US-Konjunkturdaten
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 30. Juli 2004 18:00 Uhr
ENL5462
Ganz schlechte Zahlen kamen heute aus den USA: Das US-BIP ist nach erster Schätzung um 3,0 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg um 3,5 bis 3,8 % nach zuletzt 4,5 (revidiert von 3,9 %).
Der Chain Deflator ist nach erster Schätzung um 3,2 % gestiegen. Erwartet wurden 2,8 bis 3,0 % nach zuvor 2,8 (revidiert von 2,9 %).
Zunächst ist einmal das BIP weit unter den Erwartungen. Begründet wird das mit einer Kaufzurückhaltung in den USA. Meines Erachtens könnte sich auch der hohe Ölpreis ausgewirkte haben. Die Wirtschaft wächst im zweiten Quartal also weitaus langsamer als allgemein erwartet und von der Bush Regierung behauptet.
Die Märkte wird das eher freuen, denn nun sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die US Leitzinsen bereits im August erneut angehoben werden. Nur, – der Chain Deflator ist stärker gestiegen als erwartet. Der Chain Deflator gibt einen Hinweis auf die Entwicklung der Inflation in den USA – diese legt stärker zu als erwartet bei sinkenden Wirtschaftsleistung? Normalerweise steigt die Inflation mit steigendem Wirtschaftswachstum.
Hier sehen wir erste Warnzeichen dafür, dass die Niedrigzinspolitik des Alan Greenspan auch in eine ganz andere Richtung gehen kann – nämlich in Inflation bei schwachem Wirtschaftswachstum, wie wir das im Investors Daily häufiger diskutiert hatten.
Andererseits sollten Sie bedenken, dass durch das jetzt niedrige Wirtschaftswachstum natürlich die Chance steigt, dass das Wirtschaftswachstum im 3. Quartal deutlich besser wird. Zum einen weil es von einen niedrigerem Stand ausgeht, zum anderen, weil der Vergleichswert niedriger ist.
Die Schätzung zum dritten Quartal wird im Oktober kurz vor der US-Wahl veröffentlich, ein Schelm wer dabei Böses denkt!
Etwas besser zeigt sich der endgültige Wert des Verbraucherstimmungsindex der Uni Michigan. Er notiert bei 96,7. Erwartet wurde der Index bei 96,0 bis 96,5. Der geschätzte Wert lag bei 96,0. Das hatte keinen Einfluss auf den Kursverlauf.
Der Einkaufsmanagerindex notiert bei 64,7. Erwartet wurde der Index bei 59,0 bis 62,0 nach zuvor 56,4.
Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex für Juli 2004 fiel wiederum deutlich besser als prognostiziert aus, auch wenn das eigentlich erwartet wurde: Er notiert bei 64,7. Erwartet wurde der Index bei 59,0 bis 62,0 nach zuvor 56,4.
Dies ist wiederum ein positives Signal, zudem auf die Zukunft gerichtet und relativierte damit das negative Signal des US-BIP. Das wiederum ließ die zuvor etwas gesunkene Zinserhöhungssorge, wieder ein wenig anwachsen.
Schlechtes BIP, steigende Inflation, bessere Einkaufsmanagerindex – sieht ein wenig nach Patt zwischen Bullen und Bären aus, mit ganz leicht positiver Tendenz. Es wird spannend und für die nächste Woche richtungsweisend, was die Amis daraus im weiteren Handel machen.
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