US-Konjunktur: Der Abstieg verläuft stabil
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 04. Oktober 2007 07:30 Uhr
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Ja, in der Tat ... das einzige, was hinsichtlich der US-Konjunktur stabil scheint ist, dass es ungebrochen nach weiterer Wachstumsschwäche aussieht. Ob sich das wirklich zu einer Rezession auswachsen wird, sei dahingestellt, aber es kommt dem in jedem Fall immer näher.
Immobilienmarkt: Boden erreicht, während die Werte wie ein Stein fallen?
Bereits am Dienstag wurden die so genannten „pending home sales“ im August, d.h. verkaufte Häuser, deren Vertrag noch widerrufbar wäre, gemeldet. Mit –6,5% sahen wir hier einen erneuten Schlag ins Kontor, da half auch die leichte Revision der Juli-Daten von zuvor –12,2% auf nun –10,7% wenig. Interessante Zahlen, während zugleich die Hausbau-Aktien nach oben schießen, weil man nun mal wieder – übrigens genauso wie im Frühjahr – ohne jede Belege behauptet, der Boden sei nun erreicht.
Arbeitsmarkt: ADP-Report unter den Erwartungen
Der von privater Seite ermittelte ADP-Arbeitsmarktreport kam gestern etwas unter den Erwartungen heraus. Ohne Staatsbedienstete, die hierbei nicht erfasst werden, sollen im September 58.000 neue Stellen geschaffen worden sein. Damit wird es für die Prognose des morgen anstehenden Gesamt-Arbeitsmarktberichts knapp, hier liegen momentan die aktuellsten Schnittwerte der Prognosen bei +113.000 Jobs.
Einkaufsmanager-Index im Dienstleistungssektor: Lau bei steigenden Kosten
Der ISM-Dienstleistungs-Index für September kam mit einem Gesamtwert von 54,8 unter dem Schnitt der Prognosen von 55,3 auf den Tisch. Im August hatte der Index bei 55,8 gelegen. Dabei waren vor allem die Unterindizes sehr interessant:
Der Subindex Beschäftigung stieg nach negativem Wert (Null-Linie ist hier immer ein Wert von 50) von 47,9 nun wieder auf 52,7. Der Auftragseingang fiel von 57,0 auf jetzt 53,4 zurück. Und der Klops waren die bezahlten (nicht die erhaltenen, die bezahlten) Preise, also die Inflationskomponente: Diese stieg von ohnehin hohen 58,6 auf 66,1!
Dabei war die erste Reaktion der Aktienmärkte typisch für eine „alles ist gut“-Phase. Man ignorierte einfach das Thema Inflation und fokussierte sich auf die Beschäftigung. Und wenngleich 52,7 ja nun nicht besonders beeindruckend waren – für eine schnelle Aktien-Rallye reicht es allemal.
Doch es ist wirklich nicht anders zu sehen, diese Reaktion deutet an, dass viele Trader doch scheinbar aus Deppensen und Dummdorf kommen. Denn was bedeutet ein solcher Wert von 66,1 bei den bezahlten Preisen?
Alle dieser Indizes sind Diffusions-Indizes, die wie folgt berechnet werden: Die neutralen, die also keine Veränderung erwarten, werden erst mal gleich von vornherein abgezogen. Und dann wird einfach der Prozentsatz derer, die niedrigere Preise erwarten, von dem Prozentsatz derer, die steigende Preise sehen, abgezogen. Wie kommt man da nun auf 66,1?
Nehmen wir mal an, nur mickrige 10% sind der Meinung, es ändert sich nichts. Die fliegen also aus der Berechnung. Um dann 66 zu erreichen, müsste die Relation derer, die steigende Kosten erwarten, z.B. bei 78% liegen; der Prozentsatz derer, die fallende Kosten voraussehen, nur bei 12%: 78% zu 12% - ein sehr massives Votum!
Das einfach fröhlich beiseite zu wischen – dazu gehört was. Denn egal, wie sich die Lage weiter entwickelt: Inflation können die USA jetzt wirklich absolut nicht brauchen!
US-Öllagerbestände unbeständig
Gleich eines vorab: Leider habe ich diesmal die Kapazitätsauslastung der US-Raffinerien nicht, das ist momentan ja mit Blick auf den Winter ein wichtiger Aspekt. Im Blindflug daher zu den Lagerbestandsdaten als solchen, die allerdings auch so alles andere als langweilig waren.
Während Rohöl mit einem Vorratsanstieg um 1,14 Millionen Barrel die Erwartungen übertreffen konnte (Prognose –0,55 Mio) ging es bei Benzin (-0,41 Millionen Barrel, Prognose +0,55 Mio) und Heizöl (-1,17 Millionen Barrel, Prognose +1,30 Mio) bergab. Und gerade auf das Heizöl wird nun, im Vorfeld der kalten Jahreszeit, besonders geachtet. Damit wäre zu vermuten, dass der momentane Rücksetzer der Ölpreise wenn, dann nur noch limitiertes weiteres Potenzial nach unten hat.
Aus charttechnischer Sicht ist hier ohnehin noch keine Trendwende in Sicht – was in anderen Jahren Anfang Oktober meist schon passiert war. Sie sehen im Kursverlauf der für uns relevanten Nordsee-Ölsorte Brent: Erst, wenn der aktuell gültige mittelfristige Aufwärtstrend bei 72 Dollar gebrochen würde, wäre wirklich mit einigermaßen angenehm niedrigeren Preisen in Richtung 60 Dollar zu rechnen.
Bis dahin sollte man hoffen, dass einem das Heizöl nicht ausgeht. Gut, dass der Herbst bislang so warm ist. Andererseits: Was passiert mit den Preisen, wenn es zügig kalt wird und damit die Erwartung hoher Nachfrage geschürt wird? Es wäre zwar sehr ungewöhnlich, aber ganz ausschließen sollte man einen Winter mit hohen Ölpreisen momentan lieber nicht!
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