US-Konjunkturdaten: Wenig Basis für Jubel
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte
vom 18. Juli 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Vieles passt nicht zu der aktuellen Rallye an den Aktienmärkten. Das Öl nicht, die Zinsen nicht, die Euro/Dollar-Relation nicht und die US-Hypothekenkrise erst recht nicht. Doch bislang sind wenigstens die US-Konjunkturdaten zumindest in den vergangenen Wochen per saldo so ausgefallen, dass man hoffen durfte, die US-Notenbank würde recht behalten und die USA könnten sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.
Doch nach wie vor tauchen immer wieder Daten auf, die daran zumindest berechtigte Zweifel nähren. Gestern sahen wir zumindest einige Zahlen, die nicht so recht in ein bullishes konjunkturelles Bild für die kommenden Wochen und Monate passen.
Der ZEW-Index stolpert
Den Anfang machten allerdings deutsche Daten. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen für Juli kam um 11 Uhr auf den Tisch – und gar nicht mal so gut!
Nachdem die Werte dieses Index, der sich aus den Umfrageergebnissen unter Finanzexperten zusammensetzt, in der ersten Jahreshälfte ziemlich rapide emporgeschossen waren, zeigte sich im Juni ein erstes Anzeichen von Stagnation, das sich, so die Prognosen, im Juli fortsetzen sollte. Es wurde dann aber doch ein eher deutlicher Rücksetzer:
Der Index der Konjunkturerwartungen fiel von 20,3 deutlich auf 10,4 zurück. Erwartet wurde nur ein moderates Minus auf 19,5. Die Beurteilung der aktuellen Lage hingegen gab nur leicht nach (auf 88,2 nach 88,7, Erwartung 88,0), doch weitaus wichtiger ist natürlich die Komponente der konjunkturellen Erwartung. Andererseits:
Der Aktienmarkt reagierte auf diesen Rücksetzer kaum (die Kursabschläge im Dax hatten schon vorher stattgefunden). Es kann durchaus sein, dass man den ZEW, der in 2006 lange voll daneben gelegen hatte, einfach nicht ernst nimmt und auf die in Kürze folgenden Zahlen des ifo-Index wartet, die nicht von Finanzexperten, sondern von den Unternehmen selbst stammen.
Ob allerdings der ifo im Gegensatz zum ZEW so ganz ohne einen erneuten Rücksetzer seiner unlängst erreichten Rekordniveaus auskommen wird, wage ich zu bezweifeln.
US-Produzentenpreise gefallen ... leider nur in der Gesamtrate
Die mit Spannung erwarteten neuen Juni-Inflationsdaten begannen wie immer mit den Produzentenpreisen. Hier gab es eine Überraschung: Sie waren gefallen. In der Gesamtrate ging es um –0,2% nach unten, die Prognose lautete auf +0,2%. Doch nach erstem Jubel hielt sich die Freude in Grenzen.
Immerhin ging es hier um die Gesamtrate inklusive Energiekosten. Das war die, welche man, als sie z.B. wie im Mai um satte +0,9% gestiegen war, als unwichtig beiseite geschoben hatte. Und nach den Steigerungen ist ein kleines Minus nicht entscheidend.
Wichtiger ist – so sagt zumindest immer noch die Notenbank, nicht ich – die Kernrate ohne Energiepreise. Und die war mit +0,3% über den Erwartungen (+0,2%) ausgefallen. Weniger erfreulich. Auf Jahresbasis liegt der Anstieg in der Kernrate per Juni damit wieder näher an der 2%-Marke, welche die Notenbank als Obergrenze für die Inflation bezeichnet: +1,8% nach noch +1,6% im Mai. Kein Beinbruch – aber eben auch keine guten Nachrichten.
Industrieproduktion legt wieder zu
Nach einer Auszeit im Mai, als die Industrieproduktion –0,1% zurückging (revidiert von zuvor +/-0) legte sie per Juni wieder um immerhin +0,5% zu. Die Prognose lag bei +0,4% bis +0,5%, wurde also letztlich nur getroffen.
Die Kapazitätsauslastung stieg auf 81,7% nach 81,3% im Mai (Prognose 81,5 – 81,6%). Leicht positive Nachrichten, die aber letztlich nicht auffällig genug waren, um daraus neue Wachstumsstärke zu lesen oder die Börsen zu bewegen.
Nationaler Hausbau-Index der USA auf 16-Jahres-Tief
Um 19:00 Uhr unserer Zeit schloss der Reigen der gestrigen Konjunkturdaten mit dem US-National-Homebuilder-Index für Juli. Böse Zahlen: Der Index fiel auf 24 nach 28 zurück und liegt damit auf dem niedrigsten Niveau seit 1991! Anfang des Jahres lag dieser Index noch um die 40.
Es ist offen, ob die heute anstehenden Zahlen zu Neubaubeginnen und Baugenehmigungen diese schwachen Werte 1:1 bestätigen werden, aber sie unterstreichen doch die Tendenz des Immobilienmarkts: Unverändert abwärts und keine Bodenbildung in Sicht!