US-Leitzinsen steigen – Renditen am Anleihenmarkt fallen
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 02. Juli 2004 12:00 Uhr
ENL5462
Da erhöht die Fed die Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt – und was macht die Rendite der US-Staatsanleihen? Sie fällt – wie seit Tagen –, und zwar alleine gestern um 0,05 % auf 4,56 %. Damit steht sie auf einem Mehrwochen-Tief. Anfang Juni hatte sie im Topp bereits rund 4,90 % erreicht.
Wie passt das zusammen – Erhöhung der US-Leitzinsen und Rückgang der Rendite am US-Anleihenmarkt?
Nun, hier sehen wir wieder einmal an klassisches Phänomen: Das "buy the rumour, sell the fact".
In diesem Fall bedeutet das:
Eine US-Leitzinserhöhung war seit Monaten abzusehen, so gut wie sicher.
Zunächst einmal müssen Sie wissen, dass es einen Unterschied zwischen der Entwicklung der Leitzinsen und der Umlaufrendite bei den US-Staatsanleihen gibt. Letztere folgt dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, richtet sich aber letztlich auch nach der Höhe der Leitzinsen.
Steigende Leitzinsen bedeutet also "irgendwie schon" auch steigende Umlaufrendite (da sich die Umlaufrendite auf lange Sicht gesehen nicht gegen die Entwicklung der Leitzinsen stemmt). Und steigende Umlaufrenditen sind deshalb genau das, was der Markt bereits seit einem Jahr "vorweggenommen hat". Das ist mit dem "buy the rumour" gemeint: Das Vorwegnehmen der eigentlichen Entscheidung.
Dieses "Vorwegnehmen" war aber zu drastisch. Denn die Umlaufrendite der US-Staatsanleihen ist innerhalb eines Jahres von 3,11 % auf bis zu 4,90 % geklettert. Im gleichen Zeitraum blieben die Leitzinsen immer bei 1,0 %, mit der Aussicht auf eine Erhöhung auf 1,25 %. Folge: Dieses "Vorwegnehmen" war zu drastisch und musste korrigiert werden.
Deshalb kam es zu den sinkenden Renditen am US-Anleihenmarkt in den letzten Wochen, und daran konnte auch die Bekanntgabe der allseits erwarteten US-Leitzinssenkung ("the fact") nichts ändern.
Sie sehen wieder einmal: Es sind die Gerüchte und "Einpreisungen", die die Kurse machen. Wenn die Nachricht selbst bekannt wird, dann kommt es oft sogar zu einer gegenteiligen Kursbewegung – als der, die man eigentlich bei diesem Ereignis erwarten würde.
Beste Grüße,
Michael Vaupel
ähnliche Beiträge:
- USA: Renditen am Anleihenmarkt sollten nun steigen!
- Wieweit können die Deutschen Bund-Renditen noch fallen?
- Bei Gold ist alles vorstellbar
- US-Anleihenmarkt kollabiert
- Erholung im Technologiesektor
- Nichts, auf das man sich freuen kann ...
- US-Kreditaufnahme mit Rekordwert
- Anleihenmarkt: Letzte Warnung!
- Was ist mit US-Staatsanleihen Puts?
Artikel weiterempfehlen