USA: Schlechte Konjunktur, gute Börse?
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 06. Dezember 2006 19:00 Uhr
ENL5454
Heute mich in meinem Profit Radar auf ein Email von Taipan-Leser Günter R. eingehen:
„Sehr geehrte Damen u. Herren,
ich bin etwas überrascht, dass, trotz der aktuellen schlechten US-Konjunkturdaten, bei keiner Position ein eventuell vorzeitiger Ausstieg ins Auge gefasst wird. Wäre dies nicht sinnvoll, um dann wieder billiger einzusteigen?
Würde mich über eine kurze Stellungnahme freuen.“
Nun, zunächst einmal muss man festhalten, dass die Konjunkturdaten aus den USA nicht durchweg „schlecht“ sind, sie sind vielleicht „durchwachsen“, aber nur „schlecht“ auf keinen Fall. Gutes Beispiel dafür sind die Anfang Dezember gemeldeten Konjunkturdaten:
Zunächst einmal sind positive Signale vom Arbeitsmarkt gekommen. Es wird jetzt damit gerechnet, dass die US-Wirtschaft im November über 158.000 neue Stellen geschaffen hat. Das ist der stärkste Monat seit einem halben Jahr und liegt deutlich über den Prognosen der Wall Street.
Ebenfalls positiv waren die Daten aus vom Dienstleistungssektor:
Der ISM-Index für den Bereich außerhalb des produzierenden Gewerbes ist auf 58,9% gestiegen und notiert damit so stark wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Der Index für das produzierende Gewerbe ist allerdings schwächer ausgefallen. Schlechter als erwartet ist auch die Produktivität im 3. Quartal mit einem Anstieg von nur 0,2% ausgefallen, erwartet wurden 0,4%
Deutlich unter den Erwartungen waren auch die Daten für die Lohninflation, was allerdings ein positives Zeichen ist. Das Arbeitsministerium misst auf Jahressicht lediglich ein Lohnwachstum von 2,9% statt der ursprünglich erwarteten 5,3%. Wie Sie wissen, ist die Inflationsentwicklung in den USA einer der Hauptsorgen der Notenbank, die in diesem Jahr schon zu heftigen Turbulenzen an den Börsen weltweit geführt hat.
Wenn man genauer hinschaut, ergibt also ein differenziertes Bild der amerikanischen Konjunktur, was keinesfalls nur die Bezeichnung „schlecht“ verdient. Wenn man die wesentlichen Indikatoren zusammenrechnet, zeichnet sich das Bild einer sich verlangsamenden Konjunktur ab, von einer Rezession kann jedoch keine Rede sein.