USA: Haushaltsdefizit Grund für Rezession?
Adam Lass in Baltimore in Traders Daily
vom 25. April 2005 12:00 Uhr
ENL5454
"Der (US-) Haushalt ist auf einem nicht nachhaltigen Weg, auf dem große Defizite zu steigenden Zinsen und immer weiter wachsenden Zinszahlungen führen, die weitere Defizite in zukünftigen Jahren festschreiben."
- Alan Greenspan
Da kann ich nur zustimmen.
Die nächste amerikanische Rezession wird nicht die Schuld des hohen Ölpreises sein. Und Schuld wird auch nicht die lange Periode der laxen Geldpolitik der Fed sein, oder die Zinserhöhungen, zu der die Fed jetzt gezwungen ist.
Die nächste Rezession wird deshalb kommen, weil nur begrenzt Kapital verfügbar ist, und weil das amerikanische Haushaltsdefizit in Wettbewerb um dieses begrenzte Kapital tritt, was die Kosten für dieses Kapital (=Zinsen) nach oben treiben wird.
Wenn das Mr. Greenspan ruhig schlafen lässt, dann wäre ich beruhigt.
Was ich interessant finde, sind nicht die Entschuldigungen, die Greenspan dafür anführt, dass es zur dritten oder vierten Rezession während seiner Amtszeit kommen könnte (das hängt davon ab, ob er in den nächsten paar Monaten in den Ruhestand geht oder nicht). Kurioserweise gibt Präsident Bush vor, mit Greenspans Defizitwarnungen übereinzustimmen. Oder zumindest halb. Er hat wiederholt betont, dass die Bundesregierung nur soviel ausgeben sollte, wie sie einnimmt.
Außer für den Krieg in Afghanistan.
Oh, und auch den Irakkrieg.
Und den Krieg gegen Drogen. Der muss doch auch noch beendet werden.
Und auch der Krieg gegen Steuern, den kann man doch nicht vergessen, denn der wird sowohl für die Wirtschaft als auch für den Aktienmarkt gut sein.
Aber Moment Mal! Sind wir jemals wirklich dem Crash des Jahres 2000 entkommen?
Wenn der Markt von jetzt ab die nächsten 12 Monate fallen wird (meine Charts sprechen immer noch dafür), dann wird das jüngste Topp unter dem Topp des Jahres 2000 liegen. Und wenn das nächste zyklische Tief tiefer als das vorige sein wird, dann wäre die Lage eindeutig: Niedrigere Hochpunkte, niedrigere Tiefpunkte = intakter Bärenmarkt.
Soll die Fed bei extremen Wirtschaftszyklen nicht gegensteuern? Sollte das nicht mehr so sein? Denn Greenspan war Fed-Vorsitzender, während es zu dem extremsten Aufschwung-Abschwung-Zyklus der Geschichte der modernen Volkswirtschaften gekommen ist.
Ah, aber das ist Theorie, und zwar Wirtschaftstheorie. Ich erinnere mich an eine Karikatur, die ich in einer Zeitschrift beim Friseur sah. Dort sah man einen Pub, und im Hintergrund eine Staubwolke, mit Füßen und Fäusten darin. Im Vordergrund sagt der Wirt zu einem Gast: "Das war hier mal eine schöne Kneipe, bis die Ökonomen begannen, hier zu trinken."
Das ist ein viel sagender Kommentar über den Stand des wirtschaftlichen "Wissens".