US-Konjunktur: Auf den ersten Blick gut, einen zweiten spart man sich
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 17. April 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Die gestrigen US-Einzelhandelsumsätze für März waren auf den ersten Blick durchaus erfreulich. Auf den zweiten Blick wäre der Putz zwar etwas abgebröckelt, aber wie oben bereits beschrieben, mag dieser Tage keiner einen zweiten Blick verschwenden, wenn es dadurch weniger bullish würde. Also wurden sie – für den Markt – eben als gut wahrgenommen. Punktum.
US-Einzelhandel: Auf den ersten Blick top ...
Insgesamt waren die Einzelhandelsumsätze im März um +0,7% gestiegen. Erwartet wurden +0,6%. Das Positive aber war, dass die Vormonatswerte, also der Februar, von zuvor +0,1% auf +0,5% nach oben korrigiert wurde. Von dieser erhöhten Basis, vorher ja nicht bekannt, kamen also +0,7% dazu. Und so war das letzten Endes deutlich mehr und nicht nur ein wenig mehr als erwartet.
Gleiches galt für die Kernrate, die um +0,8% stieg. Hier wurden die volatilen Kfz-Umsätze herausgerechnet. Die Prognose lag zwar bei +0,9%, durch die Revision des Februar von vorher –0,1% auf nun +0,4% aber sah das Ganze doch recht erfreulich aus. So weit die Lage, wenn man es bei einem Blick belässt.
... auf den zweiten Blick nur „na ja“
Doch es gab durchaus Aspekte, die man, wenn man die wirkliche Gesamtlage einschätzen will und nicht nur die, die für die noch kommenden Aktienkäufer blankpoliert wird, bedenken muss. Zum einen wurde bei diesen Zahlen darauf hingewiesen, dass vor allem die Sprit-Umsätze an den Tankstellen gehörig zu diesem Anstieg beigetragen hatten – diese Umsätze stiegen nämlich alleine im März zum Vormonat um +3,1%. Zum anderen, und das eben nicht nur bei Tankstellen, sondern allgemein, sind die Umsätze hauptsächlich wegen höherer Preise und nicht wegen größeren, umgesetzten Mengen gestiegen!
Das bedeutet zum einen, dass diese Zunahme, die für einen März ohnehin nicht spektakulär ist, auf tönernen Preisfüßen steht und zum anderen, dass das Thema Inflation virulent bleibt.
Gut, aktuell will man das einfach nicht wissen. Aber es ist einfach üblich, dass einem die Börse diese Ignoranz irgendwann um die Ohren haut. Dabei gilt es fein zu unterscheiden: Zwischen denen, die es sehr wohl erkennen und zur Kenntnis nehmen, aber weiter mit dem Strom mitschwimmen, jederzeit bereit, von Bord zu gehen. Und denen, die diese Aspekte überhaupt nicht mitbekommen, weil sie über die Schlagzeile nicht hinaus lesen. Erstere können sich durchaus noch Rettungsboote sichern. Letztere laufen Gefahr, gar nicht mitzubekommen, warum jetzt plötzlich das Schiff sinkt ... und pflegen abzusaufen.
New York Empire State Index: Und ewig grüßt die Inflationsgefahr
Im Handelsverlauf verschwanden dann mit den sukzessive steigenden Kursen die beiden anderen interessanten Daten des Montags, weil sie halt nicht ins Bild passten:
Der New York Empire State Index, der Konjunkturindikator für die Region New York, wurde im Vorfeld auf +10 Punkte nach oben „gehofft“, nachdem er für Februar plötzlich einen unterwartet scharfen Rücksetzer erlitt, der mit +1,9 nur unwesentlich über der Marke des Nullwachstums lag.
Daraus wurde nichts. Mit +3,8 lag er nun auch nicht wirklich besser und verfehlte die Erwartungen klar. Während bei den Unterkomponenten die Auftragseingänge und laufenden Aufträge schwach, aber kaum verändert blieben, fielen zwei Elemente aus dem Rahmen: So gingen die Auslieferungen von zuvor +18,5 auf nur noch +8,7 zurück und der Subindex der bezahlten Preise stieg sehr deutlich von +30,2 im Februar auf nun +40,5 im März. Und wieder, wie bei vielen Daten der vergangenen Wochen, grüßt böse das Inflationsgespenst und unterstreicht, mit Querverweis zum Jubel über die unveränderte Produzentenpreis-Kernrate ohne Energiekosten: Auch die gestiegenen Energiekosten müssen bezahlt werden, ob das den Anlegern nun passt oder nicht!
Die Ausländer machen sich dünne
Und auch das Volumen der Aktien-Nettokäufe ausländischer Investoren in den USA für Februar kam auf den Tisch. Im Januar waren es noch 98,8 Milliarden Dollar gewesen, erwartet wurden für Februar 80 ... es wurden aber nur dünne 58,8 Milliarden. Der schwache Dollar als Grund - mag ja sein. Aber im Februar hielt sich dessen Abstieg ja in Grenzen. Der weit triftigere Grund dürfte im Vertrauensverlust in die US-Wirtschaft liegen ... und eine Erklärung sein, weshalb die US-Börsen zuletzt nicht besonders von der Stelle kamen und, wenn sich nichts tiefgreifendes und das auch noch schnell ändert, auch weiterhin nicht kommen werden.
Quartalsergebnisse
So, und wo bleibt die avisierte Übersicht über die Quartalsbilanzen? Dazu langte es heute nicht mehr, tut mir leid. Sie kommt morgen. Für heute erst mal eine Kurzberichterstattung:
Citigroup, J.P. Morgan und der Pharmakonzern Eli Lilly meldeten über den Prognosen liegende Zahlen, beide Aktien legten zu und sorgten am Gesamtmarkt für die – reichlich voreilige – Erwartung, dass das 1. Quartal mal wieder auch allgemein hervorragend gelaufen sei.
Heute kommen:
EMC Corporation (Gewinnerwartung 0,13 USD/Aktie),
Intel (Gewinnerwartung 0,22 USD/Aktie),
IBM (Gewinnerwartung 1,21 USD/Aktie),
Johnson & Johnson (Gewinnerwartung 1,05 USD/Aktie),
Yahoo! (Gewinnerwartung 0,11 USD/Aktie).