US-Notenbankpolitik
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 18. Oktober 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
am Freitag sahen wir gemischte Wirtschaftsdaten aus den USA. Die Teuerungsrate fiel geringer aus als erwartet, der Empire State-Index zum verarbeitenden Gewerbe im Großraum New York stieg deutlich stärker als prognostiziert, während das Verbrauchervertrauen unerwartet deutlich fiel. Die Märkte schlossen darauf hin nur leicht verändert.
Heute kommen erneut wichtige Wirtschaftsdaten auf die Anleger zu. Neben Quartalszahlen wichtiger US-Technologie-Aktien dürften vor allem die Daten zur Industrieproduktion und zum Hausmarkt in den USA von Bedeutung sein. Negative Daten könnten dabei durchaus positiv aufgenommen werden, da diese die Chancen auf zusätzliche Lockerungsmaßnahmen der US-Notenbank erhöhen. Bis morgen Abend stehen zudem mehrere Reden führender US-Notenbankmitglieder an, von denen sich die Anleger weitere Hinweise auf diese erhofften Maßnahmen erhoffen. Das Kursgeschehen könnte also durchaus volatil werden.
Die Frage, ob weitere geldpolitische Lockerungen der Fed auch tatsächlich der Wirtschaft helfen und nicht in erster Linie dem Aktienmarkt, wird derzeit meiner Meinung nach viel zu wenig gestellt. Nach mehreren Jahren einer historisch einmalig lockeren Geldpolitik ist das Wachstum in den USA ja dennoch dramatisch eingebrochen (Drittelung in den letzten drei Quartalen). Eine Wirtschaft auf Drogen, der die Dosis nicht mehr genügt?
Man könnte also durchaus auf die Idee kommen, dass diese Maßnahmen in der amerikanischen Wirtschaft keine nachhaltige Wirkung haben. Sie scheinen lediglich beim Aufblähen der Aktienkurse zu helfen. Begreift man den Aktienmarkt als „Fieberthermometer der Konjunktur“, so zielt die aktuelle Notenbankstrategie wohl darauf ab, die Thermometeranzeige (Aktienkurse) in einen beruhigenden Bereich zu bringen, während der Patient weiter an Fieber leidet. Der Selbstbetrug könnte kaum größer sein. Die Folgen dürften interessant werden.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Bläser (18.10. 2010 10:59 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, den - sich allerdings immer mehr selbst marginalisierenden - USA geht es wirtschaftlich nicht toll, das ist klar. Aber wie Sie richtig sehen, kann sich der Aktienmarkt aufgrund der überreichlichen Liquidität abkoppeln. Dies hat einen indirekten "Reichtumseffekt" auf die US-Konsumenten ebenso wie es lange Zeit der mit Regierungshilfe aufgeblähte Häusermarkt hatte. Die USA hoffen offenbar, sich an den "Aktienhaaren" selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Mit freundlichen Grüssen, W. Bläser
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