USD fällt mit Blick auf die Aussichten für die US-Wirtschaft
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 17. Oktober 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
nachdem sich mittlerweile endlich der Knoten im Kreditmarkt ein wenig gelockert hat, rückt der Fokus der Marktteilnehmer nun wieder stärker in Richtung der realwirtschaftlichen Auswirkungen Kreditmarktkrise. Insbesondere der Blick auf die Wachstumsaussichten der US-Volkswirtschaft verstärkt sich.
Doch zunächst zum Interbankenmarkt: Die Interbankenraten sind weiterhin rückläufig. Libor fiel gestern auf 4,28 %. In der vergangenen Woche stand Libor noch bei 4,59 %. Gerade der Rückgang in Libor - die für 1 Monats-Kredite in US-Dollar steht - gibt Anlass zur Hoffnung auf das Licht am Ende des Tunnels für den Geldmarkt.
Ein weiteres positiv zu deutendes Zeichen für die langsame Auflösung des Knotens mit der Hoffnung auf einen bald wieder anspringenden Liquiditätsfluss ist der Rückgang der impliziten Volatilität bei den 1-Monats USD/JPY Optionen. Die Vola ist mittlerweile auf 20,35 % gefallen. Zum Vergleich: gestern lag die Vola noch bei 23,33 %, am 10. Oktober sogar bei 29,64 %.
Noch lässt sich sicher nicht von einem steigenden Risikoappetit sprechen, denn die Volas sind im längerfristigen Vergleich immer noch sehr hoch. Doch der Rückgang von den extremen Levels lässt sich zumindest als Zeichen für eine schwindende Risikoaversion deuten.
Während also die Entwicklung im Kreditmarkt eine baldige Entspannung abzeichnet, richtet der Markt nun seinen Blick auf die möglichen Folgen für die US-Wirtschaft. Diese sind nach wie vor nicht rosig. Für heute steht der Consumer & Housing Report" des US-Handelsministeriums zur Veröffentlichung an. Einer Bloomberg-Umfrage zufolge, erwartet der Konsens einen Rückgang für den Baubeginn neuer Häuser auf 870.000 im September. Dies entspricht dem niedrigsten Stand seit Januar 1991.
Während der starken Krisenphase der vergangenen Wochen konnte die US-Währung deutlich Stärke beweisen - vor allem gegenüber den asiatischen Währungen - aufgrund der massiven Nutzung von US-Dollar-Liquiditätsspritzen. Mit Fokus auf die Auswirkungen der Krise und der Rettungspakete auf die US-Volkswirtschaft gerät nun zunehmend auch der USD unter Druck. EUR/USD erholt sich mittlerweile von seinem Tief heute morgen bei 1,3373 auf gegenwärtig 1,3444. Der USD gab auch gegenüber dem GBP ab. GBP/USD stieg von 1,7256 heute morgen auf gegenwärtig 1,7301. Kurzfristig erwarte ich gerade für EUR/USD eher eine Seitwärtsbewegung mit deutlicher Korrelation zur Entwicklung an den Aktienmärkten. Mittel-bis langfristig dürfte der USD, meiner Meinung nach, gegenüber anderen Hauptwährungen stärker unter Druck geraten.
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