USD/JPY: Japaner in der Zwickmühle
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 24. Februar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
vor ein wenig mehr als 12 Monaten wähnten sich die Japaner wegen des starken Wachstums im asiatisch-chinesischen Raum als künftige Gewinner eines anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs. Die erfolgreichen Reformen der gerade beendeten Regierungs-Ära Koizumi sollten die von Deflation und nicht wirksamen Konjunkturprogrammen geprägten schweren neunziger Jahre vergessen machen. Doch der von den USA ausgehende starke Abschwung der gesamten Weltwirtschaft traf eine der größten Exportnationen der Welt mit voller Wucht. Nicht die japanischen Banken, die ihr persönliches Immobilienfiasko Anfang der neunziger Jahre erlebt hatten, standen im Zentrum der heftigen Abwärtswelle, sondern die starke Elektronik-und Autoindustrie zog die einheimische Wirtschaft in die nächste Krise. Gerade die großen Flaggschiffe Toyota, Sony, Fujitsu und NEC mussten zum Teil erhebliche Verluste hinnehmen, von Rekordgewinnen wie im Jahr 2007 konnte keine Rede mehr sein. Zwei Faktoren verstärkten den Abwärts gerichteten Impuls noch: Zum Einen zogen die Japaner analog zu den Amerikanern ihre Auslandsanlagen konsequent ab und holten sie wieder zurück nach Japan. Das trieb den Yen gegenüber fast allen anderen Währungen stark in die Höhe, die rasche Aufwertung lastete doppelt auf der schwächelnden Wirtschaft. Zum Anderen fehlt den Japanern nach dem Abgang des langjährigen Regierungschefs Koizumi vor fast drei Jahren ein ebenbürtiger Nachfolger. Das Fehlen von politischer Führung wird in der Bevölkerung mit exakt wahrgenommen. Die Bereitschaft zu neuen Investitionen nimmt ob dieser Verunsicherung stark ab.
Politische Schwäche belastet den Yen
Ähnlich wie der US-Dollar gehört der Yen tendenziell zu den Währungen die in Krisen zulegen können, weil das Land sowohl politisch als auch ökonomisch grundsätzlich als stabil und stark gilt. Ähnlich wie der unbeliebte britische Premierminister Brown muss sich der ebenfalls wenig auf Sympathie treffende japanische Amtskollege Aso im Laufe der nächsten zwölf Monate zur Abstimmung dem Wahlvolk stellen. Der Faktor „politische Sicherheit" schwächt deshalb vorübergehend ab, die sehr negativen ökonomischen Rahmendaten lassen zudem soziale Spannungen erwarten, so dass die Sorge um die Stabilität der politischen Verhältnisse steigt. Auch wenn Investoren nicht wirklich von einer dauerhaften Belastung der Währungen durch diese Faktoren ausgehen, vermeiden sie das kurzfristig erhöhte Risiko. Neue Konjunkturprogramme, die sich die Regierung wegen der weltweit höchsten Verschuldung eines Industrielandes eigentlich nicht leisten kann, untergraben das bisher feste Vertrauen in den Yen. Als Exportnation ist den japanischen Unternehmen ein schwacher Yen ohnehin viel lieber, die Regierung sieht sich im harten Wettbewerb eines Abwertungswettlaufs mit den USA und China. Ähnlich wie die Deutschen gehören die Japaner aber zu den Sparweltmeistern, die über große Bargeldbestände oder Guthaben auf den Sparkonten verfügen. Sollte es nicht zu einer sehr langen Wirtschaftsflaute in Japan kommen, ist der Abwärtsspielraum des Yen deshalb begrenzt. Bis die japanischen Verbraucher in solche Nöte geraten wie die meisten US-Bürger oder Chinesen, muss schon einige Zeit vergehen. Der Abwertungswettlauf ist für die Japaner wohl deshalb nicht zu gewinnen.
Kurzfristige Stärke des US-Dollar setzt sich fort
Charttechnisch gesehen befindet sich der US-Dollar gegenüber dem Yen seit Juni 2007 in einem übergeordneten Abwärtstrend. Ausgehend von einem Mehrjahreshoch bei knapp 123 Yen verlor der US-Dollar im Zuge der Immobilien- und Bankenkrise bis in den vergangenen Herbst drastisch an Wert. Zwei Tiefpunkte bei 87 Yen am 17. Dezember 2008 und 21. Januar 2009 markierten allerdings eine kurzfristige Umkehrformation. Auslöser für den Sinneswandel der Investoren zugunsten des US-Dollars waren der dramatische Einbruch der Auftragseingänge für die japanische Wirtschaft im Schlussquartal 2008 und die steigenden Verlustmeldungen der großen japanischen Unternehmen wie Sony oder Toyota. In der folgenden Aufwärtsbewegung hat der US-Dollar mittlerweile einen untergeordneten, mittelfristigen Abwärtstrend, der seit Ende August letzten Jahres gültig ist, erreicht. Aufgrund des überkauften Zustandes, abzulesen am Stochastik-Indikator, nimmt die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Konsolidierung zu. Ein kleiner Rücksetzer in den Bereich um 92,50 Yen könnten die Bullen zum neuen Kräfte sammeln nutzen. Der noch immer dynamische Aufwärtstrend des MACD würde allerdings auch eine ungebremste Fortsetzung der Aufwärtsbewegung bis an den nächsten Widerstand bei 98 Yen zulassen. Spätestens dann müsste mit einem größeren Rückschlag gerechnet werden. Im langfristigen Chart-Bild dominieren allerdings weiterhin die Bären. Erst Kurse deutlich oberhalb von 103 Yen würde die Bullen wieder endgültig auf den Plan rufen.
