US-Staatsanleihen: Pimco legt nach!
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 10. Mai 2011, 17:00 Uhr
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die Märkte werden wieder vom Thema Staatsschuldenkrise heimgesucht. Mit den unsäglichen Ereignissen, die sich auf EU-Ebene um die diversen "Rettungen" momentan abspielen, gerät dabei jedoch leicht in Vergessenheit, dass die Situation in den USA kaum viel besser aussieht.
Vielleicht erinnern Sie sich noch? Vor ein paar Wochen hatte Bill Gross, einer der führenden Köpfe des Bond-Titanen Pimco verkündet, dass man sich von nun an von seinen US-Staatsanleihen trennen werde. Wenig später war dann sogar zu vernehmen, dass Pimco Spekulationen auf fallende Kurse eingeleitet hatte - mit Verweis auf die katastrophale Schuldensituation in den USA.
Nun, bei meinem täglichen Rundgang durch die Medienlandschaft konnte ich lesen, dass Pimco sogar von seiner Wette auf eine Talfahrt der US-Anleihen dermaßen überzeugt ist, dass dort inzwischen sogar noch einmal in diesem Bereich extra nachgelegt wurde. Mit anderen Worten: Man ist sich seiner Sache sehr sicher...
Sogar die Financial Times Deutschland hat übrigens das Thema aufgegriffen.
Was ein fallender Anleihemarkt mit Aktien bzw. Nebenwerten zu tun hat
Auf den ersten Blick mögen meine Hinweise vielleicht manch einen Leser verwundern, geht es hier doch um den Anleihemarkt und eben nicht um Aktien. Doch die gefühlte Trennung der beiden Märkten trügt. Denn gerade in Zeiten von Schuldenkrisen gibt es mehr Zusammenhänge als Verschiedenheiten zwischen den beiden Mräkten. Ein Beispiel: Fallen Anleihen im großen Stil, bedeutet dies, dass es für zahlreiche Schuldner (darunter auch wichtige US-Bundesstaaten und Firmen und viele mehr) deutlich teuerer und schwieriger wird, an dringend benötigtes Kapital zu kommen, da bei fallenden Anleihekursen jeweils die Zinsen der Anleihen sich invers verhalten. Dies wiederum kann sich im Extremfall derart wirtschaftlich niederschlagen, dass die momentan laufende wirtschaftliche Erholung eine ordentliche Ladung Sand ins Getriebe bekommen könnte. Soweit sind wir jedoch aktuell nicht.
Ein kurzer Blick auf die internen Märkte
Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die interne Marktlage der amerikanischen Aktienmärkte und beginnen mit dem NYSE BP Index.
Zur Erinnerung:
Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.
Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.
Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.
Betrachten wir nun den aktuellen Stand:
Quelle: Stockcharts
Das ist knapp. Dem Index fehlt nur noch eine Haaresbreite bis zur Umkehr in eine O-Spalte. Wie Sie im obigen Chart sehen können, steht der Index bei 70.34 Punkten. Mit dem Überstreichen der 70er-Schwelle wäre der Index in einer O-Spalte. Würde er dann noch bis auf 68 Punkte fallen, hätten wir sogar eine Zustandsänderung zu "Bear Alert". Noch sind wir aber nicht soweit und bis dahin sieht die Lage erst einmal weiterhin gut aus.
Betrachten wir noch zum Vergleich den "kleinen Bruder" der NYSE BP Index, den "Prozent der 10"-Index (schneller und empfindlicher als der NYSE BPI):
Quelle: Stockcharts
Hier lässt sich deutlich sehen, dass der Index bereits aus seinem überkauften Level (d.h. über 70 Punkte) heruntergebrochen ist und auch weiterhin in einer O-Spalte steht. Dies signalisiert die Möglichkeit weiterer kurzfristiger Schwäche, was sich dann auch entsprechend im NYSE BP Index niederschlagen könnte.
Aktuell sind dies jedoch nur Warnzeichen und noch keine vollendeten Tatsachen. Ich empfehle Ihnen, diese beiden Punkte genau im Blick zu behalten bei Ihren Anlageentscheidungen, denn ich habe bisher keinen Crash/Korrektur erlebt, bei welcher der NYSE kein Alarm geschlagen hätte.
Kurz und knapp: Möglicherweise kommt ein kleines Gewitter an den Märkten, aber bisher scheint aus Sicht der Marktinterna erst noch einmal weiterhin die Sonne für die Bullen.

