US-Marktinterna, S&P 500, Dow Jones, DAX
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Dax 30
vom 17. August 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Marktinterna USA:
Der NYSE BP Index hat inzwischen die 80-er Marke überwunden, was bedeutet, dass 80% aller an den New Yorker Börse gelisteten Aktien auf einem Point&Figure-Kaufsignal stehen (Zur Erinnerung: Bereits ab einem Wert von 70 gilt der Index als überkauft und in den roten Zone). Ich denke, der folgende Point&Figure-Chart spricht für sich:
Abb.: Aktueller P&F-Chart des NYSE BPI
Dünn ist die Luft hier auf jeden Fall bereits (dünne Luft führt allerdings noch nicht notwendigerweise sofort zum Kollaps).
Ein ähnliches Bild zeichnet sich in einer Reihe von weiteren Bullisch-Prozent-Indizes ab, welche ich verfolge. Der NASDAQ-BPI z.B. (analoges Konzept zum NYSE BPI, nur eben bezogen auf die NASDAQ-Aktien) steht bei 88 im P&F-Chart.
Was natürlich beim NYSE BPI besonders mitspielt (und von Anfängern übrigens gerne übersehen wird) ist, dass ein vergleichsweise großer Anteil der in ihm erfassten Aktien aus dem Finanzbereich stammen. Wenn es also gerade hier eine Rallye gibt, reißt das natürlich auch den Index entsprechend mit.
Einen interessanten Vergleich bietet dazu der sog. BPI aller amerikanischen Aktien, welcher über die jeweiligen Teilbörsen hinausgeht. Dieser drehte in der Vergangenheit relativ gerne im 70er Level und befindet sich aktuell bei 69 Punkten.
Wie man es auch dreht und wendet, die meisten BPIs, welche den breiten US-Markt (oder dessen Segmente) abdecken, zeigen alle ähnliche Resultate an: Überkauftheit.
Überkauftheit führt noch nicht zwangsläufig zum Kursrutsch
Wie ich bereits im ersten Artikel der heutigen Ausgabe schrieb, können Märkte lange überkauft bleiben (meist länger, als man als Anleger, der schon auf Shorts lauert, erwartet).
In solchen Situationen gibt es zwei Möglichkeiten, wenn Sie hier auf negative Marktbewegungen setzen möchten:
- Sie gehen davon aus, dass die Märkte nicht mehr großartig weiter steigen können, und positionieren sich mit ein paar Positionen short.
- Sie warten, bis ein Abbruch nach unten sich tatsächlich zeigt, und gehen dann short.
Aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit zahlreichen Anlegern weiß ich, dass in solchen Situationen natürlich gerne die erste Variante gewählt wird. Oft höre ich Aussagen wie "Der Bock ist fett genug! Wer will schon die besten Filetstücke verpassen, wenn das Schlachtfest eröffnet wird?"
Solche Vorgehensweisen gingen in der Vergangenheit oft sehr profitabel aus und bescherten den entsprechenden Anlegern tatsächlich ihre finanziellen Filetstücke.
Ich möchte hier jedoch trotzdem zu Vorsicht mahnen (da ich selbst in der Vergangenheit immer einmal wieder ähnlich agiert habe). Wir haben inzwischen im Börsenhandel das Phänomen von immer mehr Programmtrades, welche inzwischen von hochintelligenten Handelssystemen durchgeführt werden, die teils sogar darauf ausgerichtet sind, andere Handelssysteme in die Irre zu führen, um so entsprechende Bewegung im Markt zu erzeugen.
Es kann in solchen Fällen sogar soweit gehen, dass von einem Computer ein Signal ausgelöst wird, was andere, weniger "intelligente" Systeme dann gemeinsam jagen. Somit dürften wir insgesamt (je mehr von diesen Systemen an den Finanzmärkten aktiv werden) mit grundsätzlich in den bisherigen Extrempunkten weiteren Ausschlägen sowohl in den Märkten als auch in verschiedenen Indikatoren rechnen dürfen.
Hier ein "Frontrunning" zu machen, bevor die eigentliche Bewegung tatsächlich eintritt, wird daher vom relativen Risiko her immer höher.
Natürlich steht es jedem von Ihnen frei, den eigenen Kurs zu wählen, doch ich habe mich inzwischen derart umentschieden, dass ich erst aktiv werde, wenn ich tatsächlich entsprechend bestätigte Anzeichen im Markt sehe, und dafür aber länger in der Bewegung drinnen bleibe und die Profite etwas später mitnehme. In zahlreichen Fällen hat sich dies m.E. als sicherer erwiesen, als die "klassische" Methode des Antizipierens der nächsten Marktbewegung.
Wie können wir nun einen Ausbruch erkennen?
Ein Indikator, den ich im Zusammenhang mit zahlreichen weiteren Indikatoren nutze, um Ausbrüche zu bestätigen bzw. zu beurteilen, ist bekanntlich der VIX. Was diesen angeht, berichtete ich Ihnen u.a. im Markt-Update am letzten Donnerstag, dass wir hier sich verengende Bollinger-Bänder haben, was oftmals einen bevorstehenden, größeren Ausbruch andeutet.
Sehen wir uns in Ergänzung zum Chart vom letzten Donnerstag doch heute einmal den aktuellen Point&Figure-Chart des VIX an:
Abb.: Aktueller P&F-Chart des VIX
Wie Sie hier unschwer sehen können, notiert der VIX auf einem sehr niedrigen Niveau (verglichen mit den letzten Monaten). Die Chancen für einen Ausbruch nach oben, sollte er denn tatsächlich eintreten, halte ich somit für deutlich höher als einen Ausbruch nach unten (theoretisch natürlich auch möglich, aber Trading ist ja bekanntlich ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten).
Damit bleibt für heute noch die Frage zu klären, ob die externen Märkte (in unserem Beispiel die Leitindizes wie Dow Jones, S&P 500 oder DAX) bereits erste verdächtige Signale zeigen.
Ein kurzer Blick auf Dow Jones, S&P 500 und DAX
Betrachten wir doch zunächst einmal den S&P 500 Index als P&F-Chart:
Abb.: Aktueller P&F-Chart des S&P 500
Ohne Zweifel ist das hier ein ganz netter Anstieg, den wir auf dem Chart sehen können, doch ist die Luft dünner, als man hier auf den ersten Blick erkennen kann. Wenn wir den S&P 500 BPI betrachten, so ergibt sich ein relativ überkaufter Stand, denn auch dieser notiert bereits im 80er Bereich.
Noch verdächtiger werden die Formationen allerdings, wenn wir uns DAX und Dow Jones Index in den jeweiligen P&F-Charts betrachten:
Abb.: Aktueller P&F-Chart des Dow Jones Industrial Average Index
Das, was wir hier sehen, kann potentiell sehr hässlich sein, denn wir haben eine enge Handelsspanne seit August und ein doppeltes Scheitern an der Überwindung der 9400er Marke. Natürlich ist es möglich, dass wir hier erst einmal konsolidieren, aber ein Bruch der 9250er Marke lässt, wie der obige Chart zeigt, relativ viel Spielraum nach unten - ohne nennenswerte Widerstände aus P&F-Sicht.
Eine ähnliche Formation zeigt sich übrigens auch im DAX:
Abb.: Aktueller P&F-Chart des DAX
Auch hier sehen wir relativ wenig an charttechnischen Auffangnetzen aus P&F Sicht...
FAZIT
Ich beobachte die aktuelle Lage sehr skeptisch. Im Moment ist aus meiner Sicht keinesfalls die Zeit für größere Long-Einstiege, noch weniger dann, wenn diese durch die "Angst, etwas zu verpassen" motiviert sind. Nichts steigt oder fällt an der Börse gerade in einer Linie. Es macht aus meiner Sicht daher auf jeden Fall Sinn, Korrekturen abzuwarten, bevor ein erneuter, breiterer Einstieg erfolgen sollte.
Natürlich mag für viele "Shorter" unter Ihnen die jetzige Situation sehr verlockend sein und ich gebe natürlich zu, dass dieser Markt extrem überkauft ist. Das Risiko, zu früh zu antizipieren, wäre mir jedoch die paar Punkte bis zu einer Bestätigung einer evtl. neuen Abwärtsbewegung nicht wert (zumal Sie ja am Ende der Bewegung noch mehr Spielraum als früher haben sollten, wie ich oben beschrieb).
Vorhandene Long-Positionen würde ich auf jeden Fall mit engen Trailing-Stopps versehen. Wer mit Optionen handelt, für den bieten sich Covered Calls in solch einer Lage natürlich ebenso (und meist sogar prächtig) an.
Was auch immer Sie in diesem Markt tun, ich wünsche Ihnen eine ruhige Hand, disziplinierte und gut durchdachte Entscheidungen sowie viel Erfolg.
Beste Grüße
Alexander Hahn
Ideen, wie Sie die heutigen Informationen gewinnbringend einsetzen können:
- Setzen Sie Trailing Stopps auf Ihre Positionen
- Sofern diese bereits vorhanden sind, überprüfen Sie, ob es Sinn machen kann, die Stopps zu verengen
- Nehmen Sie Teilgewinne mit, so dass Ihre Positionen profitabel bleiben (vgl. "50-50"-Regel vom letzten Donnerstag)
- Nehmen Sie schwache Positionen komplett mit Gewinn aus dem Markt, wenn Sie der Lage nicht vertrauen
- Überlegen Sie, wie Sie von einer Korrektur oder Abwärtswelle ggf. profitieren könnten (Was könnte sich für Sie als möglicher Short anbieten? Sowohl zur Spekulation als auch zur reinen Portfoliosicherung...)




