US-Zinsentscheid
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 17. März 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
das wichtigste Ereignis des gestrigen Tages dürfte wohl der Zinsentscheid der US-Notenbank gewesen sein. Es gab - oh Wunder - keine Zinsänderung. Die Zinsen bleiben „für einen längeren Zeitraum" bei 0 bis 0,25 Prozent. Im begleitenden Kommentar führen die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses an, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten seit der letzten Fed-Sitzung weiterhin an Fahrt gewonnen haben und der Arbeitsmarkt sich stabilisiert hat. Die aktuelle Wirtschaftslage mache es aber nötig, die außerordentlich tiefen Zinssätze für einen längeren Zeitraum beizubehalten. Hm, ist das nicht ein Widerspruch?
Schauen wir einmal hinter die Kulissen. Stellen Sie sich vor, Sie wären eine Großbank und könnten nahezu zinslose Kredite aufnehmen und damit an den Aktien- und Rohstoffmärkten spekulieren. Jedes Prozent Kursgewinn würde Ihnen tatsächlich als Ertrag zufließen, da die Kreditkosten ja praktisch Null sind. Sie würden große Summen in die Märkte pumpen und die Kurse dadurch sehr weit aufblähen. Bei den Aktien freuen sich die Leute noch drüber, aber spätestens an der Zapfsäule merken sie, dass da etwas nicht stimmt. Aber egal. Solange es weiter steigt, verdienen Sie daran. Da die Zinsen aber nicht ewig so niedrig bleiben und Sie nicht nur immer selbst die Kurse nach oben treiben können, müssen Sie weitere Anleger überzeugen, dass es noch viel weiter steigen wird und Aktien auch nach einer Kursverdoppelung noch immer gnadenlos billig sind.
Am Ende wird das ganz schön schwierig. Erst Recht, wenn sich die Fundamentaldaten wieder eintrüben. Oder gar Staatspleiten drohen. Sie müssen das ganze Zeug an jemand verkaufen, bevor der Trend wieder kippt. Aber da gibt es ja noch die Kleinanleger... Die scheren sich auch nicht um Sentimentdaten. Ein schönes Kursziel nennen und fertig. Nur raus da. Denn wenn erst einmal ein Kursrutsch einsetzt, sind die ganzen Milliarden wieder verloren. Dazu braucht es aber Zeit, um das ganze Material wieder loszuwerden. Eine einzige schlimme Nachricht kann das Kartenhaus zum Einsturz bringen. Oh bloß nicht...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Börsenfuzzi (17.03. 2010 09:24 Uhr):
Passend zu Ihrer Überlegung ist das Kursverhalten; das nämlich bestimmte Grenzen (im Dax etwa 6000) bislang nicht nachhaltig überschritten worden sind. Es sieht fast so aus, als wenn "dort oben" abgeladen wird. Auflschluss für die weitere Entwicklung dürfte die Zeit nach dem Verfall sein. Nächste Woche wird wohl wieder interessant.
Antworten - Kommentar von mwh (17.03. 2010 10:10 Uhr):
tagtäglich immer die gleichen gloom and doom Kommentare. Fakt ist jedoch, dass der Markt das Gegenteil tut, und die, die sich nicht von solchen jeden Tag gleichen pessimistischen Kommentaren beeinflissen ließen, schöne Gewinne sehen. Sicher, es werden auch wieder schlechte Börsentage kommen....und dann werden Sie sicher feststellen "haben wir ja immer gesagt". Na dann Glückwunsch für die präzisen Einschätzungen!
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