USA: Kritische Übergangsphase
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 14. November 2008, 19:00 Uhr
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Heute wird mit Sicherheit Klartext geredet werden, auf dem Weltfinanzgipfel in Washington. Ein Name wird jedoch fehlen: Obama.
Obama will durch seine Teilnahme kein falsches Signal setzen und deutlich machen, wer für ein Großteil des Schlamassels verantwortlich ist, nämlich Bush. Der hat zwar eine reibungslose Übergabe der Macht zugesichert. Gleichzeitig aber angekündigt, in den letzten Wochen seiner Amtszeit noch etliche Gesetzesinitiativen auf den Weg bringen.
Ob das Bush noch einen besseren Platz in den Geschichtsbüchern sichert? Eigentlich spielt das auch keine Rolle mehr. Denn die Amerikaner, und nicht nur die, sind heilfroh, dass die unheilvollen Jahre unter Bush sich dem Ende neigen. Bush will aber, das wird vermutet, Obama den Start eben gerade nicht erleichtern durch seine eiligen Maßnahmen in den nächsten Wochen. Das, was Bush jetzt noch anzettelt, wird von der neuen Regierung unter Obma vermutlich genauso schnell wieder kassiert werden.
Und das wird sich noch Wochen hinziehen. Denn die Machtübergabe findet erst am 20, Januar 2009 statt - eine erstaunlich lange Übergangszeit, die sich jetzt zu einem zusätzlichen Unsicherheitsfaktor für die Börse entwickelt, und das vor dem Hintergrund der schwersten Finanzkrise seit 1929.
Obama hat immer wieder betont, dass er einen klaren Bruch mit „8 Jahren verfehlten Bush-Wirtschaftspolitik" vollziehen will. Deshalb nimmt er auch nicht am derzeitigen Weltfinanzgipfel teil. Doch was wird bei der Wirtschaftspolitik anders und besser machen als die Regierung Bush?
Wie kompliziert die Situation in den letzten Tagen der Bush-Regierung ist, zeigt auch die aktuelle Entwicklung: US-Finanzminister Paulson musste jetzt zugeben, dass er mit seinem Rettungspaket 700-Mrd. US$ falsch lag. Das ursprüngliche Ziel bestand darin, illiquide Wertpapiere aus den Ramschhypotheken-Depots der Banken aufzukaufen. Dieser Plan wurde gestern überraschend aufgegeben. Jetzt geht um Kreditkartenforderungen, die auf der Kippe stehen. Entsprechend nervös haben die Börsen reagiert