US-Notenbankchef lässt Zinsen unverändert
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 21. September 2006 18:00 Uhr
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Wie erwartet hat die US-Notenbank die Zinsen unverändert bei 5,25 % belassen. In dem Statement wies die Fed darauf hin, dass unverändert Inflationsrisiken bestehen. Insbesondere aufgrund der hohen Ressourcenauslastung sowie den Energie- und Rohstoffpreisen. Allerdings wies der FOMC darauf hin, dass die Mitglieder mit einem sich vermindernden Inflationsdruck rechnen. Als Begründung für diese Vermutung wurden die sinkenden Energiepreise und die verzögerten Effekte durch die geldpolitische Straffung der letzten Monate genannt.
Die Analysten interpretierten diese Aussagen wie gewohnt zwiegespalten. Die einen sahen in diesem Statement einen eindeutigen Hinweis darauf, dass die Zinsen nicht mehr weiter steigen werden, die anderen lasen aus dem Statement eher die Gefahr weiter steigender Zinsen und sahen sich auch dadurch in dieser Einschätzung bestätigt, dass eines der FOMC-Mitglieder sogar für eine Zinserhöhung gestimmt hatte.
Für mich klang das Statement einfach so, wie es wahrscheinlich gemeint war: Wenn sich die Energiepreise weiter abschwächen, beziehungsweise auf dem aktuellen Niveau halten werden und sich zudem weiter abzeichnet, dass sich das US-Wirtschaftswachstum verlangsamt, dann wird die Notenbank die Zinsen unverändert belassen – zunächst. Und genau das ist eigentlich ihre Kernaussage seit geraumer Zeit: Sie werden weitere Entscheidungen von den Daten abhängig machen.
Insofern können wir uns sicher sein, dass die Märkte weiterhin höchst nervös auf den Ölpreis und die Inflationsdaten achten werden. Ich für meinen Teil gehe davon aus, dass der Einbruch des Ölpreises sich in den nächsten Wochen/Monaten auf die Inflation auswirken wird. Wenn es nun noch zu einem warmen Winter kommen sollte und der Ölpreis, wie erhofft, selbst nach dem Einbruch noch seine typische saisonale Schwäche zeigt, muss man sich wohl kaum um weitere Zinserhöhungen Sorgen machen.
Starker September - gefährlicher Oktober
Allerdings, vielleicht erinnern Sie sich, ich hatte geschrieben, dass wenn der September zu stark ausfällt, die Gefahr eines nachhaltigeren Rutschs im Oktober wächst! Das muss genau beobachtet werden: Denn der September zeigt sich bisher von seiner sehr freundlichen Seite, etwas, womit außerhalb des Investors Daily nicht viele gerechnet hatten.
Achten Sie auf den Dow Jones. Er schloss gestern mit 11613 Punkten knapp unter seinem Jahreshoch – es wird also spannend. Und, haben Sie schon den Champagner kalt gestellt, für die Dow Jones Allzeithoch-Party? Auf Schlusskursbasis sind es noch 137 Pünktchen...
Zu einem anderen Thema:
Wer profitiert von der Mehrwertsteuererhöhung?
Ich komme gerade von einem Mittagessen mit Kollegen. Es ging unter anderem auch um die Frage, welche Aktien von der Mehrwertsteuererhöhung profitieren werden. Keine Frage, es könnten die bekannten Konsumtitel sein. Einer der Kollegen merkte allerdings an, dass wohl kaum jemand mehr konsumieren wird, höchstens vielleicht im hochpreisigen Segment. Hier könne er sich schon vorstellen, dass bei einigen Konsumtiteln das Weihnachtsgeschäft etwas besser ausfallen wird.
Reiseunternehmen schieden aus, Banken und Versicherer auch. Zu Immobilien meinte einer: Die Leute werden ihre Häuser auch nicht teurer verkaufen, wer wird da schon die Mehwertsteuer aufschlagen und statt 320.000 € irgendeinen krummen Wert verlangen. Hm, wer weiß, wer weiß, das sagt sich so leicht bei einem lockeren Gespräch am Mittagstisch. Ich habe es gerade einmal ausgerechnet, es geht hier immerhin um eine Summe von 8275 €!
Was ist mit Automobilwerten? Auch hier waren die Meinungen unterschiedlich. Denn im Hochpreis-Segment werden sich drei Prozentpunkte schon deutlich auswirken. Einer gab jedoch zu bedenken, dass es seiner Meinung nach unter den wohlhabenden Konsumenten nicht viele geben werde, die ihren Autokauf aufgrund einer Mehrwertsteuererhöhung dramatisch nach vorne ziehen. „Die kümmert das nicht!“, so sein lapidarer Kommentar. Gut, darüber kann man streiten. Aber was ist mit den Menschen, die weniger Geld haben? Könnte es hier nicht sein, dass viele schnell noch Ende 2006 ihren neuen Wagen kaufen?
Immer hübsch antizyklisch - auch im Leben
Ein Kollege lacht und sagte: Er würde mit einem Autokauf sowieso bis Februar 2007 warten. Wenn es denn tatsächlich zu einem Vorzieheffekt kommen sollte, dann würden anschließend die ersten Monate für die Automobilverkäufer wahrscheinlich dramatisch schlecht ausfallen. Und wenn die Autos in den Hallen kleben wie Kaugummi, könnte man sicher sehr gute Rabatte erzielen. Immer hübsch antizyklisch!
Es wurde dann noch darauf hingewiesen, dass viele Autohersteller mittlerweile weltweit aufgestellt sind und das sich dieser Effekt allein dadurch schon relativieren werde.
Pharmawerte schieden auch aus, oder wer würde noch schnell zum Arzt rennen, um sich Großpackungen für Medikamente verschreiben zu lassen? Ebenso fielen Chemietitel und Versorger durch. Auch das mehr Postpakete verschickt werden, um die Mehrwertsteuer zu sparen, wollte niemand so recht glauben. Ebenso schien es abwegig, das jemand noch schnell die weltweite Verwandtschaft anrufen würde...
Das ohnehin nicht ganz ernst geführte Thema verlor sich so schnell wieder, wie es aufgekommen war. Unter dem Strich blieb hängen, Konsumtitel und Autowerte.
Aber vielleicht haben Sie ja eine Idee, welche Aktien besonders von der Mehrwertsteuererhöhung profitieren könnten, dann schreiben Sie mir.
Zum Schluss
Bisher ist es in diesem Jahr noch nach jeder Zinssitzung zu einem Kursrückgang gekommen. Wird uns hier der September auch überraschen? Ach ja, und die Deutsche Telekom macht sich gerade mit riesen Schritten auf zu steigen, auch TUI kommt heute aus den Startlöchern. Kommt also doch meine Mauerblümchen Rallye?
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens
P.S. Ich möchte Sie noch auf den interessanten Artikel von meinem Kollegen Axel Retz aufmerksam machen: "Potemkinsche Dörfer" (weiter unten).