US-Staatsanleihen: Konsoldierung weitet sich aus
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 5. März 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
der Bedarf nach sicheren Anlagemöglichkeiten schoss im vergangenen Herbst nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers steil in die Höhe. Im Mittelpunkt des Interesses standen weltweit Staatsanleihen aus den USA und Deutschland, deren Bonität mit zu den Besten der Welt gehört. Die zehnjährige US-Staatsanleihe die zu den liquidesten am US-Rentenmarkt gehört, legte von Anfang November 2008 bis zum Ende des Jahres um 16 Prozent zu. Angesichts der starken Einbrüche am Aktienmarkt sowie der Furcht vor weiteren Bankeninsolvenzen erschien die Hausse am Rentenmarkt nur logisch. In einer Analyse vom 28. Dezember wies ich aber darauf hin, dass mit einer baldigen Korrektur sowie einer sich anschließenden längeren Seitwärtskonsolidierung zu rechnen sei. Die damals angegebenen Korrekturziele von zunächst 121 US-Dollar und danach nochmals 124 US-Dollar hat die Referenzanleihe mittlerweile abgearbeitet und dabei eine bullische Flaggenformation gebildet. Sie zeichnet sich durch abnehmende Hochpunkte und neue Tiefpunkte aus. Vom erneuten Einbruch am Aktienmarkt konnte die Anleihe nicht mehr sonderlich profitieren.
Konjunkturpaket erhöht Finanzierungsbedarf
Ursache für den Konsolidierungstrend am Rentenmarkt ist vor allem der hohe staatliche Finanzierungsbedarf. Banken- und Wirtschaftshilfen summieren sich mittlerweile auf mehr als 1,5 Billionen US-Dollar und noch steht nicht fest, ob weitere staatliche Stützmaßnahmen zum Beispiel für die Automobilindustrie fällig werden. Um den zusätzlichen Kapitalbedarf zu decken, wird der Staat eine Vielzahl neuer Anleihen am Rentenmarkt begeben und so Druck auf die Kurse bestehender Bonds ausüben. Befänden sich nicht viele Investoren noch im Status höchster Risikoaversion, wäre es auch am Rentenmarkt schon zu einem größeren Kursrutsch gekommen. Allein die in der letzten Woche aufgekommenen Verstaatlichungsszenarien für die Citigroup und die Versicherungsgruppe AIG bestätigte die Anleger in ihrer zurückhaltenden Risikoneigung. Sollte sich in absehbarer Zeit allerdings eine Beruhigung am Aktienmarkt und in der Bankenkrise abzeichnen, dürfte sich die bisher zeitlich begrenzte Konsolidierung bei den US-Staatsanleihen ausweiten.
Inflationsdaten werden sorgsam beobachtet
In den Augen vieler Investoren schwebt zudem trotz der Absatzkrise in der US-Wirtschaft und dem damit verbundenen Preisdruck bereits wieder das Inflationsgespenst im Hintergrund der Anleihemärkte. Die massive Versorgung der Geldmärkte mit Liquidität und die vielen ungedeckten Schecks die der Staat zahlreichen großen Unternehmen aktuell bereit ist auszustellen, würden auf mittlere Sicht zu einem starken Anstieg der Inflation führen. Die so rasch auf 0 Prozent zurückgefahrenen Leitzinsen müssten dann im gleichen Tempo erhöht werden, um die Geldwertstabilität zu garantieren. Hauptlastträger dieser Maßnahme wären dann aber der Rentenmarkt. Da im Gegenzug die Aktienmärkte wieder etwas an Attraktivität gewinnen würden, nähme der Verkaufsdruck am Rentenmarkt entsprechend zu. Beachtlich ist zumindest, dass der Rentenmarkt die leicht deflationären Tendenzen kaum zur Kenntnis nimmt. Auch das Versprechen von US-Präsident Obama, bis zum Ende seiner Amtszeit das aktuelle Haushaltsdefizit halbieren zu wollen, beeindruckt kaum. Ohne plausibles Finanzierungskonzept erscheint das vielen Anlegern kaum realisierbar.
Rücklauf bis 118 Prozent mittelfristig denkbar
Das technische Bild des Futures für 10-Jährige US-Staatsanleihen unterstellt kurzfristig eine moderate Erholung bis in den Widerstandsbereich um 124 US-Dollar. Sie wird vor allem durch das etwas überverkaufte Niveau, ausgedrückt in der Slow Stochastik, gestützt. Der MACD-Indikator, der die vorherrschenden Trendrichtung bestimmt, zeigt hingegen wenig Aufwärtsdynamik. Ohne einen äußeren Impuls wie zum Beispiel einer neuen, starken Abverkaufswelle am Aktienmarkt ist nicht damit zu rechnen, dass die obere Begrenzung des Konsolidierungskanals bei 126 US-Dollar kurzfristig durchbrochen wird. Eher ist in den kommenden sechs Wochen mit einer Stabilisierung der Aktienmärkte und weiteren Gewinnmitnahmen bis an die Unterstützung bei 120 US-Dollar, mit Einschränkung sogar bis 118 US-Dollar zu rechnen. Ende April, mit Ende der sogenannten Stresstestphase für die US-Banken, könnte wieder neu aufkommende Unsicherheit für eine Fortsetzung des im November begonnenen Aufwärtsimpulses sorgen. Zumindest ein Test des letztjährigen Hochs bei 130 US-Dollar käme dann in Betracht.
