US-T-Bonds: Korrektur noch nicht beendet
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 3. Juni 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
begonnen hat die ganze Misere für die USA eigentlich schon mit der Notwendigkeit der Finanzierung zweier Kriege, nämlich im Irak und in Afghanistan. Die Regierung Bush musste für das Führen dieser Kriege so viele Staatsschulden machen, dass sie nicht nur den von der Vorgängerregierung Clinton angehäuften Haushaltüberschuss verpulverte, sondern die Verschuldung in Dimensionen aus der Zeit der Regierung Reagan trieb. Der Ausbruch der Finanzkrise Mitte 2007 führte dann schließlich zum absoluten Ruin der öffentlichen Haushalte. In diesem Jahr müssen die USA ein Haushaltsdefizit von 1,75 Billionen US-Dollar finanzieren. Gemessen an dem für die kommenden Jahre prognostiziertem Haushaltloch Deutschlands von 330 Milliarden Euro kommt dies einem Offenbarungseid gleich. Die Finanzmärkte haben diese Tatsache lange ignoriert, auch in der Hoffnung, die Regierung Obama würde die Verschuldungspolitik streng limitieren. Doch anstatt mit einem großen Rotstift über den Etat für 2009 und 2010 zu gehen, hat Obama den zunächst unvermeidlichen Konjunkturpaketen auch noch großzügige Rettungspakete für den einen oder anderen Lobbybereich hinzugefügt. Die Last dieses süßen Gift tragen zunächst der Rentenmarkt und später, in noch größerem Umfang, der amerikanische Steuerzahler. Für die US-Wirtschaft könnte sich diese Politik als großer Bumerang erweisen, denn hinter dem Renditeanstieg am US-Rentenmarkt steht nichts anderes als ein Zinsanstieg, der Ausdruck des Misstrauens der Investoren gegenüber der Solidität der US-Finanzen ist.
US-Regierung flutet Rentenmarkt
Wegen der großen Finanznot herrscht in der Emissionsabteilung für Bonds im US-Finanzministerium seit Wochen Hochbetrieb. Marktbeobachter gehen davon aus, dass in diesem Jahr Anleihen über das gesamte Laufzeitenspektrum mit Fälligkeiten bis zu 30 Jahren im Umfang von rund 2 Billionen US-Dollar begeben werden. In der vergangenen Woche wurden allein Staatspapiere über 101 Milliarden US-Dollar neu am Markt angeboten. Die Auswirkungen waren sehr schnell an den Preisen für die bestehenden Rentenpapiere abzulesen. Da die Regierung zur erfolgreichen Vermarktung ihrer neuer Anleihen immer attraktivere Konditionen bieten muss, setzt das die Preise für die alten, noch laufenden Bonds stark unter Druck. Vor allem das lange Laufzeitenende der US-Rentenpapiere verzeichnete deutlichere Verluste. In den vergangenen sechs Wochen ist die Rendite der zehnjährigen US-Titel um 1,25 Prozentpunkte gestiegen. Unter normalen Umständen reicht eine solche Spanne meistens für den Handel eines ganzen Jahres. Das Unbehagen der Anleger über die langfristige Entwicklung der US-Staatshaushalte kam besonders in der Ausweitung des Renditeabstands zwischen den ein bis zweijährigen und den zehnjährigen Papieren zum Ausdruck. Diese Differenz erreichte ihren historisch höchsten Abstand und übertraf den bisherigen Rekord vom August 2003.
Federal Reserve garantiert Nachfrage
Die Schieflage am US-Rentenmarkt begann mit der Ankündigung der US-Notenbank Mitte März, Staatsanleihen im Umfang von 300 Milliarden US-Dollar kaufen zu wollen. Seither positionieren sich viele Marktteilnehmer gegen die Federal Reserve, weil sie davon ausgehen, dass der politisch getriebene Wille, die Zinsen über einen bestimmten Zeitraum künstlich niedriger zu halten höher zu bewerten ist, als die Limitierung der bisherigen Ausgabenprogramme. Ziel der Fed-Politik ist den US-Unternehmen die Aufnahme von Fremdkapital zu günstigen Bedingungen zu ermöglichen, um die US-Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Die ersten Anzeichen über eine Verbesserung zahlreicher Konjunkturindikatoren scheint einen Erfolg dieser Strategie zu bestätigen. Zu Beginn der Sommersaison, die in den USA immer Ende Mai mit dem Memorial Day beginnt und Anfang September mit dem Labor Day endet, wird die Notenbank ihre Aufkaufaktivitäten allerdings ausdünnen, denn die Umsätze werden dann am Rentenmarkt analog zum Aktienmarkt naturgemäß geringer ausfallen. Sollten die Aktienmärkte im Herbst nochmals in Turbulenzen geraten, würde der „sichere Hafen" Staatsanleihen wieder erste Wahl der Anleger sein. Die Federal Reserve hätte dann leichteres Spiel, ihr Aufkaufprogramm wirkungsvoller und marktschonender einzusetzen. Der bisherige Umfang von 300 Milliarden US-Dollar wird vermutlich aber nicht ausreichen, so dass über eine Erhöhung dieses Rahmens wieder neuer Druck auf die US-Renditen ausgeübt werden würde.
Kurzfristige Erholung wahrscheinlich
Wie eingangs bereits erwähnt, steht der US-Rentenmarkt insbesondere seit Anfang Mai unter starkem Druck. Auslöser der verschärften Abwärtsbewegung war die Ankündigung der Kreditrating-Agentur Standard & Poors, die Bonitätsnote Großbritanniens genauer zu untersuchen. Auch im Vereinigten Königreich steht es mit den Staatsfinanzen nicht zum Besten. Die enge Korrelation zwischen dem britischen und dem US-Finanzmarkt führte schließlich zu dem deutlichen Kursverfall der zehnjährigen US-Staatsanleihen, die in dem Chart oben abgebildet sind. Technische Indikatoren weisen aber darauf hin, dass es wohl kurzfristig zu einer größeren Erholung in diesen Papieren kommen könnte. Als wesentliche Unterstützung des aktuellen Niveaus dienen dabei sowohl der aktuelle Verlauf der steigenden 200-Tage-Durchschnittslinie, von der aus die Kurse nach oben abprallten, als auch der untere Rand des gültigen Abwärtstrendkanals. Zudem zeigen sich die wichtigen Indikatoren MACD und Relative Stärke Index bereits auf sehr niedrigen Niveaus, so dass nur eine leichte erste Entspannung am Rentenmarkt bereits zu Kaufsignalen führen könnte. Ein Heranlaufen an die starke Widerstandszone bei 120 Prozent sollte in den nächsten Wochen möglich sein. Die fallenden kurzfristigen Durchschnitte 38-und 50-Tage begrenzen allerdings weitere Ambitionen der Bullen. Kursverluste bis an die Unterstützung um 113 Prozent erscheinen aus aktueller Sicht im dritten Quartal wahrscheinlich.
