USA will strategische Reserven einsetzen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 24. September 2004 18:00 Uhr
ENL5462
Schwach ... sehr schwach, was der Dow da macht. Unsinnig ... sehr unsinnig die Begründung, die ich heute zum Ölpreisanstieg gelesen habe und die mit den strategischen Ölreserven der USA zu tun hat.
Ein Regierungssprecher der US-Regierung hatte erklärt, dass das Energieministerium erwäge, den von dem Hurrikan betroffenen US-Raffinerien mit Öl aus den strategischen Ölreserven auszuhelfen. Schließlich seien die Ölreserven geschaffen worden, um das Ölangebot vor physischen Störungen zu schützen.
Eigentlich eine ganz vernünftige Idee, auf die ich gleich noch zurückkomme. Völlig unvernünftig die Reaktion einiger Analysten. Sie sehen darin eine Wende in der Politik von Bush. Ihre Argumentation: Der Ölmarkt könnte diese Aktion als Notmaßnahme verstehen, die zeigt, in welcher schwierigen Lage der Ölmarkt sich wirklich befindet. Aus diesem Grund stiegen die Kurse nach der Nachricht weiter ...
Manchmal habe ich das Gefühl, die Leute stricken sich ihre Argumente nach der Richtung in die ihre Nase zeigt ... Es besteht kein Zweifel daran, dass wir im Ölmarkt im Moment Schwierigkeiten haben, die Kapazitätseinbußen, der Wirbelsturm Ivan an der Südküste der USA verursachte, haben schließlich mit dazu geführt, dass der Ölpreis wieder derart deutlich angestiegen ist. Natürlich reagiert die USA auf ein zu geringes Ölangebot. Das ist die Ursache. Oben genannte Analysten machen aber nun die Wirkung, die mögliche Freigabe der Ölreserven, im Prinzip zu Ursache weiterer Ölpreisanstiege. Etwas verquer, meinen Sie nicht auch?
Aber zu einem ganz anderen Thema. Wie ich vor Monaten geschrieben habe, rechnete ich damit, dass vor der Wahl der Ölpreis schwächer notieren sollte, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die sinkenden Lagerbestände in den USA weisen darauf hin, dass die Ölindustrie, wie erwartet, die Ölkäufe im September eingeschränkt hat. Doch das führte bisher nicht zu einem Einbruch des Ölpreises. Putin versprach Bush eine Ausweitung der russischen Fördermenge, davon ist jedoch noch nichts zu spüren, angesichts der Lieferschwierigkeiten von Yukos passiert eher das Gegenteil. Auch die Opec, die nach Kräften versucht, den Ölpreis zu drücken, konnte keinen Einfluss auf den Ölpreis nehmen. Mir scheint es ein wenig so, als ob Bush alles versucht, den Ölpreis zu senken, diese Strategie aber nicht ganz aufgeht.
Es ist dabei schon eine gewisse Ironie des Schicksals, dass Bush gerade durch Wirbelstürme in Bedrängnis kommt. Denn schon wieder jagt ein Sturm auf Florida zu, Jeanne, der in Haiti 1.000 Menschenleben forderte. Einige Wissenschaftler machen die allgemeine Klimaerwärmung für die Häufigkeit und Schwere der Hurrikans verantwortlich. Gerade Bush hat dem Umweltschutz wenig Bedeutung beigemessen, um es einmal nett zu formulieren. Und gerade Bush kommt nun durch eine der Folgen der Umweltverschmutzung ein wenig in Bedrängnis. Sollte es doch so sein, dass die Menschen das erhalten, was sie verdienen, so wie Bill Bonner es immer darstellt?
Zu den Märkten:
Angesichts der steigenden Ölpreise, der sich verschlechternden Konjunkturdaten, angesichts der geringen Bereitschaft dem greenspan'schen Optimismus Glauben zu schenken, angesichts der zu erwartenden schlechteren Unternehmensergebnissen zum dritten Quartal, zeigt sich die Börse, insbesondere der Dow ausgesprochen schwach. So schwach, dass sich viele von Ihnen Sorgen machen, ob denn bei dem Umfeld noch eine Wahlrallye möglich ist.
Warten wir ab, wie sich der Dow im Bereich der 10.000er Marke verhält. Sollte er sang und kraftlos durch diese psychologisch wichtige Marke nach unten fallen, werde ich mir so langsam mit Ihnen Sorgen machen.
US-Konjunkturdaten
Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter sind um 0,5 % zurückgegangen. Erwartet wurden 0,0 bis -0,7 % nach zuvor noch +1,8 %.
Die Zahl der US-Hausverkäufe bestehender Häuser ist um 2,7 % auf 6,54 Mio. gesunken. Erwartet wurden 6,65 bis 6,80 Mio. Hausverkäufe nach zuvor revidierten 6,72 Mio.
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