US-Notenbank kann die Finger nicht vom Anleihe-Markt lassen

in Devisen-Monitor zum Thema Finanzkrise
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Seit Beginn der Finanzkrise manipuliert die US-Notenbank den Markt für Anleihen. Sei es über den Kauf von Papieren am freien Markt, sei es wie seit September 2011 über den Umtausch kurzlaufender Papiere in lang laufende. Das Ziel jeder Aktion: der Zins am Markt soll sinken, auf dass noch mehr billige Kredite verfügbar werden. Gestern gab die Notenbank bekannt, dass die laufende Aktion noch einmal bis Jahresende verlängert wird. Papiere im Wert von 267 Milliarden werden jetzt getauscht.


US-Notenbank sitzt auf Wertpapieren für 2.600 Milliarden Dollar

Seit 2008 häufte die US-Notenbank FED einen Bestand von Wertpapieren in Höhe von fast 2.600 Milliarden US-Dollar an. Teilweise zeichnete die FED sogar neu ausgegebene US-Anleihen mit selbst gedrucktem Geld, die Notenbank finanzierte also den Staat. Die Erfolge konnten sich durchaus sehen lassen. Der Zinssatz für US-Staatsanleihen ging in die Knie. Für drei Jahre laufende Anleihen muss der US-Finanzminister derzeit nur noch 0,41% Zinsen zahlen, für zehnjährige Anleihen nur 1,63%.

Denn die zusätzliche Nachfrage der Notenbank nach Anleihen bewirkte steigende Anleihe-Kurse. Bei Anleihen sind die Renditen und Kurse negativ miteinander gekoppelt. Das heißt: Steigen die Kurse, sinken die Zinsen.

Sinkende Zinsen sollen die Realwirtschaft ankurbeln

Sinkende Zinsen machen nicht nur Kredite für Unternehmen und Verbraucher billiger, es wird auch unattraktiver, festverzinslich anzulegen. Je niedriger der Zins ist, desto attraktiver seien Investitionen in die Realwirtschaft - so das Kalkül der FED.

Auch auf lange Sicht sollen die Zinsen sinken

Doch das reichte der FED nicht. Daher wurde im September 2011 die Operation Twist ins Leben gerufen. Dabei verkauft die FED kurz laufende Anleihen aus dem eigenen Bestand und erwirbt dafür lang laufende Anleihen. Mit der Aktion sollte der Renditeabstand zwischen kurz und lang laufenden Papieren reduziert werden, auf dass Investitionen in die Realwirtschaft noch attraktiver werden. Geklappt hat das bis jetzt freilich nicht. Zwar sanken die Zinsabstände wie gewünscht, so massiv wie vor der Krise wird jedoch nicht mehr auf Pump gelebt. Das hindert die FED jedoch nicht daran, das Programm jetzt bis Jahresende zu verlängern und um 267 Milliarden Dollar aufzustocken.

sdaf

Spielte Insiderhandel eine Rolle?

Interessant ist die Kurve der Renditeabstände von US-Anleihen. Man sollte meinen, der Renditeabstand zwischen kurz und lang laufenden Anleihen ist erst nach Beginn der ersten Operation gesunken. Doch das Gegenteil ist der Fall. Im September 2011, als die Operation begann, war der Abstand schon um einen Prozentpunkt gesunken - und blieb danach bis April 2012 konstant, stieg sogar wieder leicht. Erst ab April 2012, also kurz vor Ende der ersten Operation, sank der Abstand abermals um 0,5 Prozentpunkte.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass große Marktteilnehmer wie Banken und Hedgefonds Insiderwissen nutzen und sich schon Monate vor den FED-Ankündigungen entsprechend positionieren konnten. Wie sonst ist es zu erklären, dass vor den offiziellen Ankündigungen enorme Renditeverschiebungen stattfinden, nach den Ankündigungen jedoch gar nichts mehr passiert?

 

von
Thomas Kallwass
Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert und langfristig erfolgreicher als der Gesamtmarkt.


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Kommentar von Albert Karl

Lesenswerter Bericht! Vielen Dank. Gruß, AK

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