US-Konjunktur: Was nun, Mr. Bernanke?
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. März 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Wenn es nach dem Regelwerk geht, sind Zinssenkungen in den USA jetzt erst mal nicht mehr drin. Sie wissen ja, dass viele Marktteilnehmer und einige wenige Kommentatoren darauf abzielten, dass die Konjunktur in den USA fröhlich weiter in die Tiefe kippen möge, weil das Zinssenkungen bedeute und dies wiederum steigende Aktienkurse nach dem Motto „alles wird gut“. Was ich von derartigen Denkleistungen halte, wissen Sie ja.
Aber ich bin gespannt, ob diese Denker in ihrer grundbullishen Ausrichtung nun auch davon ausgehen, dass die US-Notenbank ihre eigentliche Aufgabe der Geldwertstabilität einfach mal zugunsten eines steigenden Aktienmarktes über Bord wirft, der sie letztlich nichts anzugehen hat. Denn mit den gestrigen Konjunkturdaten haben wir nun das Problem, das ich zuletzt öfter angesprochen habe:
Vorbehaltlich, dass auch die heute anstehenden Verbraucherpreise, auf die es eher ankommt, vergleichbar den gestrigen Produzentenpreisen gestiegen sind, kann die Notenbank eigentlich die Zinsen nicht senken. Auch, wenn es die nun langsam bedrohlich schwache Wirtschaftslage erfordern würde. Denn solange die Inflation über dem akzeptablen Niveau bleibt, wäre das wider ihre eigentliche Aufgabe, für die Stabilität der Währung zu sorgen.
Die rasant gestiegenen Lohnstückkosten im 4. Quartal und die zuletzt weiterhin über dem normalen Niveau liegenden Lohnsteigerungen (z.B. in den letzten Arbeitsmarktdaten mit einer Jahresrate von +4,1% gemessen) hatten hierfür bereits schwelendes Potenzial aufgezeigt. Das Ergebnis schlug sich in den gestern veröffentlichten Preisdaten nieder:
US-Produzentenpreise für Februar: Hoppla die erste
Die Erwartungen zielten auf moderate Preissteigerungen hin: Nach –0,6% im Januar sollten die Produzentenpreise in der recht intensiv schwankenden Gesamtrate diesmal um +0,5% angezogen sein. In der Kernrate rechnete man mit mäßigen +0,2%. Die gestern veröffentlichten Daten sahen jedoch sehr ernüchternd aus:
+1,3% in der Gesamt- und +0,4% in der Kernrate sind zuviel. Die jeweiligen Jahresraten sind so auf +2,5% in der Gesamt- und +1,9% in der Kernrate gestiegen.
Wenn, ich betone wenn sich das heute in den Verbraucherpreisen ebenfalls zeigen sollte, kommt das Schreckgespenst der Stagflation (Inflation trotz Stagnation der Konjunktur) wieder aus der Besenkammer. Und damit das Szenario, bei dem der US-Notenbank keine Rezepte zur Verfügung stehen, um beide Probleme gleichzeitig zu bekämpfen. So wirklich verwunderlich wäre dieses Szenario angesichts des Konsumbooms des letzten Jahres nicht. Aber noch sind das immer noch nur Möglichkeiten und keine sichere Projektion der Zukunft.
Ich möchte aber erwähnen, dass ich dieses Szenario im Herbst bereits schon einmal beschrieben hatte, als es erstmals danach aussah ... und dass es durchaus sein könnte, dass die USA im November und Dezember nur eine kurze Zwischenerholung hingelegt hatten, um nun weiter in Richtung Hades zu laufen. Damals wurde dieses Thema nur kurz aufgekocht und dann als absolut unmögliches Horrorszenario der Dauerpessimisten in die Tonne getreten. Das selbe tat man in dieser Phase übrigens mit den Warnungen, der Immobilienmarkt könnte weitaus schlimmer einbrechen als allgemein vermutet. Tja. So gesehen:
Man darf gespannt sein, wie sich die Lage weiter entwickelt, die Themen gehen den Börsianern jedenfalls nicht aus!
New York Empire State Index für März: Hoppla die zweite
Die Einschätzungen der Wirtschaftslage in der Region New York (gerichtet auf März, aber natürlich basierend auf den Erfahrungen der vorherigen Wochen, sprich mehrheitlich dem Februar) sind böse gefallen.
Nach einem überraschenden Hüpfer nach oben auf 24,4 für Februar buk man in den Prognosen schon kleinere Brötchen und erwartete nur noch ein Niveau zwischen 15 und 17. Doch das kleine Brötchen verwandelte sich in einen Krümel: Der Index kam mit 1,9 auf den Tisch, was per Saldo Null Wachstum bedeutet.
Besonders negativ ist die Zusammensetzung der Sub-Indizes: Ein scharfer Abriss der Auftragseingänge, ein Rückgang der Auslieferungen und des Auftragsbestands, dafür aber ein erneuter deutlicher Anstieg bei den bezahlten Preisen ... sprich der Preisdruck dürfte auch im März erhalten bleiben.
Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe relativ unauffällig
Wenigstens die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten fielen einigermaßen unauffällig aus. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der abgelaufenen Kalenderwoche fiel um –12.000 auf 318.000. Damit kam auch der Vier-Wochen-Schnitt hier von seinen Eineinhalb-Jahres-Hochs der Vorwoche wieder etwas zurück.
Weniger gut fiel jedoch die Zahl der laufenden Arbeitslosenhilfe-Empfänger aus: Hier stieg die Zahl um +48.000 auf 2,56 Millionen, der höchste Wert seit Januar 2006. Hier müssen Sie bedenken, dass dies nicht alle US-Arbeitslosen sind, sondern nur die, die Anspruch auf Unterstützung haben. Die Gesamtzahl liegt deutlich höher.
Philadelphia Fed-Index für März: Hoppla die dritte
Den Abschluss bildete um 17:00 Uhr (in den USA gilt bereits Sommerzeit, sonst wäre es 18:00 Uhr unserer Zeit gewesen) der Index der Notenbank von Philadelphia. Ebenso wie der obenstehende Empire State Index für die Region N.Y. wird hier von der regionalen Notenbank ein aus mehreren Unterindizes bestehender Gesamtindex mit den Einschätzungen aus den Unternehmen ermittelt.
Der Gesamtindex für die aktuelle Lagebeurteilung fiel, statt zu steigen. Anstatt sich wie prognostiziert von +0,6 im Februar in einen Bereich zwischen 5 und 6 zu erholen fiel der Index weiter auf nur noch +0,2 zurück. Ein Wert von Null bedeutet völligen Stillstand, sprich keinerlei Wachstum. Allerdings handelt es sich um einen sog. Diffusionsindex, der sich aus zahlreichen Unterindizes zusammensetzt, ebenso wie der N.Y. Empire State Index. Die muss man sich schon einzeln ansehen, um ein Bild der Lage zu erhalten.
Die Komponente der Auftragseingänge stieg von –0,5 auf +1,9. Nicht viel, denn diese Indizes werden ja nach „besser“, „neutral“ und „schlechter“-Einschätzungen berechnet. Dabei werden die neutralen einfach gestrichen und die anderen beiden Kategorien gegeneinander gerechnet. Was meint: Diese Indizes könnten theoretisch Extremwerte von +/- 100 haben (wenn alle Befragten einer Meinung wären). Problematisch auch hier die Preise: Der Subindex der bezahlten Preise stieg von 15,8 auf 21,8, der Subindex für die erhaltenen Preise von 9,4 auf 16,3.
