US-Wachstum
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 27. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
gestern gab es nach längerer Zeit einmal wieder eine (moderat) positive Konjunkturnachricht aus den USA. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind dort in der abgelaufenen Woche gegenüber der Vorwoche um 31.000 auf 473.000 gesunken, während ein Anstieg auf 490.000 erwartet wurde. Damit entwickelten sich die Erstanträge zum ersten Mal in diesem Monat rückläufig. Die Erstanträge der vorangegangenen Woche wurden dagegen von ursprünglich 500.000 auf 504.000 leicht nach oben revidiert. Der weniger volatile gleitende Vier-Wochenschnitt ist um 3.250 auf 486.750 gestiegen.
Wir sehen also eine leichte kurzfristige Entspannung, aber längst noch keine Trendwende zum Positiven. Heute wird es allerdings deutlich wichtiger. Um 14:30 Uhr wird die 2. Schätzung zum US-Wachstum (BIP) abgegeben. Nachdem die erste Schätzung mit Plus 2,4 Prozent für meinen Geschmack (oder besser meine Daten) sehr optimistisch ausgefallen war, wird für heute Nachmittag eine Abwärtsrevision auf Plus 1,4 Prozent erwartet. Alles, was deutlich darunter liegt, könnte den Markt schocken und zu einem deutlichen Abverkauf führen. Ich gehe von deutlich darunter liegenden Daten aus.
Das Problem ist, dass die Schätzungen für den weiteren Jahresverlauf des Wachstums noch viel zu optimistisch sind. In den USA wurden von den meisten Analysten noch gar keine Abwärtsrevisionen vorgenommen, obwohl sich die Datenlage seit April stetig verschlechtert. Schlafmützen oder Daueroptimisten? Sollte die Herde heute um 14:30 Uhr aufwachen und in den nächsten Tagen und Wochen Abwärtsrevisionen für die nächsten Quartale vornehmen, könnte das zusätzlichen Druck auf die Kurse ausüben.
Aber wir haben ja noch Ben Bernanke, der ab 16:00 Uhr in Jackson Hole sprechen wird. Er sagte einmal in einer früheren Rede, dass die Stützung des Aktienmarktes eines der effektivsten Mittel sei, um eine Deflation zu vermeiden. Der Markt dürfte also händeringend an seinen Lippen hängen. Schauen wir mal, was heute stärker wiegt: die (hoffentlich wenig geschönten) Daten vom BIP oder die Hoffnung auf neue Liquiditätsspritzen der Notenbank.
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