieder deutlich über die Marke von 98 steigt. Die Chancen dazu haben sich in den vergangenen Tagen deutlich verbessert, weil das Währungspaar von der Marke von 95 Yen mehrmals nach oben abgeprallt ist. Mit der gestrigen Kerze, die einen langen Docht mit einem kleinen weißen Körper aufweist, signalisierten die Bullen, dass sie bereit sind, einen weiteren Anlauf nach oben zu wagen. Begleitet werden sie dabei von steigenden Indikatoren, denn sowohl der MACD als auch die Slow Stochastik tendieren gen Norden. Im MACD könnte ein doppeltes Kaufsignal sogar einen Anstieg bis in den Bereich um 99,5 Yen indizieren. Nach dem Schnitt des Indikators mit seiner Signallinie könnte nämlich in Kürze auch ein Überqueren der 0-Achse erfolgen. Sollte sich die positive Aufwärtsdynamik in den nächsten Tagen jedoch wieder deutlicher abschwächen, würde das den Angriffsversuch der Bullen recht schnell wieder beenden. Einziger Wermutstropfen sind die fallenden Durchschnittslinien im Bereich von 38-, 50,- und 200-Tagen. Ihre Widerstandskraft nimmt aber ab, da es in den vergangenen drei Monaten nicht mehr zu größeren Abwärtsbewegungen gekommen ist.
