US-Kreditaufnahme mit Rekordwert
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 30. Juli 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Die Renditen am US-Anleihenmarkt steigen weiter deutlich. Der Selloff der letzten Tage war dadurch begründet, dass die US-Regierung Pläne über die Auktion gewaltiger Mengen von Regierungsanleihen bekannt gegeben hat. Die Regierung hat gesagt, dass sie im dritten und vierten Quartal den Rekordwert von 230 Mrd. Dollar an neuen Mitteln aufnehmen will, um das Haushaltsdefizit finanzieren zu können. Im vierten Quartal soll die Mittelaufnahme bei 126 Mrd. Dollar liegen – das ist der höchste Wert in einem Quartal, den es je gab. Das toppt noch den bisherigen Rekordwert von 111 Mrd. Dollar im ersten Quartal dieses Jahres.
Diese bevorstehenden Auktionen von Staatsanleihen sind eigentlich "alte News", genau wie die meisten anderen Gründe dafür, Anleihen zu verkaufen. Ein exzellenter Grund ist zum Beispiel die Drohung eines Wiederauferstehens der Inflation. Ein weiterer Grund ist das einstimmige Versprechen der Fed, den Dollar zu zerstören ..."wenn es sein muss".
Währenddessen ist der Goldpreis seit dem Tief am 17. Juli (340,80 Dollar pro Feinunze) um fast 30 Dollar gestiegen. Was weiß dieses Edelmetall? Weiß es, dass der Dollar überbewertet ist? Oder weiß es vielleicht, dass die US-Vermögenswerte überbewertet sind – sowohl der Dollar als auch amerikanische Aktien und Anleihen?
Was den überbewerteten Anleihenmarkt betrifft – das Mysterium ist nicht die Tatsache, dass die Renditen steigen, sondern die Tatsache, dass sie vorher so tief gefallen waren. Man kann nicht jeden Tag "explodierende Haushaltsdefizite" und "niedrigstes Zinsniveau seit 1956" im selben Satz lesen. Aber genau das war vor 2 Monaten der Fall, bevor die epische Spekulationsblase am Anleihenmarkt einen Riss bekommen hatte.
Es stimmt, dass die Renditen am US-Anleihenmarkt in den letzten 1,5 Monaten deutlich gestiegen sind – aber sie könnten noch viel, viel höher steigen. Man sollte sich daran erinnern, dass die Rendite der 10jährigen Staatsanleihen im Januar 2000 noch bei fast 7 % lag, und dass die durchschnittliche Rendite dieser Anleihen in den 1990ern bei 6,69 % lag. Wenn ich alle Fakten berücksichtige, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass dieser neue Bärenmarkt am Anleihenmarkt noch einige Jahre lang fortbestehen könnte ...
Als der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan letzte Woche vor dem Kongress sprach, versicherte er, dass er weiter dafür sorgen wolle, dass der amerikanische Konsument weiterhin Geld, das er nicht hat, für Dinge, die er nicht braucht, ausgeben werde. Indem er sich weiter verschulden wird. Greenspan sagte:
"Trotz des signifikanten Anstiegs der Schuldenlast ( ...) haben die niedrigeren Zinsen eine Restrukturierung von existierenden Schulden erlaubt. Die Haushalte haben die neuen Tiefs bei den Hypothekenzinsen genutzt, um ihre Schulden zu besseren Konditionen zu refinanzieren, die Laufzeiten zu verlängern und in vielen Fällen die Summe der Hypotheken zu erhöhen. Der Schuldendienst ist deshalb sogar zurückgegangen."
Der Nachteil dieser wundervollen Schuldenanhäufung ist, dass steigende Zinsen die Lage ganz schnell verschlechtern. Das Gewicht der gewaltigen Schulden werden die Konsumenten dann wieder sehr schnell spüren.
Ist es da ein Wunder, dass die Zahl der persönlichen Pleiten deutlich steigt, trotz der immer noch niedrigsten Zinsen seit einer Generation? Allein letzte Woche gab es in den USA 31.408 persönliche Pleiten – ein Anstieg von 9,9 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert. Jetzt, wo die Zinsen wieder steigen, würde es mich nicht wundern, dass auch die Zahl der Pleiten weiter steigt. Sogar trotz der "sich erholenden" Wirtschaft, die Alan Greenspan voraussagt.