US-Treasuries:US-Markt setzt auf niedrige Zinsen
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 18. August 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
die Aktienmärkte achten seit Beginn der Finanzkrise stärker als gewöhnlich auf die Entwicklung des Zinsniveaus. Während in expansiven Wirtschaftsphasen Themen wie Übernahmen und Börsengänge größere Aufmerksamkeit erhalten, erhoffen sich die Marktteilnehmer von dem Blick auf den Anleihemarkt in Rezessionsphasen eine Indikation auf eine mitelfristige Entwicklung der Zinspolitik der Notenbanken. In den USA hat sich in jüngster Zeit das Spannungsfeld zwischen überdurchschnittlich hohen Inflationsraten und einem schwachen Wirtschaftswachstum verstärkt. Als US-Notenbankchef Bernanke Mitte Juli die hohen US-Inflationsrate erwähnte und betonte, man werde die Zinspolitik in Zukunft wieder stärker daraufhin ausrichten, die Inflation zu bekämpfen, führte dies zu einem Kursrutsch des maßgeblich beachteten 10-Year-US-Treasury-Note. Sie ist dem deutschen Bund-Future gleichzusetzen.
Die dann folgenden schwachen Wachstumsdaten aus den USA ließen am Markt aber erhebliche Zweifel aufkommen, ob die US-Notenbank den Worten auch Taten folgen lassen wird. Solange nicht mehrere Wirtschafts-Indikatoren auf eine nachhaltige Erholung hindeuten, wird es kaum zu höheren Zinsen in den USA kommen. Auf der anderen Seite nehmen die fallenden Rohstoffpreise den Druck von den US-Notenbankern, da damit die kommenden Inflationsdaten deutlich freundlicher ausfallen dürften. Der US-Rentenmarkt antizipierte diese Hoffnung und schickte die 10-Year-Treasury-Note wieder gen Norden. Zeigen die nächsten US-Wirtschaftsdaten eine unverändert rezessive Entwicklung an, werden sogar die Spekulationen um den einen oder anderen Zinsschritt nach unten Rückenwind erhalten.
Technisch gesehen kann der Rentenmarkt in den USA durchaus noch einige Punkte zulegen. Nach Überwindung des Widerstandes bei 116 Prozent liegt das nächste Kursziel bei 118 Prozent. Allerdings erweckt die Aufwärtsbewegung nicht wirklich den Eindruck größerer Dynamik. Zwei Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle: Zum einen erwarten Investoren, dass die Inflationsraten mittelfristig hoch bleiben und die Rohstoffmärkte nur einer zeitlich befristeten Korrektur unterliegen. Zum anderen könnte sich mit dem Wechsel im Amt des US-Präsidenten Anfang 2009 auch das Wirtschaftswachstum wieder stärker beleben, so dass die US-Notenbank im Verlaufe des Jahres 2009 das außerordentlich niedrige Zinsniveau wieder stärker anheben kann. Vor diesem Hintergrund wären dann wieder fallende Kurse und steigende Renditen zu erwarten.
