USA feiern neuste Arbeitsmarktdaten – kommt das zu früh?
Cindy Bach in Insider Daily
vom 7. Dezember 2009, 14:30 Uhr
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wenn ein Land gute Arbeitsmarktzahlen veröffentlichen kann, ist die Welt in Ordnung. Vor allem dann, wenn zuvor eine schwere Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise das Land erschüttert hat. "Der Beschäftigungsabbau in den USA ist fast zum Stillstand gekommen", lautete die positive Nachricht am vergangenen Freitag. Im November sind in den Vereinigten Staaten außerhalb der Landwirtschaft lediglich 11.000 Stellen abgebaut worden. Volkswirte hatten im Mittel ihrer Prognosen dagegen einen Rückgang um 125.000 erwartet.
Die Überraschung war perfekt, das zeigte auch die Börse in aller Deutlichkeit. Nach einem sehr volatilen Start in den Handel schloss die Wall Street zum Wochenausklang fester. Die Zuwächse hielten sich jedoch in Grenzen. Denn während manch amerikanischer Volkswirt schon wieder von Beschäftigungszuwächsen träumt, sind andere etwas vorsichtiger gestimmt. Ist diese Euphorie nicht etwas zu früh, fragen sich die Zweifler unter den Marktexperten.
Diese Frage ist nicht unberechtigt. Denn wir wissen nur allzu gut, dass "gute Arbeitsmarktdaten" aus den Vereinigten Staaten immer mit einer gewissen "gesunden Skepsis" zu betrachten sind. Ich kann Ihnen auch begründen warum: Die Vergangenheit hat uns eines eindeutig bewiesen. Erstens, nichts ist in den USA so schnell und leicht revidierbar wie Arbeitsmarktdaten. Und zweitens wird es nach Analyse von Experten selbst bei robuster Wirtschaftsentwicklung mindestens zehn Jahre dauern, bis die amerikanische Arbeitslosenrate wieder auf das Vor-Rezessionsniveau fallen kann. Möglicherweise kommt die nächste Rezession schon vorher. Und das gilt übrigens auch für den europäischen Arbeitsmarkt.
Stillstand als echter Erfolg gewertet
Nun gut, ich will nicht schwarz malen. Denn Fakt ist: Nachdem in den vergangenen Monaten in den USA Millionen Arbeitsplätze verloren gingen, sind 11.000 abgebaute Stellen im November ein echter Erfolg. Auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht. Und so lassen wir sie auch frohlocken die Volkswirte. Sie beschwören den Aktienmarkt schon wieder mit euphorischen Worten wie: "Die Zeit der großen Beschäftigungsrückgänge am amerikanischen Arbeitsmarkt ist eindeutig vorbei. Vielmehr rücken auf der Basis einer fortgesetzten konjunkturellen Erholung für das kommende Jahr allmählich wieder moderate Beschäftigungszuwächse ins Blickfeld."
Dass die Aktienkurse - wie übrigens noch deutlicher der Gold- und der Ölpreis - im Verlauf wieder auf den Teppich kamen, begründeten Händler laut eines Berichts der Frankfurter Allgemeine Zeitung mit den gleichzeitig geweckten Sorgen, dass die US-amerikanische Notenbank dann auch bald Zinserhöhungen ins Auge fassen könnte.
Zudem seien im Verlauf alle drei großen Indizes über ihre Jahresschlusshochs gestiegen, was bei einigen Anlegern wohl für etwas Unbehagen gesorgt habe. Die Leute wollen kurz vor Jahresschluss nicht zu lange auf Jahreshochs sitzen bleiben", kommentierte ein Händler. Ich meine: Die angefachte Euphorie auf Basis der zunehmend positiven US-Konjunkturdaten könnte auch dem Aktienmarkt bis zum Jahresende durchaus erhalten bleiben. Eingefahrene Gewinne sind ja glücklicherweise dank neckischer Erfindungen wie Stopp-loss-Orders besten absicherbar. Neuinvestments sind jeweils im Detail abzuwägen. Doch es gibt auch jetzt noch klare Chancen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach
P.S.: Was haben wir im Dezember vergangenen Jahres über die Abgeltungssteuer lamentiert. Mit ihrer Einführung im Januar 2009 wurde es dann auch pünktlich ganz ruhig um sie. Jetzt haben wir schon ein Jahr mit ihr verbracht. Welche Erfahrung haben Sie mit der neuen Steuer gemacht? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir dazu etwas schreiben würden. Ein kurzes Statement reicht dabei schon völlig aus.