US-Wirtschaft sehr verletzlich gegenüber steigenden Zinsen
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 01. Juli 2003 18:00 Uhr
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Eine Bärenmarktrally ist ein perverses Vergnügen – wie ein Bananen Split-Eis zum Frühstück. Natürlich schmecken sie beide gut. Aber sie sind wohl kaum eine gesunde Basis für ein Diät-Frühstück bzw. für eine langfristige Investment-Diät. Ein bisschen "Bärenmarktrally" wird einen nicht töten, aber man sollte nicht versuchen, nur davon zu leben.
Ironischerweise sind die Kurse an den US-Börsen seit der jüngsten Zinssenkung von Alan Greenspan eher gefallen als gestiegen. Offensichtlich hat Alan Greenspan entweder seine Magie verloren – oder er hatte sie nie. Nicht nur, dass die Aktienkurse seit der Zinssenkung gefallen sind, auch die Anleihenkurse sind gefallen, was die langfristigen Zinssätze hat steigen lassen ... das ist kein Weg, eine Volkswirtschaft zu stimulieren.
"Vadim Zlotnikov, Analyst bei Sanford C. Bernstein, hat berechnet, dass ein halber Prozentpunkt Renditesteigerung bei den 10jährigen US-Anleihen ungefähr 3 Millionen potenzieller Hauskäufer davon abhält, sich für eine Hypothek für ein durchschnittlich teures Haus zu qualifizieren", so das Barron's Magazin. "Höhere Zinsssätze kürzen auch die erwarteten 80 Mrd. Dollar, die in diesem Jahr laut Schätzungen aus der Erhöhung bestehender Hypotheken in den Konsum fließen sollen. Und die Rendite der 10jährigen Anleihen ist fast genau einen halben Prozentpunkt gestiegen, seit dem Tief von 3,08 % vor zwei Wochen."
"Die andere größere Frage für die Bullen, die in den letzten Monaten mutiger geworden sind, ist, ob die Stimmung der Investoren zu positiv geworden ist ( ...). Eine Umfrage von Investors Intelligence unter den Autoren amerikanischer Börsenbriefe hat gezeigt, dass von diesen in den letzten Wochen viele zu Bullen geworden sind, und eine Umfrage unter Kleinanleger (Quelle: American Association of Individual Investors) zeigt, dass der Anteil der Bullen bei 89 % liegt. All diese Dinge sind ein Beweis dafür, dass diese Aufwärtsbewegung gefährlich ist, da es mehr Abwärtsrisiko gibt als unmittelbares weiteres Aufwärtspotenzial."
Vielleicht wirken 13 Zinssenkungen in Folge zusammen mit einer explodierenden Geldmenge doch noch inflatorisch ... besonders am Immobilienmarkt. "Spekulationsblasen haben einen bestimmten Eigengeruch – und was gerade am Immobilien- und Hypothekenmarkt passiert, hat diesen Geruch; d.h., diese Märkte sind zum großen Teil wegen einem unhaltbaren, unwirtschaftlichen Verhalten gestiegen", so die Analysten von ContraryInvestor.
"Als die Zinssätze gefallen sind, haben alte und neue Hausbesitzer ihre Hypotheken erhöht, und von diesem frischen Geld typischerweise mehr als die Hälfte in den Konsum gesteckt. Zusätzlich dazu, dass sie ihre Hypotheken erhöhten, um den laufenden Konsum zu finanzieren, haben sie ihre fixen Hypothekenraten auch in variable Zinssätze geändert, weil diese niedriger sind ... was ihre Verletzbarkeit gegenüber steigenden Zinssätzen erhöht. Man bräuchte keine starke Erhöhung der Zinssätze oder keinen großen Rückgang der realen Einkommen, um große Ausfallprobleme bei den Hypotheken zu bekommen."
... und man bräuchte auch keine große Zinssenkung, um am Aktienmarkt größere Probleme zu bekommen!