US-Staatsanleihen und das Haushaltsdefizit
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 8. November 2010, 12:00 Uhr
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*** Panta rhei. Alles ist im Fluss.
So ändern sich die Zeiten:
Heute morgen hatte ich - noch im Bett liegend, wach werdend - ein Bild im Kopf. Ich weiß nicht, wieso mein Gehirn gerade diese Erinnerung „hoch brachte". Jedenfalls erinnerte ich mich an einen Tag im Jahr 1999, an dem ich mit einer Tasse Caro-Kaffee und Ärmelschonern am Schreibtisch das Handelsblatt las.
Ein Beitrag zum Thema US-Staatsanleihen weckte mein Interesse. Zu dieser Zeit hieß der US-Präsident Bill Clinton. Und im September 1998 konnte er darauf verweisen, dass die USA das erste Mal seit über 30 Jahren einen Haushaltsüberschuss vorweisen konnten. Bis zum Ende seiner Amtszeit blieb das so, die Überschüsse stiegen sogar an. Im Jahr 2000 lag der Überschuss bei gut 2% des Bruttoinlandsproduktes.
Ich erinnere mich daran, dass ich mich damals durchaus wunderte. Und zwar über die Reaktionen in den USA. Straßenfeste, tanzende Bürger(innen) auf den Straßen, Blumenkränze für die Regierung?
Mitnichten. (Da ist es wieder, dieses Wort.) Stattdessen Streit: Sollen die Überschüsse nun den Bürgern zurückgegeben werden? Steuersenkungen? Wie hoch? Oder Krankenversicherung einführen, Militärausgaben erhöhen?
Haltet das doch ein paar Jahre durch...
...in guten Jahren vorhandene Schulden tilgen...
...dann ist doch auch Spielraum für Kreditaufnahme in späteren schlechten Jahren.
Nun, es kam anders.
Ein Aspekt ist mir jedenfalls vom damaligen Lese-Tag im Gedächtnis haften geblieben: Damals wurden die Haushaltsüberschüsse „natürlich" direkt hoch gerechnet. Wenn das so weitergehen würde, hätten die USA folgendes Problem: Es müssten keinerlei neue Staatsanleihen ausgegeben werden. Ja, vorhandene könnten sogar am Markt aufgekauft und damit vorzeitig getilgt werden.
O welch Unheil, denn wie sollten die ganzen Pensionskassen, Fonds und Privatanleger dann ihr Geld anlegen? US-Staatsanleihen würden ein sehr knappes Gut werden, was sollten diese Anleger dann tun?
*** So ändern sich die Zeiten. Damals machte „man" sich Sorgen darüber, dass es nicht genug Staatsanleihen für die ganzen Käufer geben würde.
Heute ist es genau umgekehrt: Es gibt nicht genug Käufer für die ganzen Staatsanleihen.
Auch ein Grund dafür, dass die Fed nun Staatsanleihen mit selbst gedrucktem Geld kauft. Denn diese Staatsanleihen könnten wohl kaum im eigenen Land platziert werden.
*** Und noch mal „so ändern sich die Zeiten".
Im Zuge der „Griechenland-Krise" hatte die Öffentlichkeit Angst vor einem schwachen Euro.
Nun im Zuge des „Weltkrieges der Währungen" (eine Art Abwertungswettlauf) greift „Angst" vor einer starken Währung um sich.
So ändern sich die Zeiten.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von ujay (08.11. 2010 12:48 Uhr):
Leider haben Sie vergessen zu erwähnen, dass Bill Clinton mit einem Taschenspielertrick auf Kosten der nachfolgenden Regierung einen ausgeglichenen Haushalt "erwirtschaftete", und zwar indem er immer währende Steuerfreiheit auf "IRA" versprach, wenn man gegen eine einmalige Gebühr seine "401K" gegen Roth IRA eintauscht. Diese Gebühren verschafften ihm dann zum grossen Teil den positiven Haushalt, während der nachfolgenden Regierung diese Einnahmen fehlten. Zudem drängte er Fannie Mae und Freddie Mac unter Androhung von Sanktionen zu den Subprime Krediten, welche den "Amis" nun das Leben schwer machen. Das sollte nicht unerwähnt bleiben.
Antworten - Kommentar von Sänze (08.11. 2010 15:58 Uhr):
Vor einigen Tagen starb Viktor Tschernomyrdin, ehemaliger Ministerpräsident Russlands. Hier ein Zitat von ihm, an welches ich in letzter Zeit häufiger denken muss: "Wir wollten das Beste, aber es kam wie immer!"
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