USA: Inflation oder Deflation?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 07. April 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Ende letzter Woche gab es schlechte wirtschaftliche News, die darauf hindeuten, dass die USA den japanischen Weg gehen werden.
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in den USA auf über 445.000 – das höchste Niveau seit einem Jahr.
Die Auftragseingänge gingen im Februar um 1,5 % zurück.
Und im Februar war die amerikanische Kern-Inflationsrate auf dem niedrigsten Niveau seit 37 Jahren.
Eine Deflation kommt in den Annalen der Wirtschaftsgeschichte nur selten vor. Bei den großen Volkswirtschaften gab es in den letzten 100 Jahren eigentlich nur 2 Deflationen: Einmal während der Weltwirtschaftskrise und dann in Japan, ab der zweiten Hälfte der 1990er (geht heute noch weiter).
Zentralbanker und Volkswirte fürchten, dass sich die japanische Deflation auf die anderen westlichen Volkswirtschaften ausbreiten könnte – wie SARS. Bereits heute kann man darüber diskutieren, ob sich Deutschland nicht schon in einer Deflation befindet. Und in den USA suchen die Wirtschaftspolitiker nach Zeichen der Infektion. Was sie sehen, ist, dass alle Importe aus dem Fernen Osten infiziert sind – ihre Preise sinken wie der Blutdruck eines sterbenden Patienten. Nur der robuste Dienstleistungssektor ... und der Energiesektor ... und der Immobilienmarkt ... bewahren die US-Wirtschaft derzeit vor einer Infektion.
Weder der Anleihenmarkt noch der Bondmarkt signalisieren einen sofortigen Wechsel dieses Trends. Ich auch nicht.
Aber mein Kollege Eric Fry ist davon überzeugt, dass die Inflation in den USA steigen wird – und dass deshalb niedrigere Anleihenkurse so nah bevorstehen wie der Fall von Bagdad. Ich weiß es nicht. Vielleicht wird die Inflation stark steigen ... die Zinssätze werden steigen ... die Anleihenkurse werden einbrechen ... und der Goldpreis wird auf 500 Dollar pro Unze schießen. Aber es könnte auch sein, dass der deflationäre Trend noch etwas bestehen wird, bevor er schließlich beendet wird ... dieses Weiterlaufen könnte durch eine weitere Zinssenkung der Fed unterstützt werden ... und neue Hypotheken-Refinanzierungen ... und weiter fallende Importpreise. Allerdings stimme ich mit Eric Fry in einem Punkt definitiv überein: Wir würden beide jetzt keine US-Anleihen kaufen. Sie sind derzeit zu riskant, um einen Kauf (und den möglichen kleinen Gewinn, den man mit ihnen erzielen kann) zu rechtfertigen. Mehr dazu weiter unten ...