US-Pharmaindustrie: Druck bleibt bestehen
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 20. August 2009, 08:00 Uhr
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als US-Präsident Obama zu Beginn seiner Amtszeit mit der Gesundheitsform einen seiner wichtigsten politischen Ziele für die nächsten vier Jahre benannte und sich sogleich auch an die Umsetzung dieser Thematik machte, fürchtete eine Mehrheit der betroffenen Unternehmen in der Branche größere Eingriffe in das bestehende Wettbewerbssystems. In der Folge begann eine der umfangreichsten Lobbykampagnen der vergangenen Jahrzehnte. Mit relativ einfachen Schlagworten wurden den US-Bürgern die vor allem finanziellen Nachteile einer generell staatlichen Krankenversicherung deutlich gemacht. Außer Acht ließ die Branche dabei die Tatsache, dass das US-Gesundheitssystem zu den teuersten der Welt gehört.
Zwar ist Motivation von Obama zur Durchführung der Reform zuerst in sozialen Belangen zu suchen, im zweiten Schritt beabsichtigt die Regierung aber auch die hohen Kostenzuwächse zu begrenzen. Eine Mehrheit der US-Bürger scheint ihrem bisher beliebten Präsidenten auf diesem Weg nicht folgen zu wollen und sieht in einer bevorzugt privat organisierten Krankenversicherung die bessere Lösung. Für die Pharmaindustrie ändert das auf Dauer an der Notwendigkeit einer Neuordnung kaum etwas. Schon aus Effizienzgründen wird sich die begonnene Konsolidierung in den kommenden Jahren fortsetzen. Hohe Forschungskosten und begrenzte Patentlaufzeiten limitieren die Gewinnaussichten für künftige Neuentwicklungen.
Attraktivität des US-Pharmamarkts geringer
Galt der US-Pharmamarkt in den achtziger und neunziger Jahren noch als attraktives Pflaster, hat sich die Dynamik der Einzelmärkte in der Vergangenheit weiter verlagert. Die besten Möglichkeiten für Absatz-und Preissteigerungen bei Medikamenten bieten inzwischen die Schwellenländer. Die wichtigsten dieser aufstrebenden Märkte sind China, Brasilien, Russland, Indien, Türkei, Südkorea und Mexiko. Diverse Marktforschungsanalysen belegen, dass sich die Pharmaumsätze dort bis 2013 auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar verdoppeln werden.
Für viele der großen etablierten Unternehmen ist deshalb der Blick auf die Wirtschaftentwicklung in diesen Ländern wichtiger als die isolierte Beobachtung des US-Marktes. Nach übereinstimmenden Prognosen von Volkswirten wird der US-Pharmamarkt 2009 das erste Mal seit vier Jahrzehnten schrumpfen, während der Weltpharmamarkt um etwa drei Prozent steigen wird. Da die Mehrheit der US-Pharmaunternehmen einen relativ hohen Anteil ihrer Erlöse auf dem US-Heimatmarkt erzielen, trifft sie diese Entwicklung stärker als ihre europäischen Wettbewerber.
Nachholbedarf befördert Fusionsfantasien
Die schlechte Positionierung der US-Unternehmen auf den attraktiven Schwellenmärkten setzt die Verantwortlichen unter Druck, die Erlösstruktur rasch umzubauen. Neben dem Erwerb kleinerer Wettbewerber rücken deshalb auch größere Fusionen in den Fokus der Analysten. Während zum Beispiel Merck & Co. nur zwölf Prozent seiner Umsätze in Schwellenländern erzielt, verzeichnet Amgen praktisch gar keinen Umsatz in diesen Regionen. Die US-Unternehmen haben daher größeren Nachholbedarf im Hinblick auf den Aufbau von Vertriebsstrukturen in den neuen aufstrebenden Pharmamärkten.
Inwiefern allerdings die US-Unternehmen selbst noch das Heft des Handelns in der Hand haben wird sich zeigen. Seit Mitte 2000 ist die Börsenbewertung der US-Pharmakonzerne im Schnitt um 40 Prozent gefallen. Demgegenüber werden die europäischen Pharmakonzerne in der Summe um ein Drittel höher bewertet als vor neun Jahren. Die Europäer haben im kommenden Fusionskarussell also die besseren Karten. Das betrifft auch die Verschuldungssituation. In jedem Fall dürften die kommenden zwölf Monate vor dem Hintergrund dieser Fakten sehr interessant werden.
Neue Aufwärtswelle im Anmarsch
Mit dem Wechsel der Regierungsmacht in Washington begann für die Aktien des Nasdaq Health Care-Index eine schwankungsfreudige Zeit. Das Forcieren der durch die Demokraten beabsichtigten Gesundheitsreform versetzte den Anlegern zunächst einmal einen Dämpfer. Es kam Ende Februar zu einem größeren Ausverkauf, der die Befürchtungen erheblicher zusätzlicher Kostenbelastungen zum Ausdruck brachte. Dem Absturz folgte aber eine moderate Aufwärtsbewegung, die sich in einem stabilen Aufwärtstrendkanal entfaltete.
Dem Überschreiten von 38-, 50- und 200-Tage-Linie schloss sich ein größerer Aufwärtsschub an, gleichzeitig stabilisierten sich die Trendindikatoren wie der MACD und das Momentum im positiven Bereich. Wie so häufig produzieren beschleunigte Aufwärtsbewegungen überkaufte Märkte und reizen zu Gewinnmitnahmen.
Investoren leiteten deshalb Ende Juli eine trendbestätigende Konsolidierung ein, die den Test des horizontalen Unterstützungsniveaus bei 210 Punkten beinhaltete. Dieser Test wurde gestern erfolgreich mit einer großen weißen Kerze an der steigenden 38-Tage-Linie beendet. Zieht der MACD in den nächsten Tagen mit, dürfte nicht nur ein neues Kaufsignal entstehen, sondern auch eine Aufwärtswelle bis 240 Punkte folgen. Gefahr droht für die Bullen nur, wenn der Nasdaq Health Care-Index deutlich unter 200 Punkte zurückfällt. In diesem Fall wäre eine Verkaufswelle bis 180 Punkte einzukalkulieren.