US-Neubauverkäufe eine Mogelpackung
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. Juni 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Und wieder einmal wurde Mist für gut befunden. Ich spreche nicht von der Blackstone-Aktie (die während ich dieses gegen 20 Uhr schreibe nun auch noch unter den Ausgabepreis vom Freitag gefallen ist ...). Nein, es geht um die Zahlenspielereien mit den Immobiliendaten – diesmal waren es die Neubauverkäufe in den USA im Monat Mai.
Da wurde ein Minus zwischen –5,5% bis zu –9% erwartet ... und es wurde nur ein Minus von –1,6%. Sen-sa-tio-nell, nicht wahr? Aber das ist dummerweise, wenn man es eben nur anhand dieser Prozente betrachtet, alles Firlefanz. Fakt ist:
Prozentuale Veränderung nur eine Sinnestäuschung
Die absolute Zahl fiel im Rahmen der Erwartungen aus. Es waren für Mai 915.000 Neubauverkäufe – die Prognose lag zwischen 910.000 und 925.000. Es ist also absolut nichts überraschend Erfreuliches passiert.
Woher kommt dann dieses seltsam niedrige Minus auf Prozentbasis? Nun, diese Prognose basierte auf den bis heute angenommenen Daten für den April. Da wurde ja ein gigantischer Satz nach oben von 844.000 im März auf 981.000 im April verlautbart. Wie ich ja nie aufhöre zu meckern sind diese Zahlen aber normalerweise nicht allzu viel wert, da es doch noch die eine oder andere winzigste Revision geben kann, die diese Daten dann mal eben um 10% nach oben oder unten drückt. Beeindruckend dabei:
Die originären Zahlen sind erstaunlich oft so, dass sie dem entsprechen, was sich die Investoren so wünschen. Ob das das Bruttoinlandsprodukt für das 4. Quartal 2006 oder das 1. Quartal 2007 war, die Produktivitätssteigerungen, andere Immobiliendaten oder Aufragseingänge ... sehr oft wird dann vier Wochen später nach unten revidiert – was die Märkte dann aber seltener bewegt, denn dann sind diese Zahlen ja schon „alt“. Man mag sich seinen Teil denken ...
Zurück zu den Hausverkäufen. Hier wurde der Riesensatz zu den von manchen als „alles bestens, die Krise ist vorbei“ interpretierten Zahlen im April von 981.000 Hausverkäufen „leicht“ nach unten korrigiert ... auf einmal waren es doch nur 930.000. Und von diesen 930.000 waren es zum aktuellen Level im Mai von 915.000 in der Tat nur –1,6%. Aber:
Erholung? Selbst eine Stabilisierung wäre reine Vermutung
Es war eben nur ein Wert im Rahmen der Prognosen, die wiederum auf Zahlen des April basierten, die nun deutlich nach unten genommen wurden. Fakt ist: Von Erholung ist hier keine Spur zu sehen.
Das von mir handgebastelte Diagramm zu den Hausverkäufen der letzten 12 Monate (weil die üblichen Chartanbieter den Mai noch nicht eingearbeitet hatten) sieht harmlos aus, weil hier die Datensäulen die absoluten Zahlen zeigen. Aber man kann dennoch sehen:
Der Schnitt der Verkäufe lag im 2. Halbjahr 2006 um die 980.000. Und wenngleich sich die Zahl der verkauften neuen Eigenheime von dem scharfen Abriss um 20% zwischen Dezember und März nun wieder abgesetzt haben – das Niveau liegt dennoch sehr deutlich niedriger als zuvor ... und auch die aktuellen Mai-Daten von 930.000 müssen ja erst mal im kommenden Monat bestätigt werden ... denn zuletzt gab es nahezu ausschließlich Revisionen nach unten!
US-Verbrauchervertrauen überraschend schwach
Zeitgleich zu diesen Daten kam auch das US-Verbrauchervertrauen für Juni auf den Tisch - mit unerfreulichem Resultat. Nach den hohen 108,5 für den Mai ging man im Vorfeld bereits von einer Abschwächung aus, vor allem mit Blick auf die deutlich gestiegenen Energiepreise. Doch anstatt der erwarteten 105,5 bis 106,0 waren es nur schwache 103,9. Das ist nicht so tragisch, wie es klingt, wenn man sich den längerfristigen Chart des Verbrauchervertrauens mal ansieht (Quelle www.markt-daten.de, aktualisiert um den aktuellen Wert von mir):
Aber dennoch trägt dieser Rückgang dazu bei, die langfristige Kurse nach unten zu drehen. Und wenngleich das Verbrauchervertrauen nicht mehr als ein Ausdruck der Befindlichkeit der US-Bürger ist und niemals 1:1 in kommendes Konsumverhalten übertragen werden kann ... zu denken gibt diese Entwicklung allemal ...

