US-Kreditwürdigkeit wird in Zweifel gezogen
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 20. April 2011, 17:00 Uhr
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am Montag ging es abwärts für die Märkte, nachdem die US-Ratingagentur S&P den Ausblick für das Kreditrating der USA auf "negativ" gestuft hatte.
Wie bei einschneidenden Ereignissen üblich, wurde dieser Schritt in den Medien sehr unterschiedlich kommentiert. Zusammenfassend ergaben sich hierbei unter anderem die folgenden Hauptargumentationsrichtungen:
- "Der Schritt ist egal": Radikale Bullen unter den Marktteilnehmern scheinen den Schritt völlig ignorieren zu wollen. Das Defizitproblem sei bekannt und bereis "eingepreist" (Doch warum fällt dann der Markt nach Verkündung der Meldung?)
- "Die Änderung des Ausblicks ist ein Warnschuss. Mehr nicht.": Dass die Lage um die US-Staatsfinanzen prekär ist, sei bekannt. Viel mehr sei das Herabsetzen des Ausblicks als ein Zeichen an die Politik in Washington zu sehen, endlich einmal ernst zu machen mit der Verlangsamung bzw. dem Zurückfahren der Verschuldung. Grund zur Sorge gebe es aber erstmal keinen.
- "Die Änderung des Ausblicks ist gefährlich. Fällt das US-Rating wird das außerdem zu starken Verwerfungen an den Märkten führen.": Sinkt das US-Kreditrating wird das unweigerlich dazu führen, dass die Kosten für die USA sich Geld zu leihen, stark steigen werden. Das wird die in starker Schieflage liegenden US-Finanzen bedrohlich stark belasten, was an den Märkten Sorgenverkäufe und viel Unsicherheit auslösen wird.
Die hier genannte Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, jedoch waren die drei genannten Richtungen in den Medien immer wieder zu hören. Ich selbst bin noch dabei, mir eine abschließende Meinung zu dieser Sache zu bilden.
Was mich ein wenig stört ist, dass nur sehr wenige Kommentatoren und Experten berücksichtigen, dass S&P traditionell der republikanischen Partei in den USA sehr nahe steht und daher ein solcher Schritt für mich auch ein wenig einen kleinen Geschmack eines politischen Gefallens an die befreundete Partei hat, die sich ja in starker politischer Auseinandersetzung mit dem amtierenden US-Präsidenten Obama befindet.
Wer letztlich Recht hat? Das wird sich wohl in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Es dürfte auf jeden Fall spannend sein zu sehen, wie sich die Lage weiter entwickelt. Vorerst gehe ich jedoch erst einmal davon aus, dass der Schritt zwar beachtenswert ist, jedoch keine ernsthaften Konsequenzen auf die Entwicklung der aktuellen Börsenrallye haben wird. Sollte es, wenn überhaupt, zu einer Korrektur kommen, sind dafür eher andere Gründe (technische Überkauftheit, etc.) verantwortlich.
Wie reagierte der interne Markt auf die Ereignisse vom Montag?
Die Reaktion des internen Markts am Montag fiel sehr verhalten aus. Zwar sanken die Leitindizes am Montag relativ deutlich und auch auf kurzfristigerer Basis hinterließ der Montag ein paar Spuren im inneren Markt, doch längerfristig bleibt die Lage eindeutig stabil.
Werfen wir zunächst einen Blick auf den "Prozent der 10"-Index:
Quelle: Stockcharts
Wie Sie im obigen Chart sehen können, steht der Index aktuell in einer O-Spalte. Dies signalisiert zwar nicht unbedingt Stärke, jedoch ist der Index nur rund 1.2 Punkte von einem Wechsel in eine X-Spalte entfernt und während diese Zeilen entstehen, stehen die Märkte solide im Plus, weshalb von einem Wechsel der Spalte nach dem heutigen Tage ausgegangen werden kann.
Auch im NYSE BP Index sieht das Bild gut aus:
Quelle: Stockcharts
Der Index notiert nach wie vor in einer X-Spalte. Kritisch würde das Bild erst, wenn der Index unter die rote Linie (=70 Punkte) fiele und dort eine O-Spalte ausbilden würde. Dies käme einem Wechsel von "Bull confirmed" auf "Bear confirmed" gleich und wäre als ein Alarmsignal zu betrachten.
Warum ist der NYSE BPI eigentlich so wichtig?
Zur Erinnerung: Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.
Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.
Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.
Aktuell sieht jedoch noch alles gut aus, weshalb ich im Moment keinen Grund zur Sorge wegen der Änderung des Rating-Ausblicks sehe.

