USA: Treffen Sie vor der Wahl Ihre Wahl
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 29. Oktober 2008, 19:00 Uhr
ENL5454
Ist die Wahl in den USA schon gelaufen? Wenn man den aktuellen Umfragen traut, dann ja. Der demokratischen Präsidentschaftsbewerber Obama liegt gegenüber dem weißen Republikaner McCain deutlich vorn. Ehemalige republikanische Hochburgen stehen auf der Kippe.
Und jetzt erhält Barack Obama auch noch einen unerwarteten Ritterschlag, der in seinen Wirkung nicht zu unterschätzen ist: Der ehemalige Außerminister unter Bush, Collin Powell, hat sich eindeutig auf die Seite von Obama geschlagen. Wenn ein Ex-Außenminister und hochdekorierter General eine Empfehlung für einen Kandidaten einer anderen Partei abgibt, könnte das auch in von den Republikanern dominierten Militär- und Sicherheitskreisen Wirkung zeigen.
Von Powels Aufruf dürfte Obama auf jeden Fall profitieren. Schon vorher hatten sich renommierte, eher zu den Republikanern zählende Medien ebenfalls für Obama, oder besser gesagt: gegen McCain ausgesprochen. Begründung vor allem: Die als unverantwortlich wahrgenommene Nominierung einer peinlichen Figur wie Sarah Palin zur Vizepräsidentschaftskandidatin. Die Frau mag zwar in Alaska prima Elche jagen können und war auch mal Bürgermeisterin eines Vorortes von Anchorage, der weniger Einwohner hat, als jede Nebenstraße in Köln - doch für eine der wichtigsten Ämter weltweit ist das zu wenig. Das fällt auch immer mehr Amerikaner auf.
Ich glaube, dass es aber trotzdem bis zur letzten Minuten spannend bleibt. Argumente und Umfragen sprechen eindeutig für Obama. Doch ist das von Weißen dominierte Amerika wirklich bereit für einen schwarzen Präsidenten? Ich befürchte, dass ein latenter Rassismus der weißen Mittelschicht in der Abgeschiedenheit der Wahlkabinen noch eine Entscheidung zugunsten McCains hervorbringen könnte.