US Wahlkampf: 1. Runde der Schlammschlacht hat begonnen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 13. Februar 2004 18:00 Uhr
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Der US-Wahlkampf fängt dieses Jahr bereits sehr früh mit seiner Schlammschlacht an. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Bush Regierung etwas in der Defensive sitzt, wie auch die letzten Umfragen bestätigen. Nun werden die üblichen Geschütze aufgefahren, um den politischen Gegner, in diesem Fall John Kerry, zu demontieren. Aber, wer weiß, vielleicht geht diesmal der Schuss nach hinten los. Diese Dreckskampagnen und Schlammschlachten sind zwar "amüsant", aber man darf sich fragen, was haben sie mit Politik zu tun.
Ehrlich, mich interessiert es nicht im geringsten, mit wem welcher Politiker wann, wie, was Intimes gemacht haben soll. Bei den meisten Politikern möchte ich mir das nicht einmal vorstellen müssen. Aber wir sind hier auch in Deutschland und nicht in dem doch recht prüden Amerika. Da gab es schon Wahlentscheidungen, die über die ein oder andere Affäre entschieden wurden.
Auf jeden Fall steht John Kerry nun ganz vorne in der Schusslinie. So wird jetzt schon, allerdings nach recht dubiosen Quellen, Kerry eine Affäre mit einer Praktikantin unterstellt – eine typische Demokratenneurose? Sind Praktikantinnen in Amerika vielleicht gar keine Praktikantinnen? Man weiß es nicht, aber man will es auch gar nicht wissen.
In der New York Times war heute zudem zu lesen, dass konservative Kräfte John Kerry vorwerfen, nach dem Vietnamkrieg zum überzeugten Kriegsgegner geworden zu sein. Zudem wird Kerry vorgeworfen, dass er sich 1970 (vor 34 Jahren) in einer Studentenzeitung als "Internationalist" bezeichnet hat und dabei forderte, US Truppen unter das Kommando der UN zu stellen. Dann wurde noch ein Photo veröffentlicht, auf dem Kerry "Seite an Seite" mit der in Amerika doch sehr umstrittenen Friedensaktivistin Jane Fonda zu sehen sein soll (Er sitzt drei Reihen hinter Fonda). Bilder mit ihm und John F. Kennedy gibt es auch zu sehen.
Aber ob das die geeigneten Maßnahmen sind, eine Wahl zu gewinnen? Zumal Bush mit einem ganz anderen Dämon zu kämpfen hat, der praktisch keine Angriffsfläche bietet: Die Amerikaner trauen ihrem Präsidenten nicht mehr so recht. Nach einer Umfrage glauben nur noch 52 % der Amerikaner, dass Bush ehrlich und aufrichtig ist. Ich hatte es mir gedacht. Letzten Endes könnte Bush genau über dieses Misstrauen stolpern und nicht über seinen politischen Gegner.
Es wird ein harter, wahrscheinlich unfairer Wahlkampf dieses Jahr werden und wir werden sicherlich noch die ein oder anderen Eskapaden miterleben dürfen. Natürlich werde ich nicht umhinkommen, manche dieser Eskapaden entsprechend zu kommentieren.
Doch zur Börse. Dafür, dass die gestrigen US-Konjunkturdaten derart schlecht waren, haben sich die amerikanischen Indizes noch ganz gut gehalten. Keine Verkaufspanik, kein deutlicher Rutsch. Nach dem vergleichbar starken Anstieg vom Mittwoch war es eher eine normale Konsolidierung. Offenbar sind die Bullen noch nicht wirklich auf dem Rückzug. Aber die Fassade kriegt immer mehr Löcher. Der Wirtschaftserholung in Amerika fallen die Hörner ab und zwei buschige Bärenohren treten hervor. Sollte das gesamte Bullenfell abfallen, könnte sich herausstellen, dass das Bullenkostüm doch nichts mehr als ein Karnevalskostüm gewesen ist – die ganze Zeit über.