US-Konjunktur: Das wird einfach nicht besser ....
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 07. März 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Die gestrigen US-Konjunkturdaten passten ins Gesamtbild der vergangenen Wochen: Sie waren zum Fürchten. Aber sie waren auch „alt“, d.h. es waren Daten vom 4. Quartal bzw. vom Januar. Sie runden somit das zuvor schön gemalte Bild als faktisch miserabel ab. Aber wirklich spannend wird es erst, wenn die ersten wichtigen Daten zum Februar kommen – die Arbeitsmarktdaten am Freitag.
Das Wachstum der US-Produktivität im 4. Quartal 2006 wurde wie befürchtet Hand in Hand mit dem Bruttoinlandsprodukt (GDP) sehr markant von vorher +3,0% in der ersten Schätzung auf nur noch +1,6% nach unten korrigiert. Das war schlimm, aber nach den GDP-Daten erwartet worden. Wirklich schlimm war aber die Entwicklung der Lohnstückkosten in diesem Zeitraum. Diese wurden von vorher +1,7% in der ersten Schätzung auf +6,6% nach oben genommen!
Solche Abweichungen gegenüber der ersten Schätzung gab es in den letzten 15 Jahren bei diesen Zahlen nicht. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder, die vormals so extrem falschen Daten waren Absicht. Aber was hätten sie bezwecken sollen, wenn vier Wochen später doch die wahrhaftige Lage ans Licht kommt? Oder bei der Erstellung des Datenwerks wurde unfassbar gepfuscht und vor Veröffentlichung nicht einmal geprüft. Denn wenn ich schon sehe, dass das hinten und vorne nicht stimmen konnte, werden das doch wohl die gemerkt haben, deren Job das ist? Ich finde keine Lösung, aber das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.
Und es hinterlässt auch ein Problem: +6,6% in den Lohnstückkosten. D.h. der Anteil der Löhne bei der Produktion ist deutlich angestiegen. Wenn sich das so bestätigen würde, würden mehrere Szenarien denkbar: Die Unternehmen erhöhen die Preise, um die gestiegenen Kosten auf die Verbraucher abzuwälzen. Das würde Inflationsdruck bedeuten. Oder aber sie schlucken die gestiegenen Kosten, weil sie keine Preissteigerungen durchsetzen können. Das würde jedoch Druck auf die Unternehmensgewinne bedeuten. Wie man es dreht und wendet: Das ist negativ.
Das war aber noch nicht alles. Um 16:00 Uhr kamen die US-Auftragseingänge für die Industrie im Januar. Alte Daten, aber immerhin immer mit der Revision der Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter dabei. So lässt sich abschätzen, ob diese in der Vorwoche veröffentlichten Daten auch hinhauen.
Sie hauten hin. Die letztwöchigen, sehr schwachen Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter waren sogar mit –7,8% zu gut geschätzt worden. Jetzt, in der Revision, sind es –8,7%. Und die Gesamt-Auftragseingänge? –5,6% ... erwartet waren im Schnitt „nur“ –4,5%. Und auch ohne den volatilen Transportbereich lagen die Auftragseingänge bei –2,9%.
Zeitgleich kamen mit den so genannten „Pending Home Sales“ die letzten Daten zum Immobilienmarkt für Januar. Hier geht es um quasi „halb verkaufte“ Häuser, deren Verkauf noch nicht völlig abgeschlossen ist. Diese Daten zeigen also ein früheres Stadium der Neubauverkäufe und ermöglichen so, eine Tendenz für den folgenden Monat, sprich den Februar, zu erahnen. Es scheint, als würde es – zumindest nach diesen Daten – noch weiter bergab gehen: Die „Pending Home Sales“ fielen im Januar um –4,1% zurück (Prognose –1,2%).
Die Aktienmärkte reagierten auf diese Daten gar nicht. Ein wenige Sekunden anhaltendes Abtauchen nach unten, das ebenso sekundenschnell wieder aufgeholt wurde – das war alles. Ob aber das Konzentrieren auf „andere Probleme“, sprich das Starren auf den Yen-Kurs als Allheilmittel für alles, was auf den Märkten lastet, von Dauer sein wird? Ich denke nicht.