US-Konjunkturdaten: GDP nicht so ganz wie gewünscht
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte
vom 29. Juni 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Gestern nachmittag durchbrach die US-Ölsorte WTI die 70 Dollar-Marke nach oben. Auf Bloomberg hob ein Kommentator die positive Seite hervor: Die Ölaktien steigen. Das ist fein. Aber was ist mit den Aktien der paar Unternehmen dieser Welt, die kein Öl produzieren, sondern es verbrauchen? Im Augenblick gelingt es immer noch, diese Öl-Rallye – die noch durch keinen einzigen Hurrikan befeuert wurde – zu ignorieren. Man starrt auf die Charts der Aktienindizes und stellt fest, dass am Mittwoch kleine Unterstützungen gehalten haben – also hurtig einsteigen, jede Rallye ist eine Kaufgelegenheit ... ha, wir werden sehen.
Die Aufwärtsbewegung des Dax am gestrigen Donnerstag fußte ja zum einen auf der Aufwärtsbewegung der US-Börsen vom Vortag und zum anderen auf der Erwartung, dass am Abend nach der US-Notenbanksitzung alles problemlos laufen und der Aktienmarkt danach weiter steigen würde. Während ich dieses schreibe, kann ich das nicht ermessen – Sie wissen bereits mehr, denn mein Kommentar zur Zinsentscheidung steht natürlich über diesem Artikel.
Was aber über den Abend hinaus wichtig ist, ist vor allem die Frage, wie es mit der US-Wirtschaft weiter geht und was die Notenbank tun wird – bzw. tun muss. Da ist ein steigender Ölpreis das genaue Gegenteil dessen, was die Notenbanker – und die US-Bürger – brauchen können. Denn dass die Gesamtlage fragiler ist, als die meisten Investoren sich bewusst machen, zeigen nicht nur einige der jüngsten Konjunkturdaten aus dem Mai und Juni:
Auch die endgültigen Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt (GDP) des 1. Quartals fielen nicht gar so gut aus wie vermutet – wobei es an sich schon ein wenig überrascht, dass es in dieser 2. Revision überhaupt noch zu Veränderungen gekommen ist.
Der reine Anstieg des GDP lag mit +0,7% in der endgültigen Zahl einen Tick über den +0,6% der ersten Revision, aber unterhalb der Erwartungen der Experten, die hier von +0,8% ausgingen. Die persönlichen Ausgaben blieben mit +4,2% unverändert (Prognose +4,4%), der PCE Preisindex wurde auf +4,2% angehoben (zuvor +4,0%, Prognose auch +4,0%), die PCE Kernrate lag bei +2,4% (Erwartung war +2,2%).
Das sind keine Weltuntergangs-Daten, keine Frage. Und das 1. Quartal liegt lange zurück. Aber diese Daten zeigen einfach, dass die Erwartungshaltung klar positiver zu sein scheint als die Realität. Zuletzt wurden die Schätzungen der Analysten doch wieder öfter verfehlt. Das alleine gilt es, im Hinterkopf zu behalten ... denn es gibt nichts riskanteres am Aktienmarkt – das gilt für zu hohen Optimismus wie zu hohen Pessimismus gleichermaßen - als hinsichtlich der Zukunftserwartung auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.