USA: Anleihenkurse steigen deutlich
unserem Korrespondenten Addison Wiggin in Paris in Investors Daily
vom 15. März 2004 18:00 Uhr
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Hier eine kleine erschreckende Zahlenspielerei. Die Anschläge in Madrid ereigneten sich 911 Tage nach dem 11. September 2001. Zufall?
Was auch immer – den Aktienmärkten Markt gefiel das nicht. Ein Beispiel: Als die Welt noch dachte, dass die Anschläge das Werk der ETA waren, da beachtete der Dow Jones den Terrorangriff kaum ... aber als dann die Nachricht kam, dass ein Brief gefunden wurde, der auf die islamistische Terroristen als Täter hinwies, da sackte der Dow Jones durch.
Überraschenderweise fiel der Goldpreis leicht zurück, auf unter 400 Dollar. Aber ein anderer traditioneller "sicherer Hafen" wurde beflügelt: Der Schweizer Franken. Er gewann gegenüber dem Dollar fast 2 %, und gegenüber dem britischen Pfund und dem Euro stieg er auf 4-Wochen-Hochs.
Die Toten in Madrid kommen zum einjährigen Geburtstag des Bullenmarktes 2003/2004. Aber diese Rally litt auch ohne die Terroranschläge unter ihrem eigenen Gewicht. Man hätte übrigens erwarten können, dass auch der Euro Federn gelassen hätte. Aber er hielt sich relativ stabil bei 1,22. Warum? Nun, ist das nicht offensichtlich? Zumindest für Dan Denning ist das offensichtlich:
"Das monatliche ( ...) Bulletin des US-Finanzministeriums brachte eine ziemliche Überraschung", so Dan Denning letzten Freitag in London. "Natürlich hatte die US-Regierung letzten Februar wieder ein Haushaltsdefizit, wie man erwarten konnte, aber die Größe war überraschend ... 96 Milliarden! In einem Monat! Und auch noch in so einem kurzen Monat wie dem Februar. Ich glaube, dass das das größte monatliche Haushaltsdefizit ist, das die USA jemals hatten ..."
Und weiter: "15,2 Milliarden Dollar der neuen Schulden mussten als Zinsen für alte Schulden aufgewendet werden. Mit anderen Worten: 8 % der neuen Schulden wurden nur gemacht, um alte Schuldner zu bezahlen. Und die Gesamtausgaben der ersten fünf Monate des laufenden Fiskaljahres (Start: 30.09.2003) sind gegenüber ihrem Vorjahreswert um 4,2 % gestiegen, von 898 Milliarden Dollar auf 937 Milliarden Dollar. Das Defizit ist im gleichen Zeitraum um 16,4 % gestiegen."
Und auch Chuck Butler von der Everbank betonte letzten Freitag in einer Analyse, dass die Devisenabteilung von Lehman Brothers meint, dass es "Zeit ist, den Dollar gegenüber dem Euro zu verkaufen, und dass die aktuelle Rally des Dollar einfach nicht gerechtfertig ist ..."
"Gut!" meint Chuck Butler, "das ist die Botschaft, von der ich will, dass die Märkte sie hören ... und wenn die anderen großen Jungs auch dasselbe Lied singen könnten, dann wäre das schon etwas!"
"Wenn man keine anderen Daten als nur eine Grafik der Renditen der US-Staatsanleihen hätte", schreibt Caroline Baum von Bloomberg, "dann würde man denken, dass die US-Wirtschaft ziemliche Probleme hätte."
"Niemals zuvor war die Zeitverzögerung zwischen Wirtschaftswachstum und der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen so groß wie derzeit", so Baum weiter. Von den geschätzten 21.000 Jobs, die im letzten Monat geschaffen worden waren, kam nicht ein einziger neuer Job aus dem Privatsektor. Denn es war der erste Monat seit August, dass alle neuen Jobs nur der Regierung zu verdanken waren. Diese Arbeitsmarktzahlen führten zu einer explosiven Rally bei den Kursen der US-Staatsanleihen. Der Kursanstieg, den wir unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen sahen, war der größte Tagesgewinn seit 13 Jahren.
Die Anleihen-Investoren denken, dass die weiterhin schlechten News vom Arbeitsmarkt bedeuten, dass "die Wirtschaft in den nächsten Monaten durchsacken wird." Das würde zu tendenziell sinkenden Renditen und damit zu steigenden Anleihenkursen führen. Und die Terrorangriffe in Madrid verstärken diese Tendenz noch ...